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Hedge Fonds : Hedge Fonds haben Renditeversprechen bislang nicht eingelöst

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Die meisten der hier zugelassenen Hedge Fonds haben 2006 unterdurchschnittlich abgeschnitten. Offenbar ist es doch nicht so einfach, in allen Marktphasen gut abzuschneiden. So oder so: Die Bundesregierung strebt mehr Transparenz an.

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          Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Mit vielen Vorschusslorbeeren wurden die berüchtigten Hedge Fonds vor drei Jahren in Deutschland eingeführt. Fallende Kurse? Steigende Rohstoffpreise? Die hochriskante Anlage versprach, alle Widrigkeiten am Finanzmarkt in bare Münze zu verwandeln.

          Doch so schillernd die Versprechen, so traurig die Realität. Statt satter Gewinne staunen die Anleger über hohe Gebühren trotz magerer Renditen. Nach einigen Fehlspekulationen wächst nun weltweit die Sorge über die undurchsichtigen Praktiken der Branche. Die Bundesregierung prescht nun voran und will während ihrer G8-Präsidentschaft für mehr Transparenz sorgen.

          Zähmung der Milliarden-Jongleure

          Weltweit gibt es mehr als 9000 Hedge Fonds, deren Gesamtkapital auf 1,3 Billionen Dollar geschätzt wird. Sie unterliegen im Gegensatz zu Investmentfonds kaum Regeln. Ihr Geschäft ist diskret und gnadenlos, was ihnen die wenig schmeichelhafte Bezeichnung Heuschrecken einbrachte. Der Markt für Hedge Fonds boomt und damit auch ihr Potenzial, die Finanzmärkte aus dem Gleichgewicht zu bringen.

          Die Fonds wetten mit hohem Einsatz auf winzige Veränderungen der Märkte. Beliebt und berüchtigt sind Leerverkäufe, eine Wette auf fallende Kurse. Dabei leiht sich der Fondsmanager Aktien von Banken oder Versicherungen gegen eine geringe Gebühr und verkauft sie weiter. Später kauft er die Papiere billiger wieder auf und kassiert die Differenz. Die Papiere gibt er dem Verleiher zurück.

          Zudem versuchen Hedge Fonds Kursveränderungen nach Fusionen oder Übernahmen auszunutzen. Daneben gibt es jedoch auch klassische Strategien wie die Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Da die Fonds meist mit geliehenem Geld arbeiten, können sie bei einer Fehlinvestition schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. So wurde die britische Traditionsbank Bearings Bank in den Ruin getrieben, weil Nick Leeson sich 1995 mit japanischen Aktien verspekulierte. Der Amaranth-Fonds büßte zum Schaden der Anleger innerhalb weniger Tage mit Wetten auf steigende Gaspreise sechs Milliarden Dollar ein, fast zwei Drittel seines Kapitals. Im März dieses Jahres mußte der erste deutsche Hedge Fonds schließen.

          Nichts für Börsenneulinge

          Dass Hedge Fonds einen schlechten Ruf haben und hierzulande als Heuschrecken beschimpft wurden, hat viele Gründe: Viele haben ihren Sitz in karibischen Steueroasen wie auf den Bermudas, wo der Arm der internationalen Finanzaufsicht nicht hinreicht. Zudem bedienen sich die Manager aus der gesamten Trickkiste der Finanzinstrumente, um mit hochspekulativen und oft komplizierten Konstruktionen aus jeder Börsenlage schnellen Profit zu machen. An einer langfristigen Investition in Unternehmen sind die Fonds meist nicht interessiert. Hedge Fonds hatten auch die Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse torpediert, weil sie das dafür eingeplante Geld lieber selbst einstreichen wollten.

          Seit Anfang 2004 sind Dach-Hedge-Fonds auch in Deutschland erlaubt. Doch die meisten der 51 Fonds haben das Vermögen ihrer Anleger zuletzt eher vernichtet als vermehrt, während der Aktienmarkt zweistellig zulegte. Mit einer Rendite von aktuell drei bis vier Prozent können es viele gerade mal mit einem Tagesgeld-Konto aufnehmen. Die deutlich höheren Ausgabeaufschläge und Gebühren im Vergleich zu klassischen Fonds belasten die schwache Rendite zusätzlich. Kein Wunder, verdienen Hedge Fonds doch vor allem bei fallenden Kursen. Anlegerschützer wollen die spekulativen Fonds aber nicht verdammen. Unerfahrene Anleger sollten jedoch die Finger von Hedge Fonds lassen.

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