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Geldanlage 2014 : Schwellenländer zwischen Attraktivität und Sorge

  • Aktualisiert am

Schwellenländer: Bunt oder grau? Bild: dpa

Die Meinung zu Schwellenländern ist gespalten. Nicht nur untereinander, sondern oft auch in den einzelnen Ansichten. Der Ruf „Jetzt wieder!“ ist eher die Ausnahme.

          3 Min.

          Michael Kohlhase, Kohlhase Vermögensverwaltung

          Jetzt wieder!

          William de Vijlder, BNP Paribas

          Aktien aus Schwellenländern sind unter dem Aspekt der Bewertungen attraktiv, allerdings fehlt ihnen aktuell ein positiver Katalysator. Insgesamt dürfte die konjunkturelle Entwicklung Chinas für die weitere Bedeutung von Schwellenländeraktien in der Anlegergunst eine Schlüsselrolle spielen. Hinzu kommen Bedenken, wie Länder mit Leistungsbilanzdefiziten diese finanzieren werden, wenn die Zinsen in den Vereinigten Staaten steigen. Allerdings wird das Interesse der Anleger an Schwellenländeraktien in dem Maße steigen, wie die Bewertungsniveaus in Amerika und Europa steigen.

          Auf amerikanische Dollar lautende Schwellenländeranleihen sind aufgrund ihres interessanten Spreads gegenüber amerikanischen Staatsanleihen attraktiv. Für eine gewisse Nervosität sorgt allerdings auch hier wieder die Frage, wie sich das erwartete Anziehen der geldpolitischen Zügel durch die Fed auf Länder mit defizitärer Leistungsbilanz auswirken wird.

          Flemming Larsen, Jyske Invest

          Wir sehen sowohl in Aktien als auch Anleihen aus Schwellenländern noch Potential. Die Weltwirtschaft wird sich 2014 weiter verbessern. Die steigenden Renditen in Amerika werden aber den Märkten schmecken und so erwarten wir nur bescheidenen Renditeanstiege in den Schwellenländern. Wachstum und steigende Exporte könnten auch die Stimmung auf der Währungsseite deutlich verändern. Der größte Risikofaktor bleiben ein enttäuschendes Wachstum und ein steiler Renditeanstieg in den Vereinigten Staaten.

          Hartwig Kos, Barings

          Wir haben hier eine zweigeteilte Situation. Beispielsweise sind Taiwan und Südkorea sehr attraktiv. Auch China ist interessant, da der Markt günstig bewertet ist. Die Nachfrage aus den Industrieländern wird ansteigen. Insgesamt ist aber China auch etwas wie der Einäugige unter den Blinden. Wenig attraktiv sind Länder wie Indonesien, Südafrika oder die Türkei.  Dort wertet die Landeswährung Lira gerade stark ab. Das wird die Inflationsraten deutlich nach oben treiben, was das Krisenpotential erhöht. Die Nationalbank hat schon bisher eine komplizierte Zinspolitik betrieben und ist in einer sehr schwierigen Lage.

          Stefan Freytag, Deutsche Oppenheim

          Mittel- und langfristig bieten die Schwellenländer immer noch die besten fundamentalen Perspektiven. Kurzfristig überlagern aber einige Problembereiche wie die Politik und das Anlegerverhalten diese Perspektive. Eine langfristig ausgelegtes Portfolio sollte dennoch diese Märkte als Investitionsmöglichkeit nicht außer Betracht lassen.

          Max Schott, Schott Sand

          Schwellenländer waren die große Enttäuschung 2013. China erlebte schon fast einen Ausverkauf, die Türkei und Brasilien wurden aufgrund ihres Kapitalbedarfs im Ausland abgestraft. Hier ist es für einen Einstieg derzeit noch etwas zu früh, aber hier könnten auch die nächsten Überraschungen liegen. Das macht sie nicht automatisch zu Favoriten für 2014, aber man sollte sie eng beobachten. China könnte dagegen aufgrund der positiv aufgenommenen Reformbemühungen der neuen Regierung zu den Gewinnern gehören. Bemerkenswerte Wirtschaftsreformen gibt es auch in Mexiko, dessen Staatsanleihen zu empfehlen sind.

          Maarten Geerdink, Petercam

          Unter Bewertungsaspekten sind die Schwellenländer langfristig verlockend. Die Entwicklung von Anleihen ist seht währungsabhängig. Diese haben in den vergangenen Monaten aber stark geschwankt. Anleger sollten schwache Länder mit Handelsbilanzdefiziten und hohen Schulden meiden. Aktien sind historisch gesehen unterbewertet, wir suchen jedoch nach interessanten Einzelpositionen.

          Axel Riedel, SSgA

          Schwellenländer haben unter den Äußerungen zum Ende der lockeren Geldpolitik besonders gelitten. In der Folge blieben sie 2013 mit 28 Prozent hinter den Aktien der entwickelten Märkte zurück. Zuletzt hat sich auch die Weltbank skeptischer zu den aufstrebenden Ländern geäußert. In vielen Schwellenländern liegen anderseits die Bewertungen unter ihren historischen Durchschnitt und eine selektive Beimischung, etwa ohne die BRIC-Staaten, kann eine Überlegung wert sein.

          Tom Mermuys, KBC

          Die Fundamentaldaten der meisten Länder sind weiter robust: niedrige Schulden und  Inflation, starkes Wachstum usw. Zudem reizen die Anleger die höheren Anleiherenditen und unterbewerteten Währungen, besonders nach den Kursverlusten im Vorjahr. Wir empfehlen Anleihen in lokalen Währungen. Interessant sind auch Dollar-Anleihen aus Schwellenländern, nachdem die amerikanische Notenbank ihre Geldpolitik zu revidieren begonnen hat. Allerdings muss man in beiden Fällen mit stärkeren Kursschwankungen rechnen.

          Hans Hurschler, FRM

          Meines Erachtens ist hier große Vorsicht geboten. Die Schwellenländer werden voraussichtlich am stärksten unter dem so genannten Tapering der amerikanischen Notenbank leiden, also dem schrittweisen Zurückfahren der sehr expansiven Geldpolitik. Hinzu kommen in einigen Schwellenländern strukturelle Probleme, wie zum Beispiel die hohe Abhängigkeit von ausländischen Finanzierungsquellen.

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