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Geschlossene Fonds : Ein schwarzes Jahr

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Bild: F.A.Z.

Unternehmerische Anlagen waren 2009 weniger gefragt. Die Branche plazierte deutlich weniger. Nun hoffen die Anbieter auf eine Erholung.

          Die Anbieter geschlossener Fonds haben ein weiteres schweres Jahr hinter sich. Das Eigenkapital, das die Emissionshäuser bei Anlegern plazieren konnten, stürzte im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, nachdem es im Jahr zuvor schon um rund 20 Prozent gefallen war.

          Damit hat sich die Lage am Markt für unternehmerische Beteiligungen im Jahr 2009 noch einmal spürbar verschlechtert. „Eine vordringliche Aufgabe der Emissionshäuser ist es nun, die Beteiligungen im Bestand mit den Anlegern sicher durch diese Krise zu bekommen“, sagte der Geschäftsführer des Verbands Geschlossener Fonds (VGF), Eric Romba, am Mittwoch in Frankfurt.

          Offenes ist gefragter

          Mit dieser Abwärtsentwicklung unterscheiden sich geschlossene Fonds deutlich von den Anbietern offener Fonds in Deutschland, die im Jahr 2009 wieder steigende Mittelzuflüsse verzeichnet haben. Im vergangenen Jahr flossen laut dem Fondsbranchenverband BVI bis Ende November 2,7 Milliarden Euro in Publikumsfonds, wobei vor allem Geldmarktfonds mit Mittelabflüssen von 26,2 Milliarden Euro negativ zu Buche schlugen. Genaue Zahlen für das Jahr 2009 nennt der BVI kommenden Montag.

          Während Anleger Anteile an offenen Investmentfonds im Prinzip börsentäglich der Fondsgesellschaft zurückgeben können und diese im Insolvenzfall auch besonders geschützt sind, handelt es sich bei geschlossenen Fonds um unternehmerische Beteiligungen. Bei diesen schließen sich mehrere Anleger - oft Hunderte oder Tausende - zusammen, um ein Schiff, ein Flugzeug, eine Immobilie oder in der Vergangenheit auch eine Filmproduktion zu finanzieren. Dabei trägt der Anleger alle Chancen, aber auch alle Risiken eines unternehmerischen Engagements.

          Wenig Investitionsobjekte

          Doch nicht die negativen Schlagzeilen, die besonders Medienfonds und Schiffsfonds in den vergangenen Monaten produziert haben, macht der Vorstandsvorsitzende des VGF, Oliver Porr, verantwortlich. „Wir sind Investitionsfinanzierer“, sagte Porr, zugleich Geschäftsführer der LHI Leasing. Vielmehr führt er den Rückgang auf „ein allgemein geringes Interesse in der deutschen Wirtschaft an Investitionen“ im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise zurück: „Wir leiden unter einer generellen Aversion gegen jegliche Form der unternehmerischen Beteiligung.“

          Noch stärker als das Eigenkapital fiel im Jahr 2009 das Volumen geschlossener Fonds, nämlich um 38 Prozent auf 9,46 Milliarden Euro. Dies geht aus den jüngsten Branchenzahlen des VGF hervor, für die der Verband freiwillige Meldungen von 122 Anbietern auswertete. Die Zahl der marktrelevanten Anbieter schätzt der VGF auf 167.

          Das Volumen eines geschlossenen Fonds besteht aus dem Eigenkapital, das die Emissionshäuser bei den Anlegern einwerben, und der Fremdfinanzierung, die sie zusätzlich bei Banken aufnehmen. Aufgrund der schwieriger gewordenen Finanzierungen stieg der Eigenkapitalanteil im vergangenen Jahr dementsprechend leicht von 54 auf 55 Prozent.

          Erneuerbare Energien immer noch gefragt

          „Insgesamt beobachten wir ein ganz normales Anlegerverhalten“, sagte Porr weiter: „Wir sehen eine deutliche Neigung, wieder höhere rentierliche Beteiligungen einzugehen.“ Zum Beleg verwies er darauf, dass die Branche seit Mai 2009 wieder mehr Eigenkapital plazierte. Vor allem Energiefonds, die in Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energie investieren, waren 2009 gefragt. Das plazierte Eigenkapital stieg hier um mehr als 150 Prozent auf 556 Millionen Euro. Auch Portfoliofonds, die in andere geschlossene Fonds investieren, waren gefragt. Hier erhöhte sich das plazierte Eigenkapital um rund 60 Prozent auf 88 Millionen Euro.

          Viele Schiffsbeteiligungen litten 2009 unter der Krise der Container-Schifffahrt. Dennoch gelang es der Branche, hier im vergangenen Jahr 824 Millionen Euro Eigenkapital zu plazieren. Dies ist ein Rückgang um zwei Drittel, nachdem es im Jahr zuvor noch 2,5 Milliarden Euro waren. Beteiligungen an Containerschiffen seien kaum noch zu vermarkten, hieß es dazu in der Branche, dafür jedoch solche an Schiffen, die in speziellen Nischen des Marktes aktiv sind.

          Spitzenreiter sind nach wie vor geschlossene Immobilienfonds: Immobilienfonds Ausland kamen auf ein plaziertes Eigenkapital von 1,3 Milliarden Euro, Inlandsfonds auf 1,1 Milliarden Euro.

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