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Geldanlage : Inflation belastet Aktien und Anleihen

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Bild: F.A.Z.

Das Tempo der Geldentwertung hat sich rasant erhöht und verunsichert nun viele Sparer. Stimmt die Anlagestrategie noch, oder frisst die Inflation das eigene Vermögen auf? Privatanleger sollten die Preisentwicklung im Auge behalten.

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          Das Tempo der Geldentwertung hat sich rasant erhöht und verunsichert nun viele Sparer. Stimmt die Anlagestrategie noch, oder frisst die Inflation das eigene Vermögen auf? Die Inflationsrate hat sich im Euroraum innerhalb eines Jahres verdoppelt auf zuletzt rund 4 Prozent. Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer haben darauf längst reagiert, indem sie den Portfolioanteil solcher Werte erhöhten, die von hoher Inflation am geringsten betroffen sind.

          Diese Anlageprofis raten jetzt auch ihren privaten Kunden, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn Inflation wird wahrscheinlich noch für Monate die Akteure an den Finanzmärkten verunsichern und kann im ungünstigen Fall zu weiteren Kursverlusten führen. Interessant ist der Blick auf die Folgen für verschiedene Anlageklassen. Helmut Kaiser, der die Anlagestrategie für Privatkunden der Deutschen Bank entwickelt, rät davon ab, herkömmliche Staatsanleihen zu kaufen. „Der allgemeine Preisauftrieb frisst den Kupon auf, deshalb ist die Geldanlage in Anleihen momentan besonders schlecht.“ Allenfalls Anleihen von Unternehmen könnten interessant sein, müssen aber sorgfältig ausgesucht werden.

          Warnung vor überstürzten Verkäufen

          Kupon nennen Fachleute die Zinsen, die Käufer von Anleihen jedes Jahr bekommen. Das, was die Anleger für diesen Betrag kaufen können, wird naturgemäß weniger, wenn die Preise steigen. Auch Peter Körndl, der die Aktienmarkt- und Anlagestrategie der Dresdner Bank mitbestimmt, hält momentan nicht viel von Rentenpapieren. Aus seiner Sicht liegen viele Anleihekurse derzeit allerdings so tief, dass nicht mit weiteren großen Einbußen zu rechnen sei und vorübergehend sogar an eine Kurserholung gedacht werden könne. Deshalb warnt er vor überstürzten Verkäufen. Eher noch sei davon auszugehen, dass sich die Rentenmärkte während der nächsten Zeit seitwärts bewegen, weil inflationsbedingt nur wenig Potential nach oben bestehe.

          Auch Aktienkurse werden von hohen Inflationsraten belastet, wenn die Ursache der Preisbeschleunigung auf der Kostenseite zu finden ist, denn das kann die Gewinne der Unternehmen schmälern. Aktien sollten in einer Phase steigender Inflationsraten im Vergleich jedoch besser abschneiden als Anleihen. Denn Aktien sind Sachwerte, zum Beispiel Anteile an Chemiekonzernen. Die Gewinne solcher Unternehmen bleiben unberührt, wenn Butter und Milch mehr kosten. Sie schrumpfen aber wahrscheinlich, weil viele Rohstoffe teurer geworden sind, allen voran Öl. Ein Barrel (159 Liter) des schwarzen Goldes kostet derzeit deutlich mehr als 140 Dollar, doppelt so viel wie vor einen Jahr.

          Es gibt trotzdem noch gewinnbringende Anlagen

          Der gestiegene Rohstoffpreis wirkt direkt auf die Gewinn- und Verlustrechnung der Unternehmen. „Und wenn sie diese höheren Preise nicht an ihre Kunden weitergeben können, dann sinken natürlich die künftigen Gewinne“, erläutert Kaiser. In der Folge fallen dann auch die Kurse der an den Börsen gehandelten Firmenanteile.

          Das Problem für Profis wie Privatanleger ist deshalb, dass der jüngst von gestiegenen Rohstoffpreisen ausgelöste Inflationsschub also sowohl Anleihen als auch Aktien belastet. Aber es gibt Möglichkeiten, Geld anzulegen, ohne allzu sehr unter den Folgen der Geldentwertung zu leiden. Zuallererst bieten sich Aktien etwa von Ölunternehmen und Konzernen an, die Rohstoffe fördern und deshalb derzeit die höheren Preise kassieren. „Außerdem empfehlen wir Unternehmen aus Wirtschaftssektoren, die ihre Gewinnmargen aufrechterhalten können“, rät Helmut Kaiser von der Deutschen Bank. Dazu zählt er vor allem Energieversorger. Zusätzlich seien Bankenwerte in Zeiten hoher Rohstoffpreisinflation relativ interessant, weil deren Kosten vor allem von den Löhnen und Gehältern der Mitarbeiter bestimmt werden. Peter Körndl, Aktienstratege der Dresdner Bank, hält ebenfalls Wirtschaftssektoren für attraktiv, in denen die Unternehmen über Marktmacht gegenüber ihren Kunden verfügen. Außerdem spreche für Aktien, dass sie im historischen Vergleich günstig zu haben seien. Eine Größe, die dieses vereinfacht widerspiegelt, ist das Verhältnis zwischen Kursen und erwarteten Gewinnen. Für den Deutschen Aktienindex hat die Deutsche Bank einen Quotienten von aktuell 11 ausgerechnet. Der Käufer einer Aktie zahlt also das Elffache des erwarteten Unternehmensgewinns je Aktie. Der Durchschnitt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses seit 1980 beträgt hingegen 15.

          Auch Anteile an Immobilien und Infrastrukturprojekten wie Autobahnen oder Tunnels hält Kaiser für geeignet, um die Kaufkraft des Vermögens zu erhalten. Außerdem sei Gold interessant, weil es in der Vergangenheit in Phasen von Unsicherheit und Inflation besonders begehrt war. Und schließlich empfiehlt er spezielle inflationsgeschützte Anleihen, sogenannte Inflation Linked Bonds. Deren Verzinsung und Tilgung ist an einen Preisindex gekoppelt. Steigt das Preisniveau, erhöhen sich die Ansprüche des Anleiheinhabers im gleichen Maß.

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