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Grüner Fisher : Der Vermögensverwalter als Arzt

Torsten Reidel, Geschäftsführer Grüner Fisher Investments Bild: Grüner Fisher Investments

Risiken in der Geldanlage können schlaflose Nächte bereiten. Und krank machen. Was Wunder, wenn der Vermögensverwalter Grüner Fisher seine Kunden auf Risikosymptome abklopft.

          Die Finanzkrise vor einigen Jahren hat die Welt der Vermögensverwaltung nachhaltig verändert. Und nicht nur, weil sie den Anlegern das Problem der Niedrigstzinsen beschert hat. Vielmehr hat sie diese auch in Zweifel an der Qualität der Geldanlagekompetenz gestürzt - zum einen in den Banken, zum anderen aber auch an der eigenen. Freie Vermögensverwalter wie etwa die in Rodenbach nahe Kaiserslautern beheimatete Grüner Fisher Investments haben seitdem deutlichen Zulauf.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das von uns verwaltete Vermögen hat sich seit 2007 auf heute rund 1,3 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht“, sagt Geschäftsführer Torsten Reidel. „Seit der damaligen Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit Fisher Investments haben wir mehr als 2000 neue Kunden gewonnen.“ Der typische Kunde der Rodenbacher ist über sechzig Jahre alt und meist selbständiger Unternehmer oder leitender Angestellter.

          Auch Stiftungen sind darunter. Sie alle kämpfen mit einem Problem: den Niedrigstzinsen. Die machen es ihnen unmöglich, ihre Ziele auf einfache Weise zu erreichen. Doch es ist nicht immer einfach, seine Geldanlage in die Hände eines Verwalters zu übergeben. „Ein Viertel bis ein Drittel unserer Neukunden haben ihr Vermögen früher selbst verwaltet. Eigentlich bei allen ist die Einsicht vorhanden, dass die eigenen Ergebnisse nicht gut waren, und Anerkennung für unsere Strategie. Aber das Loslassen fällt vielen schwer.“

          Kosten der Geldanlage werden oft unterschätzt

          Grüner Fisher ist ein traditionell aktienorientiertes Haus. 70 bis 80 Werte umfasst ein typisches Portfolio, das bei 250.000 Euro beginnt. Außer in Einzelaktien legt man vor allem noch in Indexfonds an, nicht aber in Zertifikaten. Auch aktiv verwaltete Fonds bleiben außen vor. Für Reidel eine Kostenfrage. „Oft hören wir das Argument: Was scheren mich die Kosten, wenn die Rendite stimmt. Doch das ist zu kurz gesprungen. Denn aufgrund der Kosten ist das Risiko der Geldanlage, bezogen auf die Rendite, häufig zu hoch. Dasselbe Ergebnis kann man einfacher erreichen.“ Und aktiv verwaltete Rentenfonds vermöchten derzeit kaum die Gebühren zu erwirtschaften. Diese hohen Kosten der Geldanlage seien auch ein häufiges Manko in den Depots der Selbstverwalter.

          Diese unterteilen sich in zwei Gruppen: die Hobby-Anleger und diejenigen, die keine Alternative haben. Beiden Gruppen fehlt aber häufig die nötige Fachkenntnis und ein strategischer Ansatz. Stattdessen dominieren Emotionalität und Bauchentscheidungen. „Wenn wir mit Interessenten sprechen, stellen wir erst einmal sehr viele Fragen. Es ist ein bisschen wie beim Arzt, der auch erst einmal die Symptome abklopfen muss. Genau wie die Patienten ihre Krankheiten nicht diagnostizieren können, wissen auch viele Anleger eigentlich nicht, was sie von der Geldanlage erwarten.“

          Ein solches Vorgehen vermisst Reidel vor allem bei den Banken. „Eine herkömmliche Bankberatung ist oft nicht mehr als eine simple Produktvorstellung.“ Dabei gehe es doch viel mehr darum, zu eruieren, wo man ansetzen müsse und nicht zuletzt, wie viel Risiko ein Kunde wirklich vertragen könne. Dabei bemüht sich der Vermögensverwalter um die größtmögliche Transparenz. Die bei einer Direktbank geführten Depots sind jederzeit einsehbar.

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