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Gastbeitrag : Für Anleger sind die Wahlen in Amerika bereits entschieden

  • -Aktualisiert am

Für Fondsexperte Ulrich Harmssen spielt es keine Rolle, ob Bush oder Kerry gewinnt Bild: Fonds Select

Über den Ausgang der Wahlen um das Präsidentenamt in Amerika wird an der Börse viel diskutiert. Doch für Fondsanleger sind die Wahlen längst entschieden, sagt UlrichHarmssen, Geschäftsführer von Fonds Select Worpswede.

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          Die Präsidentschaftswahl in Amerima geht in ihre heiße Phase - auch für Analysten und Aktienpropheten. Während sich George W. Bush und sein Herausforderer John Kerry laut Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, überbieten sich Finanzexperten in Analysen, die die Auswirkungen des Wahlkampfs auf die Aktienmärkte untersuchen.

          Ulrich Harmssen, Geschäftsführer des Makler-Pools Fonds Select Worpswede, rät Investoren, sich bei ihren Entscheidungen im Wahljahr nicht von Vergangenheitsvergleichen beeinflussen zu lassen. „Am amerikanischen Aktienmarkt überwiegen zurzeit die Risiken vor den Chancen“, sagt der Berater der drei Dachfonds Fonds Select Aggressive, Fonds Select Systematic und Fonds Select Defensive. „Auf die Börsenweisheit 'Wahljahre sind gute Aktienjahre' sollten sich Anleger nicht verlassen. Das wäre, wie wenn man sich im August trotz Sturmwarnung und Gewitterwolken in der Badehose an den Strand legt - einfach, weil es doch schließlich Sommer ist.“

          Nicht auf alte Weisheiten setzen

          Wahljahre sind gute Börsenjahre? Anhand von Begriffen wie „Präsidentschafts-Zyklus“ und „Honeymoon-Rally“ belegen Vergangenheitsberechnungen, daß die amerikanische Börse in Wahljahren im Schnitt besonders gute Ergebnisse bringt. Doch bereits bei der vergangenen Wahl erlitten Anleger eine Bauchlandung, wenn sie darauf vertrauten, daß es dem amtierenden Präsidenten stets gelingt, mit konjunkturstimulierenden Maßnahmen zum Wahltag für eine positive Aktienbilanz zu sorgen:

          Der Aktienindex Dow Jones Industrial Average verlor im Wahljahr 2000 6,2 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq sogar 39,3 Prozent. Dabei liegt seit Gründung des Dow Jones im Jahr 1896 die statistische Wahrscheinlichkeit für eine negative Jahresbilanz lediglich bei 20 Prozent. Aller Voraussicht nach wird George W. Bush der erste Präsident nach Gerald Ford (1974 - 1977) sein, der seine vierjährige Amtszeit mit einer negativen Börsenbilanz beendet.

          Daß die Börse auch das Wahljahr 2004 mit einem Verlust abschließen wird, hält Harmssen ebenfalls für wahrscheinlich. Seit dem 2. Januar 2004 verzeichnete der Dow Jones bereits ein kleines Minus. „Anleger gehen am US-Aktienmarkt zurzeit hohe Risiken ein, die in den aktuellen Unternehmensbewertungen bei weitem nicht eingepreist sind“, sagt Harmssen.

          Frühere Ergebnisse nicht für bare Münze nehmen

          Besonders problematisch sieht der Fonds-Berater angesichts des steigenden Zinsniveaus die hohe private Verschuldung. „Wir befürchten, daß die Immobilienblase bald platzt. Denn anders als die deutschen Häuslebauer vereinbaren die Amerikaner in Zeiten steigender Zinsen meist flexible Hypothekenzinsen, da diese zu besonders günstigen Konditionen angeboten werden. Wenn die Amerikaner diese Kredite aufgrund kommender Zinsanpassungen nicht mehr bedienen können, wird ihr privater Konsum dramatisch einbrechen. Und damit versagt dann der wichtigste Motor der amerikanischen Wirtschaft.“

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