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Geldanlage : Lohnen sich jetzt Mischfonds?

  • -Aktualisiert am

Von allem ein bisschen: Mischfonds setzen auf mehrere Anlageklassen. Bild: ZB

Einen Tag geht die Börse rauf, den nächsten runter. Banken raten deshalb zu Mischfonds. Wir haben mal nachgerechnet.

          2 Min.

          Wenn die Zeiten turbulent werden, wie jetzt, sehnen sich viele wieder kleine Wunder herbei. Oder Wunderwesen, die helfen, diese Zeiten zu überstehen. Falls es solche Wunderwesen in der Finanzwelt gibt, die Anlegern in jeder Phase stetige Renditen versprechen, so sind es am ehesten Mischfonds. Das glauben jedenfalls zurzeit viele Sparer und kaufen die Papiere wie verrückt. Mischfonds sind deshalb gerade zur zweitbeliebtesten Fondsgattung der Deutschen mutiert. Aber halten sie auch, was sie versprechen? Die ehrliche Antwort ist: manche schon, manche nicht. Man muss zumindest genau hinsehen, was in ihnen steckt.

          Denn Mischfonds, das sind jene Produkte, die nicht bloß auf eine Anlageklasse wie Aktien setzen, sondern gleich auf unterschiedliche. Mindestens Anleihen stecken noch in ihnen, oft auch Rohstoffe oder Immobilienanteile. Je breiter der Mix aus Finanzinstrumenten, desto geringer die Gefahr, dass deren Kurse gleichzeitig in den Keller rauschen. So zumindest die Theorie: In der Praxis jedoch entscheidet nicht so sehr die Menge der verschiedenen Anlageklassen darüber, wie gut ein Fonds läuft, sondern vielmehr die Strategie des Managers und die Größe des jeweiligen Aktienanteils im Fonds. Die kann nämlich zeitweise von null bis 100 Prozent variieren.

          Nicht blindlings in Mischfonds investieren

          In den vergangenen zwei Jahren hatten Mischfonds es verhältnismäßig leicht – vor allem diejenigen, die stark auf Aktien setzten: Die Aktienkurse preschten in ungeahnte Höhen, und auch bei Anleihen waren Gewinne zu machen. Denn gegenläufig zu deren sinkenden Zinsen kletterten ihre Kurse. Das brachte den Fondsmixern gute Ergebnisse. Damit aber sollten Sparer in naher Zukunft nicht mehr rechnen, warnen Analysten. Schon seit Jahresbeginn schlagen die Börsenkurse enorm aus, dennoch streben Indizes wie der Dax nur noch seitwärts. Und auch die Rally an den Rentenmärkten, also bei den Anleihen, scheint bald vorbei, wenn die Notenbanken ihre Zinsen anheben und dann die Kurse wieder sinken. Fondsanalystin Barbara Claus von Morningstar warnt deshalb davor, blindlings weiter in Mischfonds zu investieren, vor allem in solche, die sehr vorsichtig anlegen: „Mit dem Run auf defensive Mischfonds kaufen Anleger Vergangenheitsperformance“, sagt sie, „die guten Zeiten mit stetigen Wertsteigerungen und wenig Volatilität gehen dem Ende entgegen.“

          Bild: F.A.Z.

          Und wie reagieren die Fondsmanager darauf? Gehen sie jetzt mehr Risiko ein und schrauben ihre Aktienquoten hoch, um dennoch ordentlich Rendite zu erzielen? Nach 2011 haben sie das jedenfalls reichlich getan. Nicht nur die ausgewogenen Mischfonds erhöhten ihren Aktienanteil deutlich auf durchschnittlich 45 Prozent (möglich wären 65 Prozent). Auch defensive Fonds stockten auf. Sie sollen maximal 35 Prozent Aktien haben, 22 Prozent sind es derzeit im Schnitt. Das heißt: Beide könnten noch mehr ins Risiko gehen. Allerdings hat auch die Bonität der Fonds abgenommen, zeigen Auswertungen von Morningstar. Mehr als jeder zweite ausgewogene Fonds bekommt jetzt nur noch eine niedrige Ratingnote von BB+ oder schlechter, also im roten Bereich. Bei den Defensiven liegt etwa jeder zweite im gelben Bereich und nur jeder zehnte im grünen.

          Lohnt sich das höhere Risiko also? Prinzipiell schon, schließlich zeigen Langfristvergleiche, dass gerade die Aktien die entscheidenden Performancebringer in den wunderbaren Mischwesen sind. Und dabei gilt: je mehr, desto besser. Im Schnitt brachten defensive Mischfonds in den vergangenen drei Jahren 5,92 Prozent Rendite pro Jahr. Ausgewogene kamen auf rund 10 Prozent und aggressive (mit mehr als 65 Prozent Aktien im Depot) sogar auf 19 Prozent. Und wie war es nun in den turbulenten Wochen seit Jahresbeginn? Deren Auswertung überrascht. Denn gerade ein vorsichtiger Fonds ging daraus mit 19,9 Prozent Wertsteigerung als Sieger hervor, der Antecedo CIS Strategic Invest.

          Die übrigen Plätze von Rang 2 bis 20 belegen jedoch – etwa zu gleichen Teilen – die aggressiv aktienlastigen Fonds sowie die flexiblen, die ihren Aktienanteil je nach Bedarf von 0 auf 100 Prozent fahren können. Man muss allerdings auch sagen, dass längst nicht alle der diesjährigen Renditekönige auch zu den langfristig Erfolgreichen gehören. Umgekehrt fällt auf, dass fast alle derjenigen, die auf Dreijahressicht das Feld anführen auch seit Januar eine solide Wertsteigerung von 12 bis 16 Prozent einfuhren.

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