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Hedge-Fonds-Interview : „Zu viele Dollars für zu wenige Manager“

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George Van, VAN Hedge Funds Advisors Bild: VAN

Das Interesse an Hedge Fonds ist in jüngster Zeit abgeklungen, aber der Bereich wächst weiterhin rasant. Zu viel Geld steht zu wenigen talentierten Managern gegenüber, erklärt George Van von VAN Hedge Fund Advisers.

          6 Min.

          Während der Baisse ärgerten sich viele Anleger über die zum Teil deutlichen Kursverluste bei Aktien. So war es kaum verwunderlich, daß sie sich plötzlich brennend für die zuvor verschrieenen Hedge Fonds interessierten, da die angeblich in der Lage seien, auch unter schwierigen Bedingungen gute Erträge zu erzielen.

          Mit steigenden Kursen an den Börsen hat sich das Interesse zumindest oberflächlich wieder etwas gelegt. Allerdings fließt immer noch sehr viel Geld in solche Produkte. Nun geraten sie vor allem dann in die Schlagzeilen, weil sie angeblich nicht genug abwerfen, weil wieder einmal einer der Manager seine Anleger betrogen hat oder weil es aufgrund solcher Vorgänge wie bei General Motors oder Refco zu Gerüchten über Schieflagen kam.

          George Van, Gründer und Chairman von VAN Hedge Fund Advisers International in Nashville, einer Analysefirma, relativiert im folgenden Interview manche Argumente und erläutert Chancen und Risiken.

          Sie haben schon vor ein paar Jahren ihre Hedge-Fonds-Analyse-Firma gegründet und waren damit einer der ersten mit diesem Ansatz?

          Ja, wir haben unsere Firma im Jahr 1992 gegründet und gehörten zu den ersten, die Hedge Fonds unter Verwendung einer quantitativen Risiko-Ertrags-Analyse auf breiterer Basis betrachteten. Ich interessierte mich damals für sie, da sie mir aufgrund der Erträge einerseits attraktiv erschienen. Auf der anderen Seite war ich etwas besorgt, da die Erträge der Robertons, der Soroses und der Steinharts sehr volatil waren, was für die Hedge Funds insgesamt so nicht gilt. So schaute ich mich nach Analysen um, fand damals keine und gründete aus diesem Grund die eigene Firma.

          Wie würden sie den Hedge-Fondsmarkt gegenwärtig beschreiben? Werden die Fondsmanager nicht vom hereinfließenden Geld „überflutet“?

          Auf gewisse Weise trifft das zu. Nach den Erfahrungen in der Baisse, in denen sie deutliche Kursverluste hinnehmen mußten, orientierten sich viele Anleger neu. Aus diesem Grund fließt immer mehr Geld in diesen Bereich. Manche Strategien wurden förmlich überwältigt, zum Beispiel die Arbitragegeschäfte mit Wandelanleihen, die sich kaum noch rentieren. Sie dürften das deutlichste Beispiel dafür sein, wie „verwundbar“ manche Strategien sind, wenn zu viel Geld hineinfließt. Andere Strategien wie Macro, der Handel mit Futures oder auch die so genannten „Value-Strategien“ sind breiter und tiefer und damit nicht so anfällig.

          Finden sich denn genügend talentierte Manager, die die Gelder auch sinnvoll verwalten können?

          Blickt man auf das so genannte Talent-Geld-Ratio, also das Verhältnis zwischen dem verwalteten Geld und der Anzahl der wirklich talentierten Manager, so ist es deutlich nach oben gegangen. Tatsächlich scheint es damit also zu viel Geld zu geben, das angelegt werden soll. Das heißt nicht, daß es keine guten Manager gibt. Es wird nur schwieriger, die richtigen herauszufinden.

          Auf was schauen Sie bei der Suche, nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Fondsmanager?

          Jeder hat seine eigenen Methoden. Wir nutzen verschiedene Filter. Mein Lieblingskriterium ist der Ertrag, den ein Fondsmanager in den vergangenen zwölf Monaten erzielt hat. Denn selbst wenn ein Manager längerfristig gut abgeschnitten hat, nicht jedoch in den vergangenen Monaten, so werden die Anleger nicht sonderlich begeistert sein. Sie wollen die Erträge nicht irgendwann haben, sondern jetzt. Auf diese Weise erhalten wir ein Ranking, das wir mit Risikokriterien gewichten und schließlich um weitere Kriterien ergänzen.

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