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Wall-Street-Film : George Clooney und die Finanzmonster

Das hatte sich wohl auch Kyle gedacht. Als Knall auf Fall mittelloser Kleinanleger mit gezückter Kleinkaliberpistole schreit er anfangs seine Anschuldigungen in die Kameras („Ich bin nicht der wahre Kriminelle!“). Doch geht dem Aufrührer irgendwann die Luft aus, allmählich wird er zum jämmerlich Getriebenen. Heldenhaft erscheinen zunehmend die anderen: Bei den zuvor frustrierten Fernsehleuten von „Money Monster“, darunter die Regisseurin (Julia Roberts), erwacht plötzlich der journalistische Eifer. Und die Pressesprecherin des Hedgefonds verabschiedet sich von ihrer professionellen Phrasendrescherei und trägt ihren Teil dazu bei, den wahren Grund für das Verschwinden des Geldes zu finden. Wer die ganze Aufregung nicht versteht, ist der Hedgefondsmanager: Die Anleger sollten einfach den Mund halten und nicht danach fragen, woher ihre Rendite kommt.

Ebenso unverbesserlich erscheint das Volk, das den ganzen Spuk vor den Fernsehgeräten im Lande oder später in den Straßen New Yorks verfolgt. Es wimmelt von Gaffern, die sich eine Zeitlang vom Live-Kitzel bannen lassen, aber ohne mit der Wimper zu zucken in ihren Alltag zurückkehren, sobald der letzte Schuss gefallen ist. Die Moral von Kyles Geschicht’? Verpufft. Und dennoch: Die Regisseurin Jodie Foster erlaubt sich in ihrem Film den einen oder anderen freundlichen Wink in Richtung all jener Zeitgenossen, die im Zuge der Finanzkrise viel Geld verloren haben und damit wie Kyle alleine blieben, während Banken vom Staat gerettet wurden. „Occupy Wall Street“ lässt sie einen Gaffer brüllen, in Erinnerung an die Proteste von 2011.

„Der einfache Mann wird aufs Kreuz gelegt“

Bisherige Regisseure hatten sich um diejenigen, die zu Finanzkrisenopfern wurden, nicht geschert und sich in ihren Werken lieber auf den Inner Circle der Wall Street konzentriert. Was zumindest bei zweien Regisseuren nicht verwundert, die quasi in die Finanzwelt hineingeboren wurden. Oliver Stone, der seinem Klassiker nach mehr als zwei Jahrzehnten „Wall Street - Geld schläft nicht“ (2010) folgen ließ, ist Sohn eines Brokers. Der Vater von J. C. Chandor, verantwortlich für „Der große Crash - Margin Call“, verdiente sein Geld bei Merrill Lynch.

Jodie Foster dagegen kommt von außen, und sie verzichtet in ihrem Thriller darauf, das Finanzsystem hintergründig zu erfassen. Die frühere Schauspielerin setzt in ihrer vierten Regiearbeit schlicht dort an, wo ein grandioser Filmvorgänger endete. In Adam McKays „The Big Short“, der das Platzen der Immobilienblase von 2008 behandelt, spielen die Leidtragenden des Crashs zwar keine zentrale Rolle, bekommen aber ein Gesicht: wie die Stripperin, die freimütig erzählt, dass sie fünf Häuser auf Pump gekauft hat. Oder wie der verdutzte Mieter, der erfahren muss, dass sein Vermieter den Hauskredit auf den Namen seines Hundes aufgenommen hat. „The Big Short“, basierend auf realen Ereignissen, hat beim Filmkritiker der „New York Times“ „Wut, Brechreiz und Verzweiflung“ ausgelöst. Obwohl eigentlich friedfertig, sei er versucht, in seiner Garage nach einer Mistgabel zu suchen.

Ähnlich ging es offenbar Jodie Foster und ihren Schauspielstars George Clooney und Julia Roberts. Folgt man ihren Worten rund um die Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes, haben sie gegen den Kapitalismus zwar prinzipiell wenig einzuwenden; warum auch, sie leben schließlich bestens davon. Sie prangern aber dessen Auswüchse an. Für ein „Ungeheuer, das wächst und wächst und nicht mehr in den Griff zu bekommen ist“, hält Julia Roberts die Finanzindustrie. Clooney meint, dass bei einem Crash kaum jemand durchblicke und am Ende „der einfache Mann aufs Kreuz gelegt wird“.

Die Rache des kleinen Mannes, der sich mit Waffengewalt gegen die unheimliche Macht des Geldes zur Wehr setzt, scheint bei den Amerikanern anzukommen. Allein am ersten Kinowochenende hat „Money Monster“ 15 Millionen Dollar eingespielt - und damit mehr als die Hälfte seiner Produktionskosten.

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