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Finanz- & Kreditkrise : Geht der Plan zur Lösung der amerikanischen Immobilienkrise weit genug?

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Einige Anwälte aus dem Immobiliensektor haben die geringe Reichweite des Plans kritisiert und befürchten, dass zu viele Leute von dieser Hilfe ausgeschlossen bleiben.

Hilfe für die Investoren, aber nicht für die Hausbesitzer

“Diese Krise ist wahrscheinlich die schlimmste, die wir seit der Großen Depression erlebt haben, aber der Hilfsplan richtet sich nur an den unkompliziertesten Teil der Kreditnehmerschaft“, so Michael Shea, Geschäftsführer bei Acorn Housing, einer US-weit tätigen Anwaltskanzlei für Immobilienfragen mit Sitz in Chicago. „Der staatliche Vorschlag wird keinem einzigen Kreditnehmer helfen, der mit seinen Kreditzahlungen in Verzug ist oder vor einer Vollstreckung steht. Wir brauchen mutige Vorschläge, wie diejenigen, die während der Grossen Depression von Franklin D. Roosevelt unterbreitet wurden. Was wir hier bekommen, ist die Passivität eines Calvin Coolidge.“

Shea kritisiert, daß die Aufmerksamkeit zu stark auf die Investoreninteressen gerichtet wurde, anstatt die Interessen der Gemeinden und Hausbesitzer zu berücksichtigen. Dennoch ist nach wie vor völlig unklar, wie zufrieden die Investoren der Wertpapiere aus verbrieften Immobiliendarlehen mit dem Rettungsplan sind.

Und tatsächlich war ein großes Hindernis für die Restrukturierung der Darlehen die Angst der Darlehensservicer - derjenigen, die das Portfolio der verbrieften Immobilienkredite verwalten - dass sie von den Investoren derjenigen Wertpapiere verklagt werden könnten, die bei einer Refinanzierung des Darlehens Verluste erleiden. „Wir werden die Anwälte von Sammelklagen angesichts der Verdienstmöglichkeiten geifern sehen“, so Bert Ely, langjähriger Berater für Finanzinstitute.

Das Risiko des Rechtsstreits ist kontrollierbar

Die Aufsichtsbehörden haben behauptet, daß alle - Kreditgeber, Hausbesitzer und Investoren - davon profitieren, wenn die Zwangsvollstreckung der Immobilien vermieden wird, auch wenn die Portfolien der verbrieften Immonlienkredite einige Verluste erleiden. Und die Aufsicht hat versucht, die Servicer davon zu überzeugen, daß sie normalerweise das vertragliche Recht haben, die Darlehenskonditionen ohne Risiko eines Rechtstreites zu verändern.

Finanzminister Paulson sagte, daß solche Ängste den Plan nicht behindern sollten. „Die Auswahlkriterien, die heute genannt wurden, sind das Ergebnis von Diskussionen zwischen Investoren und Servicern“, so erklärt er. „Wenn wir die Investoren im Boot haben, ist dies ein klarer Vorteil für diesen Ansatz und das Risiko von Rechtsstreits sollte kontrollierbar sein.“

Unterschiedliche Interessen bei den Investoren

Nicht alle Servicer jedoch sind davon überzeugt, daß sie nicht von einer Klagewelle derjenigen Investoren überrollt werden, die Einnahmen verlieren oder einen Wertverlust ihres Investments hinnehmen müssen, wenn die Zinssätze eingefroren werden. Die Ratingagentur Standard & Poor´s weist auch darauf hin, dass das Einfrieren der Zinssätze einen negativen Einfluss auf die Ratings einiger Wertpapiere aus Verbriefungstransaktionen haben könnte, die mit Immobiliendarlehen besichert sind.

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