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Geldanlage : Indexfonds: Billig - und trotzdem gut

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Immer öfter greifen Anleger zu börsennotierten Indexfonds. Mit ihnen verdienen sie nicht mehr als der Durchschnitt. Aber eben auch nicht weniger. Mit Musterportfolio für Privatanleger.

          3 Min.

          Wer nichts tut, macht auch nichts falsch. So denken immer mehr Anleger und stecken ihr Geld in Indexfonds, die auf den aktiven Kauf und Verkauf von Aktien und Anleihen verzichten. Sparer geben sich mit der Marktrendite zufrieden und vertrauen nicht darauf, dass ein Fondsmanager mehr aus dem Auf und Ab an der Börse macht als der Durchschnitt der Anleger.

          Gut 70 Milliarden Euro hatten die Europäer Ende Dezember in börsengehandelte Indexfonds investiert, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Fachjargon heißen die Papiere Exchange Traded Funds, kurz ETFs oder XTFs. Verglichen mit traditionellen Fonds spielen sie nur eine kleine Nebenrolle. „Der Markt für ETF steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt Götz Kirchhoff, Sprecher des Vorstands der Indexchange AG, dem vielleicht bekanntesten Anbieter von ETFs. „Das Gros der Privatanleger hat die Papiere noch nicht für sich entdeckt“, sagt Kirchhoff. Deshalb sieht er noch viel Spielraum für künftiges Wachstum. Deutsche Anleger haben noch nicht einmal fünf Prozent ihres Kapitals in passive Geldanlagen gepackt, in Amerika ist es rund ein Drittel (siehe auch: Musterportfolio mit Indexfonds).

          „Indexfonds sind das kälteste Investment, das es gibt

          Indexfonds werden einfach mit exakt den Aktien bestückt, die auch in einem Index vertreten sind, beispielsweise dem Deutschen Aktienindex Dax. Das ist kein Kunststück. Und es erfordert auch keine große Managementleistung. Deshalb sind die Papiere günstig zu haben. Ihr Wert entwickelt sich praktisch genauso wie das Börsenbarometer - in guten wie in schlechten Zeiten.

          „Wenn ich der Meinung bin, dass der deutsche Aktienmarkt hervorragend laufen wird, mache ich mir keinen Kopf, ob ich VW oder Siemens kaufen soll. Ich kaufe einen Dax-ETF“, sagt Peter Dreide, Anlagechef beim Vermögensverwalter TBF. „Erfüllt sich meine positive Erwartung, bin ich zu 100 Prozent dabei, aber es gibt keinen Cent mehr.“ Diese Garantie, dass er seine Erwartungen voll umsetzen kann, gefällt ihm: Ein Fonds kann zwar besser abschneiden, aber eben auch schlechter. Zudem sind ETFs transparent und kostengünstig, eine „ernst zu nehmende Konkurrenz für aktiv gemanagte Fonds“, findet Dreide und gibt zu: „Indexfonds sind das kälteste Investment, das es gibt.“

          „In den meisten Fällen ist der Index besser

          Dennoch setzt sich die Idee der passiven Geldanlage allmählich auch in Deutschland durch. Denn der Verzicht auf aktives Management kann sich lohnen. „Fondsmanagern gelingt es nur selten, langfristig den Markt zu schlagen“, sagt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef von Lyxor, dem führenden Anbieter von Indexfonds in Europa. „In den meisten Fällen ist der Index besser.“ Der Mann weiß, wovon er spricht. Meyer zu Drewer hat früher selbst aktiv Fonds gemanagt - für Activest und Adig.

          Die Palette der angebotenen ETFs wird immer größer und bunter. Längst lässt sich mit ihrer Hilfe nicht nur auf etablierte Börsenbarometer wie Dax, Euro Stoxx oder Dow Jones wetten. Inzwischen sind auch exotische Märkte wie die Türkei, Branchen wie Chemie oder Auto, Anleihen unterschiedlicher Laufzeit und Rohstoffindizes wie der GSCI von Goldman Sachs im Programm.

          Fondsmanager bei Nebenwerten mit besseren Chancen

          Favorit der deutschen Anleger bleibt allerdings der „Dax Ex“ von Indexchange, der unkomplizierte Wetten auf den Leitindex ermöglicht. Mit 0,15 Prozent Verwaltungsgebühr sind Anleger dabei. Für den durchschnittlichen deutschen Aktienfonds, der aktiv verwaltet wird, müssten sie ein Prozent Managementgebühr zahlen. Außerordentlich beliebt ist in Deutschland auch der Euro-Stoxx-50-Aktienindex. Im vergangenen Jahr hat sogar ein Indexfonds, der auf die dividendenstärksten Euro-Stoxx-Unternehmen setzt, sämtliche 800 Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt Europa hinter sich gelassen. Manchmal ist nichts tun und passiv investieren eben gar nicht so verkehrt. Aber nicht immer.

          Generell gilt: Je effizienter ein Markt, desto schwieriger wird es für einen aktiven Fondsmanager, den Index zu schlagen. Wer gegen Dax, Euro Stoxx 50 oder den amerikanischen Aktienindex S&P 500 antritt, hat es schwer, denn Hunderte von Analysten jagen hier nach Neuigkeiten. Einen echten Informationsvorsprung zu gewinnen ist hart. Besser gelingt das auf Märkten, die nicht so aufmerksam beobachtet werden. Bei Nebenwerten und Schwellenländern haben Fondsmanager eine reelle Chance, die Nase vorn zu haben.

          „Anzug von der Stange oder maßgeschneidert

          Aber auch bei klassischen Kerninvestments kann sich die Suche nach einem guten Fondsmanager lohnen. So hängte beispielsweise Klaus Kaldemorgen mit seinem DWS Vermögensbildungsfonds I, einem der größten weltweit investierenden Aktienfonds Deutschlands, den MSCI-Welt-Aktienindex ab. In acht von zehn Jahren hat er den Index geschlagen. Das gelang nur, weil der Fondsmanager häufig stark von seiner Messlatte MSCI Welt abweicht und mehr Geld in Schwellenländern anlegt. „Ich hatte Anfang 2006 verstärkt in China investiert und dort Bankaktien gekauft“, erzählt DWS-Chef Klaus Kaldemorgen. „Hätte ich nur nach dem Index investiert, hätte ich die Rally in China verpasst.“ Der Markt ist im vergangenen Jahr um rund 100 Prozent gestiegen.

          „Sie können sich einen Anzug von der Stange kaufen oder einen maßgeschneiderten Anzug“, wirbt Kaldemorgen für seine Arbeit. „So ist das auch bei einem Fonds.“ Die Frage ist nur, ob es Anlegern gelingt, die wenigen Erfolgsfonds ausfindig zu machen, die ihren Preis auch wert sind - und zwar bevor sie einen guten Lauf haben.

          So funktiert die Geldanlage mit Indexfonds:

          Was sind eigentlich ETFs? Die drei Buchstaben stehen für „Exchange Traded Funds“, also für börsengehandelte Indexfonds. Mit ihrer Hilfe können Anleger ganz einfach und kostengünstig an der Entwicklung eines Aktien-, Renten-, Rohstoff- oder Immobilienindex teilhaben.

          Wo gibt es ETFs zu kaufen? Die Papiere werden wie Aktien an der Börse gehandelt, am besten über das elektronische Handelssystem Xetra. Sie können zu den gewöhnlichen Handelszeiten jederzeit ge- und verkauft werden. Sparer brauchen lediglich ein Depot bei ihrer Bank.

          Was kosten ETFs? Anders als bei Investmentfonds gibt es keinen Ausgabeaufschlag. Käufer müssen allerdings eine - meist geringe - jährliche Verwaltungsgebühr bezahlen. Die beträgt in der Regel 0,15 Prozent für ein Indexpapier auf den Deutschen Aktienindex Dax und bis zu 0,75 Prozent für exotischere Märkte wie Brasilien oder China. Hinzu kommt die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis (Spread), die zwischen 0,05 und einem Prozentpunkt liegt. Selbstverständlich fallen auch bei ETFs die üblichen Bankspesen an, also Transaktionskosten und Depotgebühren.

          Gibt es einen Unterschied zu Indexzertifikaten? Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten, also der Bank, die das Papier herausgibt. Wie sicher das Kapital des Anlegers ist, hängt von der Bonität des Unternehmens ab. ETFs werden dagegen als Sondervermögen des Emittenten behandelt und sind damit im Falle einer Insolvenz der Gesellschaft geschützt. Das Geld ist ebenso sicher wie bei Investments in herkömmliche Fonds.

          Bekomme ich die Dividenden und Zinsen? Anleger profitieren von Dividenden und Zinsen meist vollständig, egal ob der Basiswert ein Kursindex wie der Euro Stoxx oder ein Performanceindex wie der Dax ist.

          Wo bekomme ich einen Überblick über ETFs? Auf der Internetseite der Deutschen Börse sind alle ETFs gelistet (Gehandelte Exchange Traded Funds). Anleger haben in Frankfurt die Wahl zwischen 170 Indexfonds - vom österreichischen ATX bis zum amerikanischen Technologieindex Nasdaq 100. Dazwischen finden sich zahlreiche Rentenindizes für Freunde von Anleihen und ein paar Rohstoffinvestments.

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