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Geldanlage : Feuerfeste Strategien gegen verbrannte Finger

  • Aktualisiert am

Auch eine nur bedingt sichere Geldanlage Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Warum verbrennen sich Privatanleger so häufig an den Finanzmärkten die Finger? Gier frißt Hirn, sagt der Profi, und lächelt leutselig. Doch das trifft nicht ganz den Kern der Sache. Und um es zu ändern, braucht es nur kleine strategische Korrekturen.

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          In der Fernsehwerbung versucht eine Frau nach dem Besuch bei einer Beraterbank ihren Mann davon zu überzeugen, daß man wieder in Aktien investieren müsse. Es gebe ja noch günstige Papiere, und außerdem verdienten die Unternehmen wieder mehr. Er reagiert völlig entgeistert: „Das waren ja genau meine Worte!“ Sie: „Ja, aber die haben es besser erklärt.“

          Hätte sie mal auf ihren Mann gehört. Denn dann hätte das Paar an der guten Entwicklung der Finanzmärkte zumindest im Jahr 2005 teilhaben können. So könnte es vielleicht jetzt zu spät sein.

          Privatanleger kommen fast zwangsläufig zu spät

          Denn die Privatanleger kommen oft zu spät. Das gilt besonders dann, wenn sie erst neu auf den Markt (oder wieder zurück) kommen. Der Grund ist simpel: Gleich, ob sie grundsätzlich vorsichtig in der Geldanlage sind oder gebrannte Kinder - sie müssen auf die Renditechancen an Börsen gehandelter Wertpapiere erst aufmerksam werden.

          Bild: F.A.Z.

          Das werden sie natürlich nur dann, wenn diese über längere Zeit eine gute Kursentwicklung verzeichnen. Da sie sich nicht regelmäßig mit der Materie befassen, haben sie schlicht ein hohes Informationsdefizit. Das Problem ist: Haben die Märkte erst einmal eine gute Entwicklung verzeichnet, so ist diese oft einfach schon zu Ende oder steht kurz davor, wenn die Privatanleger darauf aufmerksam werden, so daß diese genau in die Konsolidierung hineinkaufen.

          Das zeigte sich gerade allzu deutlich auf den Rohstoffmärkten, genauer gesagt bei den Industriemetallen. Analysten mußten ihre Kursziele nach oben revidieren, weil sich die Preise längst von allen fundamentalen Gegebenheiten gelöst hatten und vor allem aufgrund des hohen Liquiditätszuflusses stiegen. Mittlerweile konsolidiert der Sektor, und wer in diesem Jahr eingestiegen ist, hat von den guten Aussichten, die meist mit dem Rohstoffhunger der Schwellenländer begründet wurden, nicht viel zu sehen bekommen.

          Informationsdefizite werden bisweilen ausgenutzt

          Das liegt nicht zuletzt daran, daß besonders auf den Rohstoffmärkten fundamentale Gegebenheiten oft eher Entschuldigungen für vorgefaßte Anlageentscheidungen sind, denen nur gerade ein Auslöser fehlt, damit der Preis auch in die richtige Richtung läuft. So werden auch dieselben Nachrichten in unterschiedlichen Klima häufig anders gewertet.

          Diese Privatanleger werden häufig auch ausgenutzt. Denn wenn einmal alle institutionellen, professionellen und halbprofessionellen Anleger investiert sind - wo soll dann der Auftrieb herkommen und wem sollen Anlageprodukte verkauft werden? So werden die Vertriebsaktivitäten auf immer neue Randzielgruppen ausgedehnt, während diejenigen, die zuerst da waren, bereits verkaufen.

          Das führt dann dazu, daß die Konsolidierung eintritt. Überwiegt der Verkaufsdruck, bekommen es die Privatanleger nicht selten mit der Angst zu tun und verkaufen. Damit ist die Wiederholung der Erfahrung beim nächsten Aufschwung schon vorprogrammiert.

          Reflexion der Risikostruktur ist wichtig...

          Was also dagegen tun? Die eine Möglichkeit ist, eine konsistente und zyklusunabhängige Anlagestrategie zu verfolgen. Dann entfällt das schockartige Umstrukturieren des privaten Vermögens. Aufwärtsphasen können genutzt werden, und so fällt auch das Verkaufen leicht, wenn eine Konsolidierung eintritt.

          Das erfordert indes, daß man sich mit der Geldanlage auch dauerhaft beschäftigt. Das ist etwas, was nicht jedem liegt. In diesem Fall hilft nur eine „feuerfeste“ Anlagestrategie.

          Wie diese konkret aussieht, ist von der persönlichen Risikostruktur abhängig (mehr dazu: FAZ.NET-Spezial: Basiswissen für Anleger). Wer das Risiko von Aktien fürchtet, sollte nicht plötzlich umschichten, nur weil sie gerade gut laufen - siehe oben. Außerdem setzt dies zwingend eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Anlagegegenstand voraus. Wer das nicht will, dem bleibt nur, das Vermögen je nach Grad der Risikos auf Fonds bzw. ETFs und festverzinsliche Anlagen zu verteilen.

          ... und des Anlagezeitraums

          Entscheidend ist auch der Anlagehorizont. Wer sehr langfristig anlegt, ist statistisch mit traditionellen Aktienfonds-Schwergewichten gut bedient (Aktienfonds: Je breiter, desto besser). Er hat die Möglichkeit, Baissephasen auszusitzen, selbst wenn der Einstiegszeitpunkt ungünstig gewählt ist - der nächste Aufschwung kommt bestimmt.

          Wer kurzfristig anlegt, ist besser beraten, auf die aktuell am Markt gehandelten Stories zu setzen. Manchmal hilft da nur, sich intensiv mit dem Thema für die kurze Zeitdauer auseinanderzusetzen und sich im Klippenspringen zu üben. Allerdings ist diese Strategie ausgesprochen gefahrvoll, besonders für unerfahrene Anleger. Fonds kosten mit Ausgabeaufschlägen zuviel Geld, um angesichts des statistischen Erwartungswerts eines Mehrertrags kurzfristig Erfolg zu versprechen.

          Wer kurzfristig investiert, fährt daher besser, den Renditeverlockungen zu widerstehen. Er legt sein Geld besser in Fest- oder Tagesgelder an. Lukrative Angebote gibt es immer wieder.

          Schwierig ist die mittlere Frist, wenn etwa in einigen Jahren ein Hausbau ansteht. Denn wer innerhalb eines Horizonts von drei Jahren ein schlechtes Timing erwischt, muß vielleicht zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen und legt am Ende sogar drauf.

          Anleihen sind hier eine mögliche Alternative. Wer sucht, findet zu jeder Zeit Papiere, die ein passables Rendite-Risiko-Verhältnis bieten. Hier lassen sich Portfolien unterschiedlichster Risikostrukturen bauen. Das große Plus bei richtig gewählten Laufzeiten ist, daß man die Wahl hat, entweder die Endfälligkeit auszusitzen oder aber - wenn alles gut läuft - Kursgewinne einzufahren. Etwas Beschäftigung mit der Materie erfordert auch das - aber das sollte bei jeder Form der Geldanlage in handelbaren Papieren eine Selbstverständlichkeit sein.

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