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Geprellte Anleger : Erste Erfolge für Zertifikatekäufer

  • Aktualisiert am

Ein Fall für die Gerichte: Über ihren deutschen Ableger in Frankfurt hat die mittlerweile insolvente Investmentbank Lehman Brothers jede Menge Zertifikate in Deutschland verkauft Bild: AP

Anleger, die mit Zertifikaten von Lehman Brothers Geld verloren haben, erzielen vor Gericht erste Erfolge. Das lässt Anwälte und Verbraucherschützer hoffen, dass die Banken, die solche Anlagen vermittelt haben, Schadensersatz zahlen oder die Geschäfte rückabwickeln müssen.

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          Geschädigte Finanzanleger schöpfen Hoffnung, mit Klagen gegen die Produktberatung ihrer Banken Erfolg zu haben. So hat die Dresdner Bank Hamburg bereits im Sommer 2008 Schadensersatz von mehr als 21.000 Euro an eine Kundin für verlustreiche Lehman-Brother-Zertifikate geleistet. Das sei ein Einzelfall aus dem Jahr 2007, als die Papiere gekauft wurden, sagte indes ein Sprecher der Dresdner Bank am Dienstag.

          Damals sei die Pleite der amerikanischen Investmentbank nicht absehbar gewesen, hieß es weiter. „Es gibt keinen Zusammenhang mit möglichen Verlusten von Zertifikat-Inhabern aufgrund der Insolvenz von Lehman Brothers.“ Dennoch sehen Verbraucherschützer Ansatzpunkte für Anleger, die durch die Lehman-Pleite geschädigt wurden, sich zur Wehr zu setzen.

          Nicht vorschnell handeln

          Allerdings warnt der Bremer Anwalt Eberhard Ahr betroffene Anleger vor übereiltem Handeln. Sie sollten den Aufrufen von Anlegeranwälten oder Interessengemeinschaften, sich jetzt bei ihnen zu organisieren, noch nicht folgen. „Das ist aus unserer Sicht falsch oder zumindest vorschnell“, meint Ahr.

          „Es kann sich sogar schädlich auf die Schadensersatzansprüche gegen die Beraterbanken auswirken“, warnt der Bremer Anwalt. Vielmehr sei es im für Lehman-Geschädigte klug, zunächst die Ruhe zu bewahren und abzuwarten. „Es laufen zumindest hier keine Fristen, die für ein Vorgehen gegen die Beraterbanken beachtet werden müssen und zu sofortigem Handeln zwingen.“

          Wasser auf die Mühlen der Verbraucherschützer

          Die Finanzexpertin der Hamburger Verbraucherzentrale, Edda Castello, sagte dem Radiosender NDR Info, das Urteil sei Wasser auf die Mühlen von Verbraucherschützern im Kampf für geschädigte Anleger. Das Hamburger Landgericht hat dem Sender zufolge der Klägerin in Form eines Anerkenntnis-Urteils Recht gegeben. Die Dresdner Bank habe dieses akzeptiert.

          Offensichtlich habe die Dresdner Bank eingesehen, dass in den Lehman-Brothers-Zertifikaten harte Brocken stecken, die man vor Gericht nicht wirklich verteidigen könne, sagte Castello weiter. Die Verbraucherzentrale werde sich deshalb dafür einsetzen, dass sich Betroffene auf dieses Urteil stützen und juristische Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Forderungen durchzusetzen.

          Rückabwicklung der Geschäfte erstritten

          Der auf Bank- und Kapitalanlagerecht spezialisierte Hamburger Anwalt der Dresdner-Kundin, Ulrich Husack, erreichte nach seinen Angaben vom Dienstag auch bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) seit August 2007 für rund 150 Senioren Rückabwicklungen ihrer Papiere (keine Lehman-Anlagen) im Gesamtvolumen von 700.000 Euro. Die Hamburger Sparkasse äußerte sich dazu bisher nicht. Bundesweit mehren sich die Fälle, in denen geschädigte Anleger vor Gericht ziehen wollen.

          Husack sagte der Nachrichtenagentur dpa, seiner Mandantin seien von der Dresdner Bank die Anlagesumme von 21.000 Euro nebst Zinsen sowie Anwalts- und Prozesskosten erstattet worden. Nach seiner Darstellung ist seine Mandantin nicht über die Risiken der Geldanlage informiert worden, beispielsweise nicht darüber, dass sie mit dem Zertifikat letztlich gegen die Experten einer Großbank eine Wette eingehe.

          Der Jurist prangerte versteckte Provisionen für die Berater (Kick-backs) an sowie eine unfaire Preisbildung beim Rückkauf. Diese Praxis, die Husack kritisiert, ist mittlerweile jedoch rechtswidrig. Banken, Versicherer und Finanzvertriebe müssen im Rahmen der EU-Finanzmarktrichtlinie (Mifid) seit etwa einem Jahr versteckte Provisionen offenlegen.

          Begehrlichkeiten bei anderen Anlegern geweckt

          Der Emittent - in diesem Fall Lehman Brothers - haben die Höhe der versteckten Provisionen festgelegt. Wie sollte es sonst auch bei etwa 400.000 zirkulierenden Zertifikaten im Markt zu einer Preisbildung kommen?, fragte der Anwalt. Der Bankensprecher wollte sich unter Berufung auf das Bankgeheimnis nicht zu Details der Rückabwicklung äußern.

          Natürlich weckten solche Entschädigungen Begehrlichkeiten auch bei anderen geprellten Anlegern, räumte Husack ein. Sein Telefon stehe kaum noch still. Gerade eine regionale Sparkasse müsse sich grundsätzlich überlegen, was für Produkte sie anbietet, meint der Rechtsvertreter. „Ältere Menschen sind von ,Ihrer Sparkasse' nun persönlich enttäuscht.“

          Auch die Frankfurter Sparkasse im Visier

          Auch aus anderen Städten Deutschlands melden Anlegeranwälte Hochkonjunktur. In Wiesbaden berichtete ein Anwalt, er führe im Stundentakt Gespräche mit Lehman-Opfern. In Frankfurt wird in dieser Woche erstmals ein Gerichtsstreit zwischen beiden Seiten ausgefochten.

          Der Frankfurter Rechtsanwalt Matthias Schröder vertritt mehr als 200 Lehman-Geschädigte, gut die Hälfte sind Kunden der Frankfurter Sparkasse 1822, die der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gehört. Eine Rückabwicklung der rund 5000 Geschäfte hat das öffentlich-rechtliche Institut dort bislang abgelehnt und lässt es auf Prozesse ankommen. Andere große Lehman- Anlagen-Verkäufer waren nach Darstellung mehrerer Anwälte die Hamburger Sparkasse, die Citibank und die Dresdner Bank.

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