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Goldman Sachs : Der Druck auf die Führung steigt

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200 West Street - neue Zentrale von Goldman Sachs Bild: REUTERS

Die Börsenaufsicht SEC hat Goldman Sachs wegen Wertpapierbetrugs bei der Vermarktung eines Pakets aus zweitklassigen Hypothekenanleihen verklagt. Jetzt spekulieren Analysten auf den Rücktritt von Vorstandschef Blankfein.

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          Der Druck auf die Führungsriege der Bank Goldman Sachs nimmt wegen der Klage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zu. Nach amerikanischen Presseberichten sollen führende Manager der Bank eine Rolle bei der Aufsicht über die Hypothekensparte gespielt haben, die im Zentrum der Kontroverse steht. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge soll auch der Vorstandschef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, zur fraglichen Zeit eine aktive Rolle bei Entscheidung über die Handelsstrategien im Hypothekenmarkt gespielt haben.

          Die SEC hatte Goldman Sachs, die führende Bank an der Wall Street, am Freitag wegen Wertpapierbetrugs bei der Vermarktung eines komplexen Pakets aus zweitklassigen Hypothekenanleihen verklagt. Goldman soll seinen Kunden vorenthalten haben, dass der große Hedge-Fonds Paulson & Co., der auf Ausfälle bei Immobiliendarlehen und auf fallende Häuserpreise wettete, bei der Auswahl der Anleihen beteiligt war. Kunden von Goldman, darunter die deutsche Bank IKB, hatten vor drei Jahren mit der Anlage in dieses Produkt, eine sogenannte Collateralized Debt Obligation (CDO), mehr als 1 Milliarde Dollar verloren. In der Klageschrift der SEC wurde neben der Bank allerdings nur der Goldman-Angestellte Fabrice Tourre genannt, der mittlerweile in London für Goldman tätig ist.

          Tritt die Führung von Goldman Sachs zurück?

          Ein einflussreicher Bankenanalyst, Richard Bove vom Wertpapierhaus Rochdale, hat bereits über einen Rücktritt von Blankfein und Finanzchef David Viniar spekuliert. „Irgendwer muss wegen des verheerenden Niedergangs der Rolle dieses Unternehmens ,in sein Schwert' fallen und möglicherweise werden sie aus Gründen der Öffentlichkeitswirkung dazu gezwungen“, schrieb Bove in einem Marktkommentar. Bove hält die Spitzenmanager aber für ersetzbar und glaubt nicht, dass die Geschäftspartner von Goldman wegen der Klage ihre Beziehungen abbrechen werden. Der Aktienkurs von Goldman Sachs war am Freitag um 13 Prozent eingebrochen und gab am Montag im frühen Handel an der New Yorker Börse weiter leicht nach.

          Nach Berechnungen eines anderen Analysten kommt wegen der Klage im schlimmsten Fall eine Belastung von rund 700 Millionen Dollar auf Goldman Sachs zu. Nach Ansicht von Brad Hintz vom Wertpapierhaus Sanford Bernstein kann Goldman, die für das vergangene Jahr 13,4 Milliarden Dollar Nettogewinn erwirtschaftete hatten, diese Summe verschmerzen. Ein Vergleich sei allerdings nicht vor 2011 zu erwarten, meint Hintz. Goldman wehrt sich gegen die Vorwürfe und wies darauf hin, mit der fraglichen Transaktion selbst 90 Millionen Dollar verloren zu haben. Zudem seien erfahrene Anleger wie IKB ausführlich informiert worden.

          Unterdessen prüft die SEC ähnliche Transaktionen bei anderen Banken an der Wall Street. Zu diesen Instituten könnte auch die Deutsche Bank gehören. Der im Goldman-Verfahren genannte Hedge-Fonds Paulson & Co. hat nach Informationen des „Wall Street Journal“ auch für CDO-Pakete der Deutschen Bank Vorschläge gemacht. Derartige Produkte, die von der Entwicklung des amerikanischen Häusermarktes abhingen, standen im Zentrum der jüngsten Finanzkrise.

          Goldman ist nicht die einzige und erste Bank, die mit ihren CDO-Geschäften auf der Anklagebank landet. Dieses Mal hat mit der SEC allerdings erstmals eine Aufsichtsbehörde reagiert. Bisher hatten sich Banken an den Finanzplätzen gegenseitig mit Klagen bedroht, in der Regel aber hinter den Kulissen stillschweigend auf deftige Schadensersatzzahlungen geeinigt.

          Es dreht sich immer wieder um die gleiche Konstruktion: Synthetische CDOs sind Körbe von Kreditrisiken auf Referenzwerte. Der Investor erhält für die Übernahme der Risiken eine Prämie. Die emittierende Bank verpflichtet sich in einem Managementvertrag, die Kreditrisiken nach einem mit dem Investor vereinbarten Risikoprofil zu verwalten und fällige Risiken gegen neue Risiken auszutauschen. Über die Entwicklung des Portfolios erhält der Investor dann einen Trustee-Bericht. Die Investmentbank gibt regelmäßig eine Bewertung der CDO ab.

          CDOs führen immer wieder zu Ärger

          Ärger entsteht immer wieder, wenn die Investmentbank das CDO riskanter und mit größerer Verschachtelung konstruiert als vereinbart. Zudem wird kritisiert, wenn während der Verwaltung systematisch schlechtere Kreditrisiken als vereinbart in das CDO gestellt werden oder Investmentbanken eigene miese Kreditrisiken in die CDOs abladen und dafür dem Investor keine höhere Prämie gezahlt wird. Stein des Anstoßes ist auch, wenn die Investmentbank die Investoren nicht korrekt aufklärt und die Bewertung der CDOs als zu günstig angibt oder hinter den Kulissen in der Investmentbank, verbundenen Hedge-Fonds oder gar von Kunden gegen die CDOs mit Leerverkäufen spekuliert wird oder die spekulierenden Kunden Einfluss auf die Zusammensetzung der Kreditrisiken der CDOs hatten - wie jetzt im Fall Goldman und Paulson.

          In den Jahren 2004 und 2005 einigte sich Barclays Capital mit zahlreichen Banken, darunter der HSH Nordbank, Landesbank Sachsen, der West LB, der Osteuropabank und anderen Banken auf Schadensersatz aus CDO-Geschäften in den Jahren 2001 und 2002. Trotz Klageandrohung vor dem Londoner High Court wurden die Dispute außergerichtlich geregelt und gelangten wegen Stillschweigeverträgen nicht ans Licht der Öffentlichkeit. Die Aufsichtsbehörden in Großbritannien und Deutschland wurden nicht aktiv.

          UBS und der hauseigene Hedge-Fond Dillon Read Capital drohten 2008 von der HSH Nordbank in New York wegen synthetischer CDO-Geschäfte auf Kreditausfallrisiken wegen „vorsätzlicher Pflichtverletzung“ und „betrügerischer Handlung“ verklagt zu werden. Hier bestand der Vorwurf, dass Risiken gegen schlechte Subprime-Risiken ausgetauscht wurden, die HSH als Investor jedoch nicht mit höheren Prämien entschädigt wurde.

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