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Fondsskandal : Alliance Capital droht eine Rekordstrafe

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Nach dem Fondsskandal wird Alliance Capital voraussichtlich eine Rekordstrafe von 250 Millionen Dollar zahlen und "überhöhte" Gebühren senken müssen. Das ist eine Warnung an den Rest der Branche.

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          Alliance Capital Management dürfte 250 Millionen Dollar zahlen, um in einem Vergleich mit der amerikanischen Börsenaufsicht und dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer die Vorwürfe über mißbräuchliche Handelspraktiken bei Investmentfonds beizulegen, berichten unterrichtete Kreise. Das wäre die höchste Geldstrafe, die je gegen eine Fondsgesellschaft verhängt worden ist. Die Einigung wird noch in dieser Woche erwartet.

          Alliance, an der die französische Axa mehrheitlich beteiligt ist, wird vorgeworfen, einigen Investoren kurzfristige Handelsgeschäfte erlaubt zu haben, die den Ertrag der langfristigen Kunden geschmälerten. Außerdem wurde Alliance aufgefordert, ihre Fondsgebühren um 20 Prozent zu senken. Dieser Punkt sei aber noch strittig, verlautete von informierten Personen weiter.

          Warnung an den Rest der Branche

          "Die Strafe ist eine scharfe Warnung an den Rest der Branche, daß es sie teuer zu stehen kommt, wenn einigen Kunden Sonderkonditionen eingeräumt werden," konstatierte Geoff Bobroff, unabhängiger Branchenberater aus East Greenwich in Rhode Island. Die Höhe der Strafe entspricht dem Eineinhalbfachen des Jahresgewinns von Alliance und zehn Prozent vom Marktwert der Gesellschaft.

          Die Aufsichtsbehörden untersuchen bei 22 weiteren Fondsgesellschaften, darunter Putnam Investments, Strong Capital Management und Invesco Funds Group, wegen unsauberer Handelsgeschäfte. Der Vergleich mit Alliance "wird als Messlatte für die Strafen" in dem Skandal über Handelspraktiken in der Investmentfondsbranche dienen, erwartet John Coffee, Direktor des Center for Corporate Governance an der Columbia University Law School.

          Mit der Strafe von 250 Millionen Dollar sollen die Investoren entschädigt werden, die auf Grund der speziellen Handelsvereinbarungen geschädigt wurden, teilten die informierten Personen mit. Alliance wäre die erste Fondsgesellschaft, die in dem Fondsskandal eine Strafe zahlt. Alliance hat im dritten Quartal bereits 190 Millionen Dollar für mögliche Geldstrafen und Rechtskosten zurückgestellt.

          Spitzer will "überhöhte" Gebühren senken

          Einig seien sich beide Seiten über die Höhe der Strafe, während andere Punkte des Vergleichs, wie der Umfang der Gebührensenkungen bei Alliance, noch strittig seien, verlautete weiter. Spitzer hatte gesagt, daß er mit seinen Ermittlungen zu den Handelsmißbräuchen die "überhöhten" Gebühren senken wolle. Hingegen ist der SEC-Vorsitzende William Donaldson der Ansicht, die Gebühren sollten nicht Teil des Vergleichs über die illegalen Handelspraktiken sein. Er ist für eine größere Offenlegung der Kosten, um den Anlegern eine bessere Wahlmöglichkeit zu geben. Alliance verlangt in der Branche mit die höchsten Gebühren für Aktienfonds, sie liegen im Schnitt bei 20 Dollar pro 1.000 Dollar Anlagekapital, geht aus Bloomberg-Daten hervor.

          In zwei geschlossenen SEC-Sitzungen in der vergangenne Woche hätten die fünf Kommissare den Vergleich mit Alliance einschließlich Gebührensenkungen abgesegnet und seien zu dem Schluß gekommen, daß dies mit staatlichen Sanktionen gegen Preisabsprachen zu vergleichen sei, teilten die informierten Personen mit.

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