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Gastbeitrag : Insider haben ein gutes Gespür für die Entwicklung von Aktienkursen

  • -Aktualisiert am

Handelt ein Insider Aktien des eigenen Unternehmens, kann dies für Anleger ein hilfreiches Signal sein. Zumindest deckt sich diese These mit den Erkenntnissen der Marktverhaltens-Forscher von 2iQ Research.

          6 Min.

          Unternehmensinsider (Vorstände, Aufsichtsräte sowie Großaktionäre einer börsennotierten Gesellschaft) sind antizyklische Investoren, sie verkaufen in starken Kursphasen und kaufen in Schwächeperioden. Warum ist dies so? Nur weil sie Insider sind, heißt das noch lange nicht, daß sie clevere Investoren sind.

          Aber eine Sache können alle Insider gut einschätzen, und das ist der intrinsische Wert des eigenen Unternehmens. Das ist derjenige Wert, für welchen das Unternehmen liquidiert bzw. an einen interessierten Käufer verkauft werden könnte.

          Nähert sich der Aktienkurs diesem Wert oder fällt er darunter, kauft der Insider. Je weiter der Preis fällt, umso mehr erwirbt der Insider. Geht der Preis der Unternehmensanteile über die Schätzung des intrinsischen Werts hinaus, verkaufen Insider. Je höher der Preis steigt, um so mehr veräußert er. Da es also für den Insider rational ist, zu kaufen, wenn die Aktie fällt und andererseits zu verkaufen, wenn die Aktie steigt, sollte man Abweichungen von diesem „normalen“ Verhalten suchen.

          Directors' Dealings erzielen auch in Europa eine steigende Aufmerksamkeit

          Verkauft ein Vorstand in einer Schwächeperiode Aktien im großen Stil, heißt das normalerweise, daß sich die Unternehmensaussichten weiter verschlechtert haben und negative Unternehmensmeldungen wahrscheinlich sind. Auf der anderen Seite, ist es beeindruckend, wenn Insider zu höheren Preisen kaufen als bei früheren Käufen. Dies könnte bedeuten, daß sich die Konditionen verbessern und man sich auf positivere Nachrichten als erwartet einstellen kann.

          Insider haben einen besseren Einblick in das Unternehmen als Analysten und andere Marktteilnehmer. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sie beim Handeln ihrer eigenen Aktien die Marktrendite übertreffen. Durch Käufe respektive Verkäufe nutzen Insider Fehlbewertungen des Aktienmarktes systematisch aus.

          Der aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch eingebürgerte Begriff Directors' Dealings bezieht sich auf die meldepflichtigen Wertpapiertransaktionen von Unternehmensinsidern. Die Regeln hierzu sind klar und direkt. Unternehmensinsider müssen Veränderungen ihrer Aktienbestände der Börsenaufsicht unverzüglich melden. In Deutschland besteht die Offenlegungspflicht seit dem Sommer 2002 mit dem Inkrafttreten des vierten Finanzmarktförderungsgesetzes. Dagegen wird der Begriff Insider Trading mit illegalen Kapitalmarkttransaktionen assoziiert, dem Ausnutzen von materiellen nicht öffentlichen Informationen.

          Directors' Dealings erzielen in Europa eine steigende öffentliche Aufmerksamkeit. Dazu trägt die neue EU Direktive 2003/6/EC zum Insiderhandel bei, die bis zum 12. Oktober 2004 von den EU-Staaten umgesetzt werden mußte. Die Regelungen sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Corporate Governance in Deutschland geworden. Die Insiderhandelsdaten sind frei verfügbar und im Internet erhältlich (für Deutschland: www.bafin.de). In Amerika besteht eine Offenlegungspflicht schon seit 1934 und diese Transaktionen werden von einer großen Gruppe von Investoren verfolgt.

          Einige Erfolgsbeispiele

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