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Gebühren-Dschungel : Wie die Fonds abkassieren

Wer an der Börse direkt investiert, ist im Vergleich zu Fonds-Engagements mit weniger Gebühren konfrontiert. Bild: dpa

Das Interesse an Fonds ist so hoch wie nie. Die Anbieter freuen sich auf ihre Weise: Sie langen bei den Gebühren kräftig zu.

          3 Min.

          Deutschlands Fondsmanager, so darf man annehmen, erleben gerade die beste Zeit ihres Lebens. Davon zeugen zumindest die Zahlen, die der Branchenverband BVI in der vergangenen Woche bekanntgab: Unterm Strich haben Fonds in Deutschland in diesem Jahr Gelder in Höhe von rund 124 Milliarden Euro eingesammelt - das ist jetzt schon mehr als am Ende des bisherigen Rekordjahres 2000. Salopp formuliert: Viele Fonds schwimmen also geradezu im Geld.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deutsche Anleger allerdings erleben mit vielen dieser Fonds gerade sicher nicht die beste Zeit. Das hat nichts mit der eigentlichen Arbeit der Fondsmanager zu tun - gerade bei der derzeit beliebtesten Anlageform, den Mischfonds, ist die Wertentwicklung in jüngster Zeit im Großen und Ganzen solide. Diese Fonds können sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren, ihre Manager dürfen in den meisten Fällen völlig frei entscheiden, welche der beiden Anlageklassen im Fonds ein höheres Gewicht erhalten soll. An einer solchen Strategie, so schwer sie in der Praxis auch umzusetzen sein mag, ist nichts auszusetzen.

          Das Ärgernis ist ein anderes: Viele große Fonds brummen den Anlegern erhebliche Gebühren auf. In einer Auflistung, die das Analysehaus Morningstar für die F.A.S. erstellt hat (siehe Tabelle), finden sich einige bekannte Namen: Die Fonds des Anbieters Carmignac sind darunter, ein Fonds des Vermögensverwalters Bert Flossbach, auch der Mischfonds „Ethna-Aktiv“, seit Jahren bei Deutschlands Anlegern einer der beliebtesten Fonds. Und nicht zuletzt ein Fonds des DWS-Managers Klaus Kaldemorgen.

          „Auch wenn alle diese Fondsmanager in der Vergangenheit durchaus gute Arbeit geleistet haben: Die hohen Gebühren sind ein erhebliches Manko“, sagt Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Ob die Fondsmanager an frühere Erfolge anknüpfen werden, können Anleger schließlich nie im Vorhinein wissen. Die Höhe der Gebühren, die sie zahlen müssen, steht dagegen bereits heute weitgehend fest. Und je saftiger diese Gebühren ausfallen, umso weniger hat der Anleger etwas von der guten Wertentwicklung eines Fonds.

          Mischfonds mit Erfolgsgebühren
          Fonds Isin Wertentwicklung p.a.
          1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre
          Carmignac Patrimoine A EUR FR0010135103 3,1% 4,2% 3,6%
          Ethna Aktiv A LU0136412771 3,0% 5,8% 4,7%
          FvS Multiple Opportunities R LU0323578657 9,3% 8,8% 11,5%
          Privatfonds: Kontrolliert DE000A0RPAM5 2,9% 5,9% 4,5%
          First Eagle Amundi International AU-C LU0068578508 9,4% 8,4% 8,8%
          Amundi Patrimoine C FR0011199371 2,0% 4,4% -
          DWS Concept Kaldemorgen LC LU0599947271 4,6% 6,4% -
          Mediolanum BB Coupon SC IE00B3WM4L37 4,9% 5,5% -
          Unirak DE0008491044 8,7% 10,1% 9,0%
          Quelle: Morningstar; Wertentwicklung nach Gebühren

          Besonders übel stößt den Experten von Morningstar eine besondere Art von Gebühr auf, die im Branchenjargon auf den Namen „Performance-Gebühr“ oder auch Erfolgsgebühr hört. Sie kann im Einzelfall unterschiedlich ausgestaltet sein, funktioniert aber grundsätzlich so: Gelingt es einem Fondsmanager, deutlich besser abzuschneiden als ein Vergleichsindex, kann er seinen Kunden dafür eine Zusatzgebühr berechnen. Einmal angenommen, der Dax legt innerhalb eines bestimmten Zeitraums um zehn Prozent zu, der Fonds aber sogar um zwölf Prozent.

          Die Zusatzrendite, die der Fonds erzielt hat, beträgt dann zwei Prozentpunkte. Hat ein Kunde beispielsweise 10.000 Euro angelegt, würde diese Zusatzrendite also 200 Euro ausmachen. Davon zieht ihm der Fondsmanager nun für seine gute Arbeit einen bestimmten Betrag ab - dies können bis zu 25 Prozent sein. Das bedeutet: Statt 200 Euro bleiben dem Kunden am Ende nur 150 Euro als Zusatzertrag übrig. Darüber hinaus muss er weiter die ganz normalen jährlichen Fondsverwaltungsgebühren an den Manager zahlen.

          Mischfonds mit Erfolgsgebühren
          Fonds Isin Erfolgsgebühr Fondsgebühr
          Carmignac Patrimoine A EUR FR0010135103 10,00% 1,78%
          Ethna Aktiv A LU0136412771 20,00% 1,86%
          FvS Multiple Opportunities R LU0323578657 10,00% 1,69%
          Privatfonds: Kontrolliert DE000A0RPAM5 25,00% 2,05%
          First Eagle Amundi International AU-C LU0068578508 15,00% 2,20%
          Amundi Patrimoine C FR0011199371 20,00% 1,66%
          DWS Concept Kaldemorgen LC LU0599947271 15,00% 1,62%
          Mediolanum BB Coupon SC IE00B3WM4L37 5,00% 3,04%
          Unirak DE0008491044 25,00% 1,43%
          Quelle: Morningstar; Gebühr p.a.

          Nun ist die Grundidee einer Erfolgsgebühr zunächst einmal gar nicht so schlecht. Sie soll den Fondsmanager zu Bestleistungen anspornen. Tatsächlich erheben viele Fondsgesellschaften die Erfolgsgebühr aber aus einem anderen Grund: Ein Großteil der normalen Fondsgebühren geht für die Bezahlung der Vertriebsmitarbeiter drauf, die den Fonds im Beratungsgespräch an den Mann bringen sollen. Das Geld, das man hier ausgibt, holen sich die Fondsgesellschaften über die Erfolgsgebühr zurück.

          Völlige Freiheit haben die Fondsmanager dabei aber nicht: Vor zwei Jahren hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin die Ausgestaltung der Erfolgsgebühren eingeschränkt. So müssen in Deutschland aufgelegte Fonds die sogenannte „High Watermark“-Regel beachten. Das bedeutet: Anders als früher dürfen die Fondsmanager ihren Anlegern die Erfolgsgebühr in einem guten Jahr nicht mehr unabhängig davon in Rechnung stellen, ob die Wertentwicklung des Fonds in den Jahren zuvor unterdurchschnittlich war oder nicht. Jetzt müssen die Fonds frühere Verluste zumindest wettgemacht haben, bevor sie die Erfolgsgebühr kassieren können. Trotz dieser Verbesserung: Dreist bleibt die Höhe der Erfolgsgebühren bei vielen Fondsgesellschaften dennoch. Der bei den Anlegern so beliebte und eigentlich ziemlich gute Mischfonds Ethna-Aktiv ist dafür nur ein Beispiel: Erzielt er in einem Jahr einen Wertzuwachs von mehr als fünf Prozent, behält das Management ein Fünftel der Zusatzrendite für sich ein.

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