https://www.faz.net/-gv6-nxnz

Häusermarktkrise : Die Hypothekenkrise verschwindet nicht

  • Aktualisiert am

Die Häusermarktkrise ebbt nicht ab Bild: AP

In den vergangenen Tagen versuchten die Finanzmärkte wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Schließlich verdienten die Unternehmen ja gut. Aber Bilanzen sind nur ein subjektiver Eindruck der Wahrheit - und mancher Optimismus nimmt Experten Wunder.

          4 Min.

          Experten sind sich einig: Die Kreditkrise ist trotz aller Eingriffe der Notenbanken keineswegs ausgestanden. Die Aktienmärkte beeindruckt das aber wenig. Sie betrachten das Thema mehr oder weniger als erledigt an und verweisen auf „starke Fundamentaldaten“ aus Konjunktur und Unternehmen.

          Immerhin seine die ausgewiesenen Gewinne der großen amerikanischen Investmentbanken im zweiten Quartal weiter stark gewesen, von Krise keine Spur. Nun, dass Bilanzen geduldig sind, zeigt sich mit jedem Bilanzskandal aufs Neue. Man muss dazu nicht Comroad heißen und Umsätze erfinden oder wie die Fondsgesellschaft Sentinel, nach Meinung der Wertpapieraufsicht Wertpapiere aus Kundendepots auf die Firma übertragen und beleihen.

          Was ist Wahrheit?

          Der Grad, mit dem Bilanzen eine wahres Abbild der Unternehmensverhältnisse darstellen, ist unterschiedlich und immer strittig, der Übergang zwischen sachlich begründet, kreativ und falsch fließend, so dass Bilanzen Vertrauenssache sind.

          Diese Erkenntnis ist nicht neu, im Kontext der Kreditkrise aber macht sie nachdenklich. Bislang sind die größten Verluste aus den Kreditmärkten nicht bei den amerikanischen Großbanken zu Tage getreten - angesichts des Hypotheken- und Hypothekaranleihenbooms in den Vereinigten Staaten eigentlich verwunderlich. Folgt man den Überlegungen des amerikanischen Bilanzexperten und Bloomberg-Kolumnisten Jonathan Weil, so könnte dies einen anderen Grund als ein gutes Risikomanagement haben.

          Im September 2006 hat das amerikanische Financial Accounting Standards Board (FASB), das für die Bilanzstandards jenseits des großen Teichs verantwortlich zeichnet es möglich, eine neue Regel zur Ermittlung des fairen Werts eingeführt, die ab 2008 verpflichtend wird.

          Gewinn aus „nicht-beobachtbaren Inputs“

          Einige Banken haben diese aber bereits jetzt schon eingeführt, zum Beispiel Wells Fargo. Nach dem neuen Modell teil sich der ermittelte Gewinn der Bank in drei Komponenten auf. Level 1 bezieht seinen Wert aus quotierten Preisen, Level 2 aus marktähnlichen Preisen, wie jüngste Einzelpreise. Level 3 aber basiert auf „nicht-beobachtbaren Inputs“, also letztlich dem subjektiven Empfinden.

          Diese „Level-3-Gewinne“ resultierten bei Wells Fargo zu 1,21 Milliarden Dollar (bei 3,44 Milliarden Dollar) Vorsteuergewinn aus der Neubewertung von Hypothekenkrediten, die das Unternehmen allerdings nicht in den eigenen Büchern hat, sondern lediglich die Zahlungsströme erworben hat (Mortgage Servicing Rights, MSR).

          Was das ganze pikant macht ist die Tatsache, dass Wells Fargo diese Gewinne herunter gerechnet hat, indem man sie mit Verluste aus Derivategeschäften verrechnete, die allerdings zum „Level-1“ gehören - angeblich weil es sich um Absicherungsgeschäfte gehandelt habe, was aber fragwürdig erscheint. Welche marktquotierten Derivate sichern gegen Ausfälle bei Zahlungsströmen von Hypothekenkrediten ab? Weil zieht aus dieser Saldierung einen Schluss: Man könne darauf wetten, dass die Verluste real waren, die Wertzuwächse aber eher die Substanz eines Gebetes hätten.

          Historisch starker Hauspreisrückgang

          Wells Fargo ist nicht die einzige Bank, die im zweiten Quartal hohe Gewinne aus „Level-3-Neubewertungen“ verbuchte. JP Morgan verbuchte aus der Neubewertung von MSRs ein Plus von 952 Millionen Dollar, die Citigroup von 1,3 Milliarden Dollar. Andere Banken haben ähnliche Zuwächse aus Derivatekontrakten oder Private Equity verbucht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.