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Gastkommentar : Der Kauf von Hedge Fonds will wohl überlegt sein

  • -Aktualisiert am

Franz Braun, Rechtsanwalt der Kanzlei Rotter-Rechtsanwälte Bild: argum / Falk Heller

Seit Jahresbeginn können in Deutschland Hedge Fonds ganz legal vertrieben werden. Das Gesetz setzt den Anleger mit Blick auf die Risikoaufklärung in eine günstige Lage, so Rechtsanwalt Braun von den Rotter-Rechtsanwälten.

          Nachdem der Bundesrat Ende des vergangenen Jahres das Inkrafttreten des neuen Investmentmodernisierungsgesetzes beschlossen hat, können nun auch deusche Anleger ihr Geld in Hedge Fonds zulegen.

          Vorher war der Vertrieb solcher Fonds aufgrund der bis dahin geltenden Vorschriften des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) sowie dem Auslandsinvestmentgesetz (AuslInvestG) unzulässig. Die nun geltenden Vorschriften erschließen dem Anleger und auch der Fondsbranche neue Möglichkeiten. So hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum 31.03.2004 den ersten deutschen Hedge Fonds einer Fondsgesellschaft für den Vertrieb zugelassen.

          Legaldefintion für Hedge Fonds

          Die als Hedge Fonds verkauften Finanzprodukte gelten angesichts ihrer fehlenden Transparenz oft als „Black Box“. So gibt es zum Beispiel gegenüber dem von der österreichischen Quadriga AG - im Rahmen von sehr öffentlickeitswirksamen Roadshows - angebotenen Hedge Fonds erhebliche Vorbehalte in der Finanzwelt. Auch sollten Hinweise auf eine in den vergangenen Jahren erwirtschaftete Mindestrendite von 30 Prozent mit Vorsicht genossen werden, zumal empirische Studien zeigen, daß die von Hedge Fonds dieser speziellen Art erwirtschafteten Renditen auf längere Sicht gerade nicht beständig sind.

          Mit dem nun seit erstem Januar 2004 geltenden Investmentgesetz, das die rechtlichen Rahmenbedingungen für Hedge Fonds in Deutschland festlegt, wurde erstmals eine Legaldefintion für Hedge Fonds in Deutschland geschaffen. Das Investmentgesetz unterscheidet zunächst zwischen Sondervermögen mit zusätzlichen Risken, das sind Hedge Fonds oder so genannte Single-Hedge Fonds, sowie Dach-Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken. Damit sind Dach-Hedge-Fonds gemeint. Neben den beiden Hauptmerkmalen für Hedge Fonds - Einsatz von Kreditmitteln oder Leverage sowie von Leerverkäufen - bestehen für die Single-Fonds bis auf wenige Ausnahmen auch keine Beschränkungen bei der Auswahl der Vermögensgegenstände. Aufgrund des dadurch entstehenden hohen Risikos hat sich der Gesetzgeber dazu entschlossen, den Privatanleger gewissermaßen vor sich selbst zu schützen: Der Vertrieb von Single-Hedge Fonds wurde vom öffentlichen Vertrieb ausgeschlossen.

          Für den Verkauf an Privatanleger bestimmt sind dagegen Dach-Hedge Fonds, die mit mehreren Beschränkungen belegt sind. So dürfen beispielsweise Dach-Hedge-Fonds maximal 20 Prozent ihres Fondsvermögens in einen einzelnen Single-Hedge-Fonds und in nicht mehr als zwei Single-Hedge-Fonds des gleichen Emittenten oder Fondsmanager investieren. Ferner sind die Anbieter der Dach-Hedge-Fonds verpflichtet, die Single-Hedge-Fonds, in die sie anlegen, laufend zu überwachen und sich entsprechende Risikokennziffern vorlegen zu lassen, die zudem von der Depotbank bestätigt werden müssen. Nach Aufforderung sind diese Informationen auch der Bundesanstalt für Finanzdientsleistungsaufsicht (BaFin) vorzulegen.

          Telefonische Kaufaufträge nicht möglich

          Sollte sich der private Anleger jedoch überlegen, seine Anteile an einem Dach-Hedge-Fonds zurückzugeben, so muß er sich dies - im Gegensatz zu gewöhnlichen Investmentfonds - sehr früh überlegen. Denn die Vorschriften sehen diesbezüglich vor, daß ein Rückgabetermin nur einmal im Kalendervierteljahr angeboten werden muß. Darüber hinaus müssen Anleger der Fondsgesellschaft bis zu hundert Tage vor dem genannten Rückgabetermin die geplante Rückgabe ankündigen. Ein Investment in Dach-Hedge-Fonds sollte also auch unter diesem Gesichtspunkt sehr gut überlegt sein.

          So ist es aufgrund der auch bei Dach-Hedge-Fonds kaum überschaubaren Verlustrisiken sowie der eben beschriebenen eingeschränkten Rückgabemöglichkeit zu begrüßen, daß das Investmentgesetz die Pflicht zur Übergabe des entsprechenden Verkaufsprospekts und eine ausdrückliche Risikobelehrung vorsieht. Die Risikoaufklärung muß auch den Hinweis auf einen möglichen Totalverlust beinhalten. Außerdem hat der Erwerb der Anteile stets schriftlich zu erfolgen, telefonische Kaufaufträge sind somit nicht möglich. Im Hinblick auf spätere Streitigkeiten ist der Anleger in einer günstigen Position: Der jeweilige Verkäufer trägt die Beweislast für die erfolgte Prospektübergabe und die Risikobelehrung, so daß im Falle eines Rechtsstreits bei unterbliebener Aufklärung gute Chance für die Rückabwicklung des Erwerbs bestehen.

          Abschließend ist jedem Anleger - wie auch bei gewöhnlichen Investmentfonds - zu raten, den Verkaufsprospekt aufmerksam zu lesen und sich den gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweis zu verinnerlichen: Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesem Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen.

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