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Geldanlage 2014 : Viele Schrecken, keine echte Bedrohung

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Immer kann die Welt aus der Bahn geworfen werden Bild: dpa

Vielfältig sind die Schreckensszenarien die für 2014 aufgezeigt werden: Schwellenländer-, Euro-, Notenbankkrise. Doch für sehr wahrscheinlich hält man sie nicht.

          3 Min.

          William de Vijlder, BNP Paribas

          Ein besonders starkes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hätte auch eine klare Kehrseite: Es würde die Anleiherenditen beträchtlich steigen lassen und den Aktienmärkten einen Dämpfer verpassen.

          Stefan Freytag, Deutsche Oppenheim

          Wir sehen verschiedene Krisenszenarien, von denen viele miteinander verwoben sind und wiederum andere auslösen beziehungsweise diese verstärken.

          Erstens könnte der Ausstieg der amerikanischen Notenbank aus der bestehenden Politik einen fundamentalen Regimewechsel im Zins- und Liquiditätsgefüge einläuten und die Ausgleichsfunktion des billigen und reichhaltig zur Verfügung stehenden Geldes untergraben.

          Zweitens wäre es denkbar, dass die langsam in Gang gesetzte Erholung der Euro-Zone ins Stocken gerät. Der stark zunehmende politische Druck in den Problemländern, eine wieder aufkommende Bankenkrise, ein massiver Vertrauensverlust in die Reformfähigkeit oder andere negative Ansteckungseffekte könnten die Euro-Krise wieder aufleben lassen.

          Drittens könnte das Scheitern der „Abenomics“ in Japan zu massiven Turbulenzen am japanischen Kapitalmarkt führen, die auch die globalen Finanzmärkte belasten.

          Viertens könnte die nochmals zunehmende Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen in den Schwellenländern dort zu signifikanten Wachstumseinbußen führen, die sich im Rest der Welt bemerkbar machen.

          Fünftens wäre es möglich, dass Chinas Immobilienmarkt oder Schattenbanksystem massive Probleme bekommt.

          Sechstens könnte ein beschleunigter Anstieg der Vermögenspreise bei Aktien und Immobilien eine schnell wachsende Blase erzeugen, die dann plötzlich platzt.

          Siebtens könnte ein Wiederaufflammen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten zu einem Ölpreisschock führen.

          Michael Kohlhase, Kohlhase Vermögensverwaltung

          Bei Aktien ein Verlust von 20 Prozent bis 30 Prozent. Rohstoffe könnten auf der Stelle bleiben. Eine Liquiditätsklemme könnte einen negativen Einfluss auf die Unternehmensanleihen und die Anleihennebenmärkte im Allgemeinen ausüben (minus 10 Prozent).

          Flemming Larsen, Jyske Invest

          Die größten Risiken kommen von steigenden Renditen, einer Wachstumsschwäche der Schwellenländer und stärkerer Sorgen um eine europäische Schuldenkrise. Das Worst-Case-Szenario wäre die Rückkehr zu niedrigem Wachstum bzw. einer Rezession, in der viele westliche Länder  von hohen Schulden und Haushaltsdefiziten dominiert werden.

          Tom Mermuys, KBC

          Am ehesten noch möglich sind ein Wiederaufflammen der Eurokrise und eine Finanzkrise in China. Für wenig wahrscheinlich, wenn auch nicht für völlig unmöglich, halten wir eine hartnäckige Deflation in Europa, eine Ölkrise oder eine dramatische Haushaltskrise in den Vereinigten Staaten. Im letzteren Fall würde nur noch helfen, ein tiefes Loch zu graben und sich darin zu verstecken. Und natürlich kann es auch immer Krieg, Terroranschläge oder große Naturkatastrophen geben.

          Maarten Geerdink, Petercam

          Die Vermögenspreise werden 2014 vor allem von möglichen Änderungen der amerikanischen Geldpolitik beeinflusst. Sollte diese sich brutal ändern, wäre das für die Märkte schockieren.

          Axel Riedel, SSgA

          Der Einfluss der Zentralbanken und politischer Entscheidungsträger auf die Märkte ist nach wie vor hoch. Das haben die Äußerungen des derzeit noch amtierenden Notenbankchefs Ben Bernanke zu einer Normalisierung der Geldpolitik gezeigt. Auch wenn die Eurozone von der Intensivstation entlassen zu sein scheint, bleiben einige Herausforderungen, wie die extrem hohe Arbeitslosenrate in den Peripherieländern oder die Unterschiede zwischen den Ländern.

          Hartwing Kos, Barings

          Das derzeit positive Wachstumsszenario könnte sich eintrüben. Das gilt für die Vereinigten Staaten, aber auch für Deutschland, weil sich Japans Wettbewerbsfähigkeit durch den fallenden Yen stetig verbessert. Das halten wir zwar nicht für sehr wahrscheinlich, aber ein Risiko ist immer da. Da aber am Aktienmarkt derzeit jeder eine größere Korrektur erwartet und defensiv handelt, sehen wir dort derzeit keine unmittelbare Bedrohung.

          Hans Hurschler, FRM

          Hier würde ich sicherlich eine überraschend stark steigende Inflation nennen. In der Folge wären die Notenbanken gezwungen, die Zinsen deutlich anzuheben. Das würde die positive Entwicklung der Weltkonjunktur mit hoher Wahrscheinlichkeit drücken. Zugleich ist davon auszugehen, dass die Aktienkurse fallen würden. Insgesamt müssten wir mit größeren Verwerfungen rechnen. Ich halte ein solches Szenario aber für unwahrscheinlich. Derzeit zeigt sich nur in wenigen Ländern Druck auf die Löhne. Zudem ist die Kreditvergabe der Banken derzeit weiter sehr zurückhaltend.

          Max Schott, Schott Sand

          Das Experiment der Notenbanken geht schief, es kommt zum Vertrauensverlust in die Geldpolitik. Die Zinsen auf Staatsanleihen steigen völlig unabhängig vom Leitzins, es kommt zu Staatspleiten. Möglich ist auch, dass Privatanleger entweder rapide verkaufen oder enteignet werden. Oder die Anleihenblase platzt mit der Folge entweder einer Deflation oder einer ungebremsten Inflation und einem generell unruhigen Klima. Die Wahrscheinlichkeit dieser Szenarien ist aber derzeit mit weniger als 5 Prozent anzugeben.

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