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Trump und die Investmentbanker : Goldman Sachs regiert die Welt

Goldman pflegt die Identität eines unterschätzten Angreifers, eines „Underdog“, und gleichzeitig den unbedingten Willen zum Sieg. Dazu passt die Lebensgeschichte von Gary Cohn, Trumps Mann für den Nationalen Wirtschaftsrat. Cohn litt in jungen Jahren unter Legasthenie und wechselte mehrmals die Schule. Trotz dieser schulischen Probleme wollte er unbedingt zur Wall Street und brachte sich die Grundsätze des Optionshandels selbst bei. So kam er irgendwann zu Goldman in den Handelssaal und stieg rasant auf.

Heute testet die Firma Kandidaten in einem Marathon von bis zu 20 Bewerbungsgesprächen. Wer diese Tortur übersteht, wird mit einem fürstlichen Gehalt belohnt – auch das ist natürlich ein Grund, warum immer noch so viele Talente auf der ganzen Welt für Goldman arbeiten möchten. Inklusive Boni könnten selbst Neueinsteiger frisch von der Uni mit einem Einstiegsgehalt von rund 100000 Dollar rechnen, ist zu hören.

Mitarbeiter bleiben bemerkenswert skandalfrei

Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, dass Mitarbeiter, die bis zum Partner aufgestiegen sind, die Firma einige Jahre später verlassen. Finanziell haben sie dann ausgesorgt und können Tätigkeiten in Politik oder Behörden annehmen, die zwar schlechter bezahlt sind, aber höheres Ansehen versprechen. Der jetzt 53 Jahre alte Milliardär Mnuchin soll, als er Goldman mit 39 Jahren verließ, schon ein Vermögen von 46 Millionen Dollar angehäuft haben.

Trotzdem bleiben Mitarbeiter von Goldman Sachs bemerkenswert skandalfrei, was sie ebenfalls für Spitzenpositionen in Behörden prädestiniert. Trotz ihres Reichtums stehen Goldman-Banker kaum mit protzigen Partys oder Frauengeschichten in den Klatschspalten.

Ihren geschäftlichen Erfolg schreiben die Banker von Goldman Sachs ihrem feinen Sinn für Risiken und Veränderungen im Markt zu. Womit wir beim Thema Paranoia wären. Auch wenn die Goldman-Leute dies wohl selbst nicht so formulieren würden: Stets wachsam zu sein und selbst dann mit dem Schlimmsten zu rechnen, wenn alle anderen sich entspannt zurücklehnen, zeichnet die Firma aus. Das berühmteste Beispiel dafür stammt aus dem Jahr 2007: Als damals die Hypothekenkrise ausbrach und die Häuserpreise purzelten, war Goldman bereits auf fallende Kurse eingestellt.

Doch die enorme Leistungsbereitschaft der Banker hat auch ihren Preis. Im Dezember wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter der deutschen Niederlassung in Frankfurt im Büro zusammengebrochen war. Er hatte bis 2.30 Uhr am Morgen an einer Transaktion gearbeitet. Gut möglich, dass zumindest die Bankenstadt Frankfurt bald noch mehr durch diese spezielle Goldman-Kultur geprägt wird. Denn es ist nicht auszuschließen, dass die Bank im Zuge des Brexits einen Teil ihrer derzeit rund 6000 Londoner Mitarbeiter nach Frankfurt schickt.

Trotz ihrer öffentlichen Zurückhaltung hatten die Goldman-Banker schon immer ein gutes Gespür für gesellschaftliche Veränderungen. Als nach der Finanzkrise die Geschäftsmethoden und die Boni der Banker in die Kritik gerieten, reagierte Goldman früh und reduzierte die Ausschüttungen. Auch das Geschäft passte Goldman den neuen Gegebenheiten an. Da der Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung nach der Finanzkrise eingeschränkt wurde, bietet die Investmentbank jetzt erstmals Spareinlagen und Online-Kredite für Privatkunden an.

Zum Erfolgsgeheimnis gehört auch eine enorme Flexibilität. Goldman-Chef Blankfein machte gerade erst wieder vor, wie das funktioniert. In einem Interview bezeichnete der Clinton-Intimus Donald Trump auf einmal als „sehr intelligent, ein Geschäftsmann“. „Es kann sich immer noch herausstellen, dass Herr Trump als Präsident viel besser ist, als man ihn einschätzt.“ Das scheint auch die Meinung an der Wall Street zu sein. Die Aktie von Goldman Sachs ist seit der Wahl Trumps so stark gestiegen wie keine andere Aktie im Dow Jones.

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