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Hedge-Fonds : John Paulson verliert sein goldenes Händchen

  • -Aktualisiert am

Erfolgssträhne unterbrochen: Fondsmanager John Paulson Bild: REUTERS

Die meisten Hedge-Fonds haben sich im ersten Halbjahr trotz Verlusten immer noch besser entwickelt als der amerikanische Aktienindex S&P 500. John Paulson, der jüngste Superstar der Branche hat sich allerdings etwas verspekuliert.

          „Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Resultate.“ Diese Warnung an Anleger steht in vielen Werbebroschüren von Fondsgesellschaften, die damit ihre Haftung für eventuelle Verluste ausschließen wollen. Die Kunden des durch seine erfolgreiche und kühne Wette auf fallende Häuserpreise berühmt gewordenen Hedge-Fonds-Managers John Paulson erleben gerade, wie wahr diese Warnung sein kann. Der größte Fonds seiner Gesellschaft Paulson & Co., der 9 Milliarden Dollar schwere Advantage-Fonds, ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg im ersten Halbjahr um 5,8 Prozent gefallen. Der kleinere Advantage Plus lag mit 8,8 Prozent im Minus. Beide Fonds hatten besonders im Mai und Juni stark an Wert verloren. Der einzige Lichtblick war Paulsons Gold-Fonds, der im ersten Halbjahr um 13 Prozent zulegte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Für Paulson und seine Kunden ist das eine neue Erfahrung, weil in den vergangenen Jahren monatliche Verluste kein Thema waren. Im Gegenteil: Paulson hatte mit seiner Wette auf steigende Ausfälle von Hypotheken mehrere Milliarden Dollar verdient. 2008 war der Advantage-Fonds um 25 Prozent gestiegen, obwohl der amerikanische Aktienmarktindex S&P 500 um 37 Prozent gefallen war. Im vergangenen Jahr setzte Paulson dann erfolgreich auf die Erholung von Bankaktien. Der Fondsmanager hält große Positionen bei den größten amerikanischen Kreditinstituten wie Bank of America, Citigroup, J.P. Morgan Chase, Capital One oder Wells Fargo. Seine Fonds profitierten zwar von der Erholung der Kurse im vergangenen Jahr. Aber im zurückliegenden Quartal waren die Kurse der Banken stark unter Druck geraten.

          Aktien schlechter als Goldminenwerte

          Daher scheint die Erfolgssträhne von Paulson, der jüngst auch wegen der Kontroverse um die Bank Goldman Sachs in die Schlagzeilen geraten war, zumindest unterbrochen. Goldman hatte 2007 für Paulson ein komplexes Hypothekenprodukt aufgelegt, damit er dagegen wetten konnte. Goldman zahlt 550 Millionen Dollar Strafe in einem jetzt von einem New Yorker Bundesgericht abgesegneten Vergleich mit der Börsenaufsicht, weil die Bank ihren Kunden die Rolle von Paulson nicht mitgeteilt hatte. Paulson wurde allerdings kein Fehlverhalten vorgeworfen.

          Wie schon mit seiner Wette gegen den Häusermarkt setzte Paulson zuletzt mit einigen Anlagen gegen die herrschende Marktmeinung. Er investierte in großem Stil in die amerikanische Kasinobrache und kaufte Anteile der hochverschuldeten Unternehmen Harrah’s, MGM und Boyd Gaming. Im Gegensatz zu diesen Anlagen war sein Investment von 3 Milliarden Dollar in einen börsennotierten Gold-Fonds deutlich profitabler. Paulson kaufte allerdings auch eine Minderheitsbeteiligung am südafrikanischen Goldproduzenten AngloGold Ashanti.

          Die Aktien des Unternehmens haben sich deutlich schlechter entwickelt als der Rest der Goldminenwerte. Konkurrenten von Paulson beginnen schon Blut zu lecken. „Er hat Erfolg mit einer großen Wette gehabt und jetzt scheinen die Leute zu glauben, dass er ein Experte in allen anderen Dingen ist“, sagte ein Hedge-Fonds-Manager dem Wirtschaftsmagazin „Fortune“.

          Das meiste Geld sammelten die Großen, Etablierten ein

          In der Tat hinkt Paulson seiner Branche hinterher. Hedge-Fonds haben nach Angaben des Informationsdienstes Hedge Funds Research im ersten Halbjahr nur durchschnittlich 0,2 Prozent an Wert verloren. Zum Vergleich: Der S&P 500, der die größten börsennotierten amerikanischen Aktiengesellschaften abbildet, war in diesen sechs Monaten um 7,9 Prozent gefallen. Hedge-Fonds, Anlagevehikel für reiche Privatanleger und Institutionen, nehmen für sich in Anspruch, wegen ihrer flexiblen Anlagestrategien in allen Marktphasen Gewinn zu machen. Hedge-Fonds können beispielsweise im Gegensatz zu den meisten traditionellen Investmentfonds mit Leerverkäufen auf fallende Preise setzen. Aber gegen Verluste sind sie dennoch nicht immun.

          Im zweiten Quartal dieses Jahres gaben Hedge-Fonds im Durchschnitt um 2,5 Prozent nach. Der S&P 500 hatte wegen der Sorgen über die europäische Schuldenkrise und ein möglicherweise nachlassendes Konjunkturwachstum im zweiten Quartal 12 Prozent eingebüßt. Dennoch sind Hedge-Fonds trotz der leichten Verluste als Anlagealternative weiter populär. Im zweiten Quartal verbuchten sie Zuflüsse von 9,5 Milliarden Dollar, hieß es bei Hedge Funds Research. Das meiste Geld sammelten große und etablierte Gesellschaften ein, die mehr als 5 Milliarden Dollar verwalten. Diese Fonds verwalten rund 60 Prozent der gesamten in Hedge-Fonds investierten Gelder.

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