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Fondsriese Blackrock : „Wir nehmen Einfluss auf die Firmen dieser Welt“

  • Aktualisiert am

Christian Staub, 45, leitet das Deutschland-Geschäft von Blackrock. Die größte Fondsgesellschaft der Welt legt sagenhafte 4700 Milliarden Dollar an. Bild: Frank Röth

Blackrock ist die größte Fondsgesellschaft der Welt. Deutschland-Chef Christian Staub spricht über seine Macht und warum der Dax am Jahresende viel höher steht als heute.

          5 Min.

          Herr Staub, Blackrock ist an allen Dax-Konzernen beteiligt. Ärgert es Sie, dass VW und die Deutsche Bank ständig in Skandale verwickelt sind?

          Ich bitte um Verständnis. Zu einzelnen Unternehmen äußern wir uns nicht.

          Sie nehmen ohne Widerspruch hin, was die Konzerne tun? Eine seltsame Einstellung für einen Eigentümer.

          Nein, das sehen Sie falsch. Zunächst einmal muss ich klarstellen: Genaugenommen nehmen wir die Rechte des Eigentümers und Aktionärs nur in Vertretung unserer Kunden wahr. Sie sind es ja, die uns ihr Geld zur Verfügung stellen, damit wir es für sie anlegen. Darum ist mir eines ganz wichtig: Blackrock ist der Überzeugung, dass es im Sinne unserer Kunden ist, Einfluss auf die Firmen auszuüben, an denen wir beteiligt sind, und mit diesen zu sprechen. Genauso sind wir aber davon überzeugt, dass es nicht im Sinne unserer Kunden ist, diesen Dialog in die Öffentlichkeit zu tragen.

          Warum nicht? Was haben Sie zu verbergen?

          Gar nichts. Das Ganze hat viel mit der Art und Weise zu tun, wie wir das Geld der Kunden verwalten. Mehr als die Hälfte der 4700 Milliarden Dollar, die wir für sie anlegen, steckt in Indexfonds wie etwa sogenannten ETF. Dabei handelt es sich um Fonds, die einen Index wie den Dax exakt nachbilden und für die wir darum alle Aktien kaufen, die zum Dax dazugehören. Das bedeutet aber auch: Der Kauf einer bestimmten Dax-Aktie ist gerade keine Aussage darüber, ob wir diese Aktie gut oder schlecht finden. Wir sind dazu verpflichtet, sie zu kaufen, weil sie Teil des Index ist. Aus diesem Grund enthalten wir uns eines öffentlichen Urteils. Zumal wir nichts mit jenen Hedgefonds gemein haben, bei denen öffentliche Kritik an Unternehmen zum Geschäftsmodell dazugehört. Es wäre nicht glaubwürdig, wenn wir dies täten.

          In der vergangenen Woche hat sogar der norwegische Staatsfonds VW kritisiert. Das ist kein Hedgefonds, sondern ein sehr angesehener Investor.

          Das ist richtig. Der Fonds hat sich aber bewusst für bestimmte Aktien entschieden, dies trifft auf unsere ETF nicht zu. Nicht ohne Grund bezeichnet man ETF ja auch als passive Investments. Dahinter steckt eben keine aktive Auswahl.

          Wenn Sie nur ETF anböten, wäre Ihr Argument überzeugend. Sie haben aber auch viele klassische Fonds im Programm, bei denen ein Fondsmanager die Aktien auswählt.

          Zugestanden. Auch in diesen Fällen gehört es allerdings bislang nicht zu unserer Philosophie, unsere Meinung der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Daraus darf man aber nicht ableiten, dass wir nichts zu kritisieren hätten. Blackrock hat ein gut zwanzigköpfiges, spezialisiertes Team, das in enger Absprache mit unseren Fondsmanagern auf der ganzen Welt den Austausch mit den Firmen sucht und sie auf die Dinge hinweist, die uns wichtig sind. Das sind zum Beispiel ein vorsichtiger Umgang mit den Finanzmitteln der Firma und eine Orientierung am langfristigen Erfolg, nicht allein am nächsten Quartalsergebnis.

          Klingt sehr allgemein.

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