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Gastkommentar : Hedge-Fonds werden von der BaFin laufend überwacht

  • -Aktualisiert am

Franz Braun, Rechtsanwalt der Kanzlei Rotter-Rechtsanwälte Bild: argum / Falk Heller

Seit Jahresbeginn können in Deutschland Dach-Hedge-Fonds vertrieben werden. Anbieter können allerdings nur mit Genehmigung aktiv werden. Sie werden ständig überwacht, so Rechtsanwalt Braun von den Rotter-Rechtsanwälten.

          Hedge Fonds gelten noch häufig als Inbegriff skrupelloser Spekulationen und Intransparenz bei unkontrollierter Freiheit der Fondsmanager. Seit Zulassung von Hedge Fonds durch das neue Investmentgesetz stellt sich daher die Frage, in welchem Umfang die angebotenen Produkte und ihr Vertrieb überhaupt der öffentlichen Aufsicht unterliegen.

          Immerhin liegt doch gerade in der besonderen Freiheit des Managements ein Wesensmerkmal von Hedge Fonds. Für den Anleger stellt sich diese Frage insbesondere hinsichtlich der Dach-Hedge-Fonds, da Single-Hedge-Fonds vom öffentlichen Vertrieb ausgenommen sind. Hinzukommt, daß 95 Prozent der Hedge Fonds in Offshore-Staaten außerhalb der EU oder des EWR aufgelegt werden, und mit dem neuen Gesetz auch Anteile solcher ausländischer Hedge Fonds in Deutschland vertrieben werden können. Im folgenden soll ein Überblick vermittelt werden, „wie viel“ öffentliche Aufsicht und Kontrolle der Anleger zu seinem Schutz in Zukunft erwarten kann.

          Handel mit Hedge-Fondsanteilen nur mit Genehmigung möglich

          Zunächst benötigen inländische Anbieter von Hedge Fonds vor Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit eine schriftliche Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), während bereits existierende Anbieter von Finanzprodukten bei Auflegung eines Hedge Fonds einen Antrag auf Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit bei der BaFin stellen müssen.

          Darin wird unter anderem geprüft, ob die mit den Anlageentscheidungen betrauten Personen die erforderliche fachliche Eignung besitzen. Soweit die BaFin dabei die Absicht der Bundesregierung, einen einheimischen Hedge-Fondsmarkt zu etablieren, übernimmt, wird man nicht erwarten können, daß sie praktische Erfahrung bei der Steuerung von Hedge Fonds selbst voraussetzen wird. Aufgrund des bisherigen Verbots sind praktische Kenntnisse rar und der Kreis der potentiellen Geschäftsleiter bliebe damit sehr klein. Für die Beurteilung der fachlichen Eignung werden daher wohl praktische Kenntnisse im aktiven Wertpapierhandel generell sowie im Risikomanagement von Relevanz sein. Zu bedenken ist auch, daß die Portfolioverwaltung an fachlich geeignete, auch ausländische, Unternehmen ausgelagert werden darf, und damit den unmittelbaren Aufsichtsbereich der BaFin verlassen kann. Zugelassen ist eine solche Auslagerung aber nur, sofern das betraute Unternehmen ebenfalls einer wirksamen öffentlichen Aufsicht unterliegt und für die Zwecke der Vermögensverwaltung zugelassen ist.

          Zentrale Bedeutung für den Anlegerschutz hat neben der Zulassungskontrolle des Anbieters an sich auch das Erfordernis der Genehmigung der Vertragsbedingungen durch die BaFin.

          Kapitalanlagegesellschaften werden laufend überwacht

          Im Rahmen der laufenden Überwachung haben Kapitalanlagegesellschaft diverse Pflichten zur Anzeige bei der BaFin, etwa wenn die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt werden soll. Im Interesse des Anlegers kann die BaFin auch selbst eine Aussetzung der Rücknahme anordnen, was in der Praxis allerdings ein absoluter Ausnahmefall wäre. Transaktionen etwa in Aktien, Aktienzertifikaten, Genuß- und Optionsscheinen oder darauf basierenden Termingeschäften müssen der BaFin zeitnah und elektronisch gemeldet werden. Die Übermittlung einer Vermögensaufstellung sowie die börsentägliche Ermittlung des Anteils- oder. Rücknahmewertes sind jedoch nicht erforderlich und können durch die Vertragsbedingungen des Fonds eingeschränkt werden.

          Die Transaktionsdaten werden automatisch analysiert und nach ungewöhnlichen Parametern durchsucht. Zum Beispiel nach Rendite- oder Kurssprüngen, hohen Spreads oder großen Verschiebungen auf einen anderen Börsenplatz. Legen die ausgewerteten Daten einen Verdacht auf Markt- und Preismanipulation oder Insidergeschäfte nahe, kann die BaFin dem durch weitere Prüfung des Geschäftsvorfalls nachgehen. Wichtig für Hedge Fonds ist, daß durch eine Ausweitung der meldepflichtigen Daten Transaktionen von Investmentgesellschaften für ihre Fonds nun als solche eindeutig identifiziert werden können. Voraussichtlich mit Beginn des Jahres 2005 sollen die elektronischen Überwachungs- und Analysesysteme entsprechend angepaßt sein.

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