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Schwellenländerfonds : Goldman Sachs beerdigt die BRICs

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Indeins Aktienmarkt läuft noch vergleichsweise gut. Bild: dpa

BRIC - Brasilien, Russland, Indien, China - stand einst für Schwellenländer-Investments als Goldgrube. Nun löst der Erfinder Goldman Sachs seinen BRIC-Fonds auf.

          14 Jahre ist es her, seit Jim O’Neill, Chefökonom von Goldman Sachs das Kürzel BRIC in die Welt brachte. BRIC – das stand für Brasilien, Russland, Indien und China und damit die größten Märkte der Schwellenländer. Der Erfolg war gewaltig, der Investmentboom groß.

          Nun, 14 Jahre später, hat Goldman Sachs seinen eigenen BRIC-Fonds mit einem anderen Schwellenländerfonds fusioniert und die Idee damit beerdigt. Man erwarte in der nahen Zukunft keine bedeutendes Wachstum des Vermögens, so die Begründung gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht. Das verwaltete Vermögen des Fonds auf Dollar-Basis ist seit 2010 um 88 Prozent gesunken und damit noch deutlicher als der Anteilswert, der knapp 30 Prozent unter dem einstigen Wert liegt.

          Die Aktienmärkte der vier Länder haben sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt, vermögen aber allesamt nicht so recht zu überzeugen. Brasiliens Bovespa hat seit Ende 2010 36 Prozent abgegeben, der russische RTS-Index 60 Prozent. Der indische Sensex bewegte sich zwischen 2008 und 2013 per saldo kaum und konnte sich erst mit der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Modi 2014 wieder erholen. In diesem Jahr steht aber auch schon mit der Enttäuschung und den steigenden religiösen Spannungen wieder ein Minus von 15 Prozent zum Buche.

          Und China? Nur dank der politisch induzierten Aktienblase zwischen den Sommern 2014 und 2015 liegt der Markt im Plus. Bis dahin hatte er in fünf Jahren mehr als 40 Prozent verloren. Die Entwicklung seit dem vergangenen Sommer aber hat das Vertrauen nicht erhöht. Hongkongs Hang-Seng-Index liegt unter dem Niveau des Jahres 2011.

          BRIC(S)-Fonds
          Fonds Isin Wertentwicklung
          1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre
          iShares BRIC 50 ETF DE000A0MSAE7 3,3% 9,5% -0,4%
          EasyETF DJ BRIC 50 EUR LU0339362732 5,4% 12,6% -1,0%
          Schroder ISF BRIC LU0248178906 2,4% 7,4% -4,6%
          KBC Equity Fund BRIC BE0946136950 3,2% 9,5% -8,4%
          Goldman Sachs BRICs Portfolio (USD) LU0234577178 5,1% 8,1% -9,2%
          Candriam Equities B BRIC BE0948469037 0,8% 1,1% -9,7%
          RBS Market Access DAXglobal BRIC Index Fund LU0269999792 -0,5% -0,3% -10,5%
          AGIF Allianz BRIC Equity LU0293313325 4,8% 4,4% -13,1%
          Allianz BRIC Stars LU0224575943 3,6% 3,9% -14,3%
          HSBC GIF BRIC Equity LU0449509016 -4,1% -2,8% -16,7%
          Templeton BRIC Fund Class A (Ydis) EUR LU0260863617 -3,0% -3,0% -22,4%
          Goldman Sachs BRICS Portfolio Eur Hedged LU0248245358 -7,6% -6,7% -29,6%
          UBAM - Equity BRIC Index Fund LU0573558169 -0,7% 6,7% -
          HSBC S&P BRIC 40 ETF DE000A1JF7K2 2,7% 12,4% -

          Das Ende des Investmentkonzepts BRIC beruht in erster Linie auf den veränderten Anschauungen gegenüber China, das von jeher der Motor auch der BRIC-Entwicklung war. Mit den veränderten politischen Gegebenheiten um Russland, dem deutlich gefallenen Ölpreis und der wirtschaftlichen Sanktionen das Land ist der zweite Stein aus der BRIC-Wall gebröckelt. Indien und Brasilien waren nie die großen Motoren des Konzepts. Brasilien befindet sich zudem mit der schlimmsten Rezession der vergangenen 25 Jahre und der höchsten Inflation seit 13 Jahren in einer handfesten Krise.

          Insgesamt haben Anleger nach Daten von Bloomberg seit 2010 15 Milliarden Dollar aus BRIC-Fonds abgezogen. Das war mehr als die gesamten Zuflüsse seit dem Jahr 2005. Generell haben die Anleger ihre Schwellenländer-Engagements umgeschichtet. Während aus Schwellenländerfonds zuletzt sechs Milliarden Dollar abflossen, strömten gleichzeitig sieben Milliarden in auf einzelne Staaten ausgerichtete Schwellenländer-Indexfonds.

          Josh Brown, vom Vermögensverwalter Ritholtz sieht hier einen Lernprozess: Unter den Schwellenländern gebe es viel stärkere Unterschiede als zwischen Industrieländern. Er wettet darauf, dass die BRIC-Idee vollständig untergehen wird.

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