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Geschlossene Fonds : Nichts für Kleinanleger

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit Monatsraten ab 25 Euro wollen einige Vermittler Kleinsparer in geschlossene Fonds locken. Doch wer nicht sehr viel Geld auf der hohen Kante hat, sollte seine Finger von solchen Angeboten lassen.

          Eine hohe Rendite und scheinbar wenig Risiko - was will der Anleger mehr? Wenn dann noch das Wort „Steuerersparnis“ fällt, ist er meist schon überzeugt.

          Rendite, Risiko, Steuern: Das sind die Argumente, mit denen viele geschlossene Fonds in jüngster Zeit auch um Kleinanleger werben. Doch gerade diese sollten vorsichtig sein. Wie schreibt doch Friedrich Schiller in seinem „Lied von der Glocke“? Richtig: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“

          „Monatsraten ab 25 Euro“

          „Nach der Werbung von Anbietern wie CSA, H.F.S. HSC und MPC können sich Anleger mit wenig Geld an lukrativen Unternehmen beteiligen“, schreibt die ING-DiBA in der jüngsten Ausgabe der „Infos für kritische Bankkunden“. So werbe zum Beispiel die MIG Verwaltungs AG: „Die Einlageverpflichtung kann in Monatsraten von mindestens 25 Euro erfüllt werden. Die Fondsgesellschaft möchte auf diese Weise von einer Vielzahl von Kapitalanlegern, auch mit kleineren Einlagebeträgen, ein gesamtes Gesellschaftskapital in Höhe von 50 Millionen Euro erreichen.“ Eine „Beteiligung ab einer monatlichen Sparrate von EUR 50“ biete die DCM Deutsche Capital Management AG an.

          Deutliche Kritik kommt vom Fondsanalysten Stefan Loipfinger: „Dramatisch fortgesetzt hat sich ein schon im vergangenen Jahr kritisierter Trend: die Ansparfonds. Natürlich sind Ansparfonds nicht per se unseriös. Gut konzipiert und vor allem an die richtige Zielgruppe verkauft, stellen sie durchaus eine Bereicherung der Produktpalette dar. In den meisten Fällen wird allerdings mindestens eines der beiden Kriterien nicht erfüllt.“

          „Nachteile für Anleger“

          Sparer, so die ING-DiBa, sollten alle Gelegenheiten prüfen, bevor sie sich auf Ansparfonds einlassen: „Solche Beteiligungen binden das Geld sehr lange, bergen Risiken und haben gerade wegen der scheinbar freundlichen Mini-Raten Nachteile für Anleger.“ Bei seriösen Anbietern von geschlossenen Fonds erfordert der Einstieg in Immobilien-, Schiffs- oder Unternehmensbeteiligungen häufig beträchtliche Summen ab 10.000, manchmal sogar 50.000 Euro. Das kann sich nur eine relativ vermögende Klientel leisten, für die geschlossene Fonds auch durchaus sinnvoll sein können.

          „Die Anbieter von Ratenzahlungen mit phantasievollen Namen wie 'Aufbauplan' oder 'Flex Cash LiquiMaxx' suggerieren dagegen, geschlossene Fonds würden auch als Grundstock zum Sparen taugen“, schreibt die ING-DiBA. Das aber sei gerade nicht der Fall.

          Denn wer in einen solchen Fonds einsteigt, muß nicht selten für Jahrzehnte dabei bleiben - selbst wenn er das Geld in einem Notfall dringend brauchen würde. Zwar kann der Sparer theoretisch auch Anteile an geschlossenen Fonds verkaufen. Doch praktisch gibt es nur einen engen Markt und oft schmerzliche Preisabschläge. In geschlossene Fonds sollte also nur einsteigen, wer zusätzlich auch über liquide Vermögensteile verfügt.

          „Anfangs keine Erträge“

          Da geschlossene Fonds im Normalfall sofort in ein Bürohaus, ein Schiff oder eine hoffnungsvolle Firma investieren, stellt sich die Frage, wie das bei Ansparfonds funktionieren soll. Da die Anleger hier das Kapital erst nach und nach einzahlen, muß die Zwischenzeit mit einem Kredit überbrückt werden. Die dafür anfallenden Zinsen mindern natürlich die Rendite der Anleger. Eine andere Variante: Der Fonds investiert erst, wenn genügend Geld beisammen ist. Das bis dahin eingezahlte Kapital wird als Fest- oder Tagesgeld verzinst.

          Das räumt der ING-DiBa zufolge beispielsweise die CSA Verwaltungs AG ein: „Wir wollen nicht riskieren, daß wir Beteiligungen an Zielfonds zeichnen und diese später womöglich nicht erfüllen können, weil zum Beispiel unsere Anleger mit monatlichen Ratenzahlungen in Verzug kommen. Wir wollen nur Beteiligungen in der Höhe zeichnen, die wir auch tatsächlich zur Verfügung haben. Bis dahin parken wir die Liquidität in Geldmarktanlagen.“ Damit aber ließen sich aber die in Aussicht gestellten Renditen oft nicht erwirtschaften.

          „Zudem landen längst nicht alle Einzahlungen auf dem Beteiligungskonto des Anlegers“, betont die Bank. Für die meisten geschlossenen Fonds sei ein „Agio“ genanntes Eintrittsgeld fällig und zudem würden oft zweistellige Prozentsätze an so genannten „weichen Kosten“ - für Vertriebsprovisionen, Treuhändervergütung, Mietgarantien - fällig. „Die treffen den Anleger hart, denn sie werden gern mit den ersten Sparraten bestritten. Der Anleger erhält für sein eingezahltes Geld anfangs keine Erträge“, so die Bank.

          „Im Extremfall droht die Zwangsvollstreckung“

          In der jahrelangen Einzahlungsphase steigen immer einmal Anleger aus. Dann könnte der Fonds in Nöte kommen, wenn er seine Bankschulden nicht planmäßig tilgen kann oder einen auf Zeit geplanten Kredit dauerhaft nehmen muß. Probleme bekomme auch, wer als Anleger die Fondsraten irgendwann selbst nicht mehr zahlen könne oder wolle. „Dann drohen Zahlungsklagen und im Extremfall sogar die Zwangsvollstreckung. Denn der Anleger ist mit der Vertragsunterschrift eine langfristige Zahlungsverpflichtung eingegangen, und das nicht selten sogar notariell besiegelt“, heißt es bei der ING-DiBa.

          Hinzu kommt ein Risiko, das allen geschlossenen Fonds eigen ist: Sie investieren das Geld der Anleger nur in wenige einzelne Wirtschaftsgüter. Kündigt ihnen ein großer Immobilienmieter oder ist ein Schiffstyp nicht mehr gefragt, dann kann das ganze Konzept zusammenbrechen. Das kann verkraften, wer von einem großen Vermögen nur wenige Prozent in einen Fonds investiert hat. Wer dagegen seine Sparbemühungen jahrelang ganz auf einen Fonds konzentriert hat, steht dann womöglich mittellos da.

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