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Geringe Existenzdauer : Viele Fonds werden keine fünf Jahre alt

  • -Aktualisiert am

Europäische Fondshauptstadt: Luxemburg Bild: Eilmes, Wolfgang

Neue Produktideen leben in der Fondsbranche oft nur wenige Jahre. Meist sorgt eine schwache Wertentwicklung für ein rasches Aus - ein Problem, das für Anleger kostspielig werden kann.

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          Die Finanzbranche hält sich gerne Innovationsfreude zugute. Davon war in den fünf Jahren seit dem Höhepunkt der Finanzkrise, den der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 markierte, wenig zu spüren. Neue Produktideen haben oft ein besonders kurzes Leben. Laut einer Auswertung der Ratingagentur Scope sind in den vergangenen zwölf Jahren 9928 Fonds auf den Markt gekommen. Davon sind fast 30 Prozent keine fünf Jahre alt geworden. Den Nutzen vieler dieser angeblichen Innovationen bezeichnet Scope als umstritten. Im Vergleich zu Altfonds erreichten sie selten einen höheren Wertzuwachs.

          Das sieht nur auf den ersten Blick nach einem Problem aus, das allein die Fondsbranche betrifft. Tatsächlich ist es für die Anleger zumindest ärgerlich, manchmal auch kostspielig. Bei jedem Kauf von Fonds sind Gebühren fällig. Schließt die Fondsgesellschaft einen Fonds, müssen sich die Anleger zudem wieder mit neuen Fondskonzepten auseinandersetzen und abwägen, welches Konzept zu ihren Anlagezielen passt. Selten entspricht das neue Angebot dem Risikoprofil des aufgelösten Fonds, für den sich die Anleger ursprünglich entschieden hatten.

          Durch Finanzkrise verzerrt

          Die Suche und der Vergleich all dieser Informationen kostet Zeit, Nerven, Geld und die Gefahr, einen Fonds zu wählen, der die Erwartungen nicht erfüllt. Auch raten Finanzexperten regelmäßig, sich für einen Fonds zu entscheiden, der zu den gesetzten Anlagezielen passt, und diesem Fonds über viele Jahre hinweg treu zu bleiben. 15 Prozent der neuen Fonds überlebten nach Scope-Rechnung nicht die ersten drei Jahre. 22 Prozent wurden nach vier Jahren geschlossen und 29 Prozent nach fünf Jahren.

          Allerdings ist diese Betrachtung durch die Finanzkrise verzerrt. „Die meisten Fondsschließungen gab es in der Post-Lehman-Ära“, räumt denn auch Sasa Perovic, Analyst und Autor der Studie, ein. So seien zum Beispiel 2009 allein 300 Aktienfonds geschlossen worden. In den kommenden Jahren würde sich die Lebensdauer von Fonds wieder auf normale Niveaus einpendeln. Dennoch sollten Anleger bei jungen Fonds besonders auf das Management und die verfolgte Strategie achten. Die Normalisierung ist offenbar schon eingetreten. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die Zahl der Fonds in Europa nach einer Erhebung des Fondsanalysehauses Lipper um 425 Fonds gesunken.

          Bild: F.A.Z.

          Diese Zahl hört sich hoch an. Doch laut Lipper waren Ende Juni dieses Jahres 31877 Fonds in Europa registriert. Somit sind im zweiten Quartal 2013 netto nur 1,3 Prozent aller Fonds geschlossen oder zusammengelegt worden. Gegen den Trend bei klassischen Fonds steigt die Zahl an Indexfonds. „Was neue Produkte für Anleger in Europa betrifft, so erwarte ich, dass die Zahl der Fonds weiter steigen wird“, schreibt Detlef Glow, Chefanalyst Europa von Lipper, in einer Studie zum Markt für Indexfonds.

          Auch strukturell hat sich viel verändert: „Dabei zeigt sich, dass Geldmarkt- und Aktienfonds einem hohen Risiko unterliegen“, heißt es bei Scope auf Grundlage des langjährigen Vergleichs. Diese Einschätzung ist in Teilen überholt. Dass Geldmarktfonds besonders schließungsgefährdet sind, lag daran, dass durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken nach der Finanzkrise viele Geldmarktfonds überflüssig geworden sind. Das ist vorbei. Laut Lipper machten im zweiten Quartal des laufenden Jahres Aktienfonds 37 Prozent aller Schließungen aus, gefolgt von Mischfonds, die auf 25 Prozent kamen. Offenbar haben viele Fondsgesellschaften mit Mischfonds viel experimentiert – von Hedgefonds-Strategien über Multi-Asset-Ansätzen zu vermögensverwaltenden Fonds – und sind manchmal damit gescheitert.

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