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Frankfurter Sparkasse : Eine teure Fondsempfehlung

  • -Aktualisiert am

Die Frankfurter Sparkasse war lange Zeit eine freie Sparkasse und gehört jetzt der Helaba Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Der „Fonds des Monats“ ist ausgerechnet ein Fonds, der in deutsche Aktien investiert. Mit diesem warb die Frankfurter Sparkasse im Januar auf allen Kontoauszügen ihrer Kunden. Wer dem Rat folgte, verlor unter Umständen die Hälfte seines Einsatzes.

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          Vorsicht, dies ist eine Empfehlung der Frankfurter Sparkasse: „Unser Fonds des Monats: Frankfurter-Sparinvest Deka“. Den Rat, diesen Investmentfonds zu kaufen fanden im Januar dieses Jahres sämtliche Kunden der Frankfurter Sparkasse auf ihrem Kontoauszug.

          Die Anlage hat sich für die Käufer des Fonds (Isin: DE0008480732) nicht ausgezahlt. Schon zum Zeitpunkt der Werbung hatte der Fonds enorme Verluste hinnehmen müssen. Im Herbst 2007 hatten die Fondsanteile einen Höchstpreis von 124,477 Euro erreicht. Dieses Niveau hielt er bis zum Jahresende. Im Januar jedoch stürzte der Preis der Fondsanteile wie ein Stein auf weniger als 98 Euro.

          Damit nicht genug: In der Folge fiel der Preis des Fonds weiter ab. Im Laufe des Oktobers notierte der Fonds bei nur noch 58,28 Euro. Damit hat sich der „Fonds des Monats“ innerhalb von weniger als einem Jahr im Wert mehr als halbiert.

          Bild: F.A.Z.

          Die Hälfte an Wert verloren in einem Jahr

          48 Prozent Wertverlust hat der Fonds in den vergangenen zwölf Monaten erlitten, während der Dax in diesem Zeitraum 41 Prozent verloren. Nun ist dies nicht der direkte Vergleichsindex für den Fonds. Doch selbst gemessen am MSCI Deutschland schneidet der Frankfurter-Sparinvest Deka 4,2 Prozent schlechter ab.

          Auf die vergangenen fünf Jahre gerechnet kann der Fonds zwar eine Wertsteigerung und 11,9 Prozent aufweisen, doch selbst in diesem Zeitraum liegt die Wertentwicklung 3,1 Prozent unter dem Referenzindex. Der Fonds sei „von der Zeitschrift Finanztest für seine zum 4. Mal in Folge überdurchschnittliche Performance“ ausgezeichnet worden, warb die Frankfurter Sparkasse auf ihren Kontoauszügen.

          Mit dem Gütesiegel der Stiftung Warentest

          Damit gab sich die Sparkasse das Gütesiegel der Stiftung Warentest, die 1964 auf Beschluss des Bundestags gegründet wurde, „um dem Verbraucher durch die vergleichenden Tests von Waren und Dienstleistungen eine unabhängige und objektive Unterstützung zu bieten“. Dieses Konzept wurde später auf Finanzprodukte ausgeweitet. So veröffentlicht die Stiftung Warentest neben der Zeitschrift „Test“ das Anlegermagazin „Finanztest“ und lehnt in beiden Publikationen Anzeigen ab. „Das garantiert die absolute Objektivität ihrer Urteile“, heißt es in einer Eigendarstellung.

          Deshalb ist es für Banken und Sparkassen wie die Frankfurter besonders attraktiv, mit dem neutralen Urteil der Stiftung Warentest für ein Produkt werben zu können. Doch nicht nur von „Finanztest“ bekam der Fonds beste Noten. Auch die Fonds-Ratingagentur Morningstar vergab dem Produkt vier ihrer begehrten Sterne. Fünf gibt es maximal.

          Im Sog der Aktienmärkte

          „Der Frankfurter-Sparinvest Deka gehört gemäß Heft 10/2008 der Zeitschrift Finanztest zu den besten 20 Aktienfonds Deutschland“, heißt es von Seiten der Frankfurter Sparkasse. „Er gehört damit seit Jahren zu den besten deutschlandorientierten Aktienfonds.“ Die Fünf-Jahres-Performance liege bei mehr als 12 Prozent jährlich. Da Aktienanlagen in Fonds einen mittel- bis langfristigen Hintergrund haben, sollte auch dieser Anlagehorizont beachtet werden. „Kurzfristige Kursrückgänge wie im Januar 2008 sagen nichts über die Qualität aus, der Fonds ist im Februar und Mai 2008 auch wieder gestiegen, bevor auch dieser Fonds sich der weltweiten negativen Entwicklung der Aktienmärkte nicht entziehen konnte“, sagte ein Sprecher der Sparkasse.

          Ob sich ein Fonds überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich entwickelt, sei eine Aussage, die sich auf die Entwicklung der Vergangenheit bezieht, wobei der Fonds nicht mit einen Referenzindex, sondern mit den anderen Fonds seiner Kategorie verglichen wird. „Wir betrachten grundsätzlich die Historie über fünf Jahre“, sagte ein Redakteur von „Finanztest“. Jetzt sei der Frankfurter-Sparinvest Deka allerdings nicht mehr als überdurchschnittlich eingestuft.

          Überdurchschnittlich und trotzdem Verluste

          „Eine überdurchschnittliche Entwicklung ist nicht immer eine gute Entwicklung“, sagte der „Finanztest“-Redakteur weiter. „In vielen Fällen hat der Anleger trotzdem Verluste.“ Diese Erfahrung mussten nun auch die Kunden der Frankfurter Sparkasse machen.

          Es bleibt vorläufig das Geheimnis der Frankfurter Sparkasse, wie das Institut, das viele Tausende kleine Anleger zu ihren Kunden zählt, in dieser Marktsituation ausgerechnet einen hochriskanten Aktienfonds auf ihren Kontoauszügen empfehlen konnte. Denn die Finanzkrise brach schon im Sommer 2007 aus, und zur Jahreswende war unter Börsenprofis klar, dass dieses Jahr auf jeden Fall ein ganz schwieriges für die Finanzmärkte würde.

          Der Verlierer-Fonds des Monats Januar

          Der Frankfurter-Sparinvest Deka ist ein Aktienfonds, der sich in seiner Anlagepolitik an dem Aktienindex MSCI Deutschland orientiert. Er investiert laut Deka „in eine Auswahl deutscher Aktien, wobei Standardwerte hoher Qualität (Blue Chips) aus erfolgversprechenden Branchen bevorzugt werden“.

          Die größten Einzelpositionen waren zuletzt Siemens mit einem Anteil von 7,7 Prozent, Bayer mit 7,2 Prozent, Allianz mit 6 Prozent und Daimler mit 5 Prozent. Zu mehr als 90 Prozent war der Fonds zuletzt in deutschen Aktien investiert. Ein kleiner Anteil an niederländischen, französischen und italienischen Werten wurde beigemischt, aber auch zu 0,2 Prozent russische Titel.

          Für den Fonds wird ein Ausgabeaufschlag von 4,17 Prozent berechnet. Hinzu kommen eine Verwaltungsvergütung von 1,25 Prozent und eine Depotbankgebühr von 0,09 Prozent. Die vom Fonds getragenen Gesamtkosten - gemessen an der Total Expense Ratio - wurde im vergangenen Jahr mit 1,3 Prozent angegeben.

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