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Geldanlage : Falschberatung oder unternehmerisches Risiko?

  • -Aktualisiert am

In den guten Zeiten wurde die Anlegerin in der BHF-Bank mit Handkuss begrüßt Bild: picture-alliance / dpa

Viel Geld verlor eine Anlegerin mit einem Immobilienfonds der BHF-Bank: 100.000 Mark hatte sie angelegt. Übrig blieben 500 Euro. In den guten Zeiten wurde die Dame mit Handkuss begrüßt. Heute fühlt sie sich nicht nur falsch beraten, sondern auch mit Füßen getreten. Der Fall geht vor Gericht.

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          Das Debakel deutete sich über die vergangenen drei Jahre an, kam am Ende aber doch überraschend. Anfang Februar erhielt Mechthild Rumpf in der hessischen Stadt Karben die Mitteilung, dass der Immobilienfonds Deutschland IV nunmehr abgewickelt werde. Von den 100.000 Mark, die sie Anfang der neunziger Jahre in diesen geschlossenen Fonds eingezahlt habe, würde sie um die 500 Euro zurückerhalten.

          Zwar habe der Verkauf der Fondsobjekte 37 Millionen Euro eingebracht, hieß es in dem entsprechenden Brief. Mit diesem Geld könnten aber nur die vom Fonds aufgenommenen Kredite zurückgezahlt werden. Das Eigenkapital sei dagegen nahezu komplett aufgezehrt. „Die haben kein Wort gesagt, dass es sich um eine unternehmerische Beteiligung handelt“, schimpft die Kundin der BHF-Bank, die ihr den Fonds einst empfahl.

          Das Geld sollte das Alter finanzieren

          Der Deutschland IV ist der klassische Fall, wie die Beteiligung an einem geschlossenen Fonds schiefgehen kann. 80 Millionen Mark, also rund 40 Millionen Euro, sammelte die heute zur Privatbank Sal. Oppenheim gehörende BHF-Bank 1993 in ihrer Kundschaft ein. Mechthild Rumpf war mit dabei, weil sie damals mit 750.000 Mark aus einer Erbschaft in die Bank kam.

          „Mein Schwager hatte seine Lehre dort gemacht, und sie machten auch einen überzeugenden Eindruck“, blickt sie zurück. Das Geld sollte ihr später als Rente dienen und deshalb sicher angelegt sein. Der Berater empfahl eine Aufteilung, nach der 400.000 Mark in Anleihen, 250.000 Mark in Aktien und 100.000 Mark in Immobilien fließen sollten. Für die Immobilienseite kam dabei der besagte BHF-Immobilienfonds Deutschland IV zum Einsatz, nicht zuletzt wegen „steuermindernden Verlustzuweisungen“, wie es im Angebot heißt.

          Die Prognosen der Bank traten nicht ein

          Der Fonds umfasste sieben Büroimmobilien - in Düsseldorf, Mannheim, Wuppertal, Dresden, Bautzen sowie zwei Objekte in Berlin. Die Aussagen in den Unterlagen von damals konnten nicht vielversprechender formuliert sein. „Der General-Mietvertrag ist fest abgeschlossen auf die Dauer von 15 Jahren“, heißt es an einer Stelle. „Der Verkäufer ist verpflichtet, das Objekt voll vermietet zu übergeben“, an einer anderen.

          Heute ist in einem Brief der Bank an die Familie zu lesen: „Im Prospekt wurde auf allgemeine Risiken, die Risiken bei der Mietentwicklung und des Wertzuwachses sowie auf das Marktrisiko hingewiesen.“ Tatsächlich erwiesen sich die Prognosen als nicht tragfähig. Wichtige Mieter wurden zahlungsunfähig. Neue Mieter blieben aus. Mitte vergangenen Jahres betrug der Leerstand in den Fondsobjekten schon knapp 30 Prozent. Kurze Zeit später blieb dann nur noch die Abwicklung.

          Werbeträger Mario Adorf als Tischnachbar

          Bevor das Debakel seinen Lauf nahm, zeigte sich die Bank gegenüber der Familie Rumpf durchaus großzügig und galant. Da wurde zum festlichen Abendessen eingeladen - mit dem Schauspieler Mario Adorf als Tischnachbar, der in der Werbung der BHF-Bank eine Hauptrolle spielt. Der damals für das Privatkundengeschäft verantwortliche Vorstand Louis Graf von Zech gab sich auch die Ehre, Mechthild Rumpf mit Handkuss zu begrüßen.

          Als im vergangenen Sommer jedoch klar wurde, dass der Fonds „faktisch abgewirtschaftet“ hatte, wie Familie Rumpf in einem Brief an Graf Zech formulierte, kühlte die Beziehung unmittelbar ab. Erstmals klang der Vorwurf der Falschberatung an. Seither sind die Verantwortlichen telefonisch nicht erreichbar.

          Der Totalverlust des eingesetzten Geldes ist eines der wesentlichen Risiken bei der Geldanlage in geschlossenen Fonds. Immer wieder kommt es zu Zusammenbrüchen. Während sich die meisten Anleger jedoch mit der Situation abfinden, will die hessische Hausfrau die Bankiers in Frankfurt nicht so einfach davonkommen lassen. Einen Trumpf hält sie immerhin in der Hand. Unvorsichtig hatte der damalige BHF-Berater in seinem Angebot aus dem Oktober 1993 schriftlich festgehalten: „Außerdem wurde auf eine defensive Ausrichtung des Anlagekonzepts Rücksicht genommen.“

          Objekte in zweitklassigen Lagen

          Diese Aussage passt eigentlich nicht mit den zweitklassigen Lagen der meisten Objekte im Deutschland IV zusammen. „Defensiv heißt für mich werterhaltend“, sagt die Fondsanlegerin. Doch davon wolle die Bank nichts mehr wissen. „Die genannte defensive Ausrichtung bezog sich auf das Anlagegesamtkonzept hinsichtlich der Streuung in Renten, Aktien und geschlossene Immobilienfonds“, nimmt die Bank zu dem wunden Punkt Stellung. Demnächst wird vor Gericht geklärt, welche der beiden Sichtweisen die richtige ist. Der Abschluss einer Rechtschutzversicherung hat sich in diesem Fall für Familie Rumpf gelohnt: Die Huk-Coburg hat eine Kostenübernahme zugesagt.

          Die Bank selbst geht erst einmal in Deckung. „Der Verkauf der Fondsobjekte ist inzwischen vollzogen, der Erlös an die Investoren überwiesen“, werden Fragen zum Fonds beantwortet. Nein, es liegen noch keine Klagen von Anlegern vor. Nein, Angaben zur Anzahl der betroffenen BHF-Kunden werden nicht gemacht.

          Zusätzlich bringt die Bank dann Kunden wie Mechthild Rumpf zur Weißglut, wenn sie Wert legt auf die Feststellung, freiwillig auf die ihr eigentlich zustehende Verkaufsvergütung von einem Prozent des erzielten Kaufpreises bei der Fondsabwicklung zu verzichten. Die betroffene Kleinanlegerin fühlt sich dadurch nur bestärkt, den Verlust nicht schulterzuckend hinzunehmen. „Es geht mir ums Prinzip“, begründet sie ihre Hartnäckigkeit. „Die sitzen nur auf dem hohen Ross und zeigen kein Empfinden für den Gegenüber.“

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