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Finanz- & Kreditkrise : Geht der Plan zur Lösung der amerikanischen Immobilienkrise weit genug?

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Der Abgeordnete Michael Castle hat auf eine Gesetzgebung gedrängt, die Kreditgeber und Servicer von Immobiliendarlehen vor Klagen schützen soll. „Zwangsvollstreckungen sind für niemanden von Vorteil, weder für den Hausbesitzer, noch die Nachbarschaft und auch nicht für die Kreditgeber. Und, ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es vorteilhaft für die Investoren ist, wer immer diese sein mögen“, so äußerte sich Castle in der Business Week.

Innerhalb der Investorenschaft gibt es allerdings verschiedene Interessengruppen. Auch wenn der Rettungsplan auf die Gesamtheit der Wertpapiere aus verbrieften Immobiliendarlehen einen positiven Effekt hat, könnte es sein, dass die Investoren bestimmter Wertpapiertranchen einer Transaktion bei dieser Lösung mehr verlieren, als im Falle einer Zwangsvollstreckung.

“Alle möchten gerne von einer Situation sprechen, in der es nur Gewinner gibt und sagen können, dass die Neuverhandlung der Darlehensverträge sowohl für die Investoren, als auch für die Immobilenbesitzer die bessere Lösung ist“, sagt Mark Adelson, ein langjähiger Spezialist für strukturierte Finanzierung bei Nomura, der kürzlich seine eigene Beratungsfirma mit dem Namen Adelson & Jacob gegründet hat. „Manchmal stimmt diese Aussage und manchmal stimmt sie nicht. Viele scheinen außer Acht zu lassen, dass es in sehr vielen Fällen für den Halter des Darlehens nicht vorteilhaft ist, eine Restrukturierung vorzunehmen.“

Keine Wunderlösung

Es gibt auch Ängste, daß Investoren, die Verluste aufgrund der Restrukturierung der Darlehenskonditionen hinnehmen mußten, und die nun verärgert darüber sind, daß die Spielregeln auf halbem Wege geändert wurden, dem Markt für verbriefte Immobiliendarlehen in der Zukunft den Rücken kehren könnten. Das könnte die Liquidität der Kreditgeber beeinträchtigen und zu höheren Darlehenszinsen führen. Ely betont, dass in den vergangenen Jahren ein enormes Volumen an ausländischem Kapital in den US-amerikanischen Immobilienmarkt geflossen ist und dadurch die Preise gestützt hat. Aber es ist überhaupt nicht klar, warum ein Wertpapierinvestor in Deutschland Verluste erleiden sollte, um irgendjemandem in Kalifornien zu helfen, der eine Immobilie nahezu ohne Eigenkapital erworben hat.

Trotz der genannten Risiken blieb dem Immobilienkreditsektor angesichts des steigenden politischen Drucks, eine Flutwelle von Zwangsvollstreckungen zu vermeiden, die mitten in der Wahlkampfsaison eingetreten wäre, kaum etwas anderes übrig, als dem Plan von höchster Regierungsebene zuzustimmen. Wenn die Zwangsvollstreckungen weiterhin stark zunehmen, dann besteht für den Kreditsektor das Risiko, dass der Kongress deutlich striktere aufsichtsrechtliche Auflagen erteilt. Derzeit liegt dem amerikanischen Kongress ein Gesetzentwurf vor, nach dem auch die Konditionen derjenigen Darlehen modifiziert werden könnten, die bereits als ausgefallen gelten, was auch die Abschreibung des Kreditsaldos bedeuten würde. Dieses Thema könnte an Fahrt gewinnen, wenn sich die Situation verschlechtert.

Paulson war klar, daß der Plan einige der schwierigsten Probleme des Immobilensektors nicht lösen würde, einschließlich des Rückgangs der Immobilienpreise in einigen Teilen des Landes. „Dieser Plan ist kein Allheilmittel“, so sagt er. Aber der für die Maßnahmen geplante Zeitraum von fünf Jahren gibt diesem Land die Möglichkeit, den Immobilienzyklus durchzustehen.“

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