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Fondsprodukte : US-Geldmarktfonds schlittern in die Krise

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Normalerweise sind tiefe Zinsen ein Segen. Doch bei Geldmarktfonds ist es genau anders herum. Das aktuelle Zinsniveau macht diese Produkte uninteressant.

          Die amerikanischen Geldmarktfonds, die insgesamt 2,3 Billionen Dollar verwalten, leiden unter den niedrigen US-Zinsen. Im Gefolge der Zinssenkungen ist die Sieben-Tages Rendite von Geldmarktfonds auf 1,05 Prozent gesunken, das ist der tiefste Stand seit 31 Jahren.

          Damit stehen einige Geldmarktfonds nun unter Druck, die Gebühren zu senken. Auch zeichnet sich in dem Sektor eine Konsolidierung ab, da Anbieter wie Aon Corp., der weltweit zweitgrößte Versicherungsbroker, Fonds schließen. Der Geldmarktfonds von Aon bringt nur noch eine Rendite von 1,28 Prozent ein. Vor einem Jahr lag sie noch bei 2,06 Prozent. Die Renditen von Geldmarktfonds dürften weiter nachgeben, nachdem die US-Notenbank Fed letzte Woche den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 1,25 Prozent senkte.

          Niedrige Zinsen werden zum Problem

          "Die Zinsen sind so stark gefallen, dass viele andere Anlagen bessere Renditen bieten," erklärte Michael Conway, Präsident von Aon Funds Inc. Geldmarktfonds investieren in der Regel im Laufzeitenbereich von 13 Monaten oder weniger. Sie reagieren besonders sensibel auf Änderungen beim Zielzinssatz der Fed für Interbankenkredite. "In zwei Monaten wird die Durchschnittsrendite bei 0,71 Prozent liegen, wenn die Fonds die gesamte Auswirkung der Zinssenkung weiter geben," prognostiziert Peter Crane, geschäftsführender Herausgeber des Branchenbriefes Money Fund Report.

          Die Rendite des umsatzstärksten Drei-Monats US-Staatspapiers ist seit dem Zinsschritt um 20 Basispunkte auf 1,21 Prozent gesunken und um 44 Basispunkte in den letzten drei Monaten, als die Zinsfantasie zunahm. "Die Gefahr, dass die Rendite unter ein Prozent rutscht, dürfte einige Tendenzen in der Branche wie Konsolidierung, Outsourcing der Fondsverwaltung und niedrigere Gebühren, beschleunigen," sagt Lou Crandall, Chefökonom bei der Research-Firma Wrightson Associates LLC.

          Gebühren stehen unter Druck

          Fonds mit einer hohen Kostenquote müssen ihre Gebühren senken, um zu verhindern, dass Anleger Geld verlieren, wenn die Renditen fallen. Die durchschnittliche Kostenquote in der Branche lag am 31. Oktober bei etwa 0,45 Prozent, gegenüber 0,51 Prozent vor fünf Jahren, berichtet der Money Fund Report. "Wir haben bei unseren Kosten den Rotstift angesetzt, seit die Zinsen unter 1,75 Prozent gesackt sind," erklärt Jesse Noel, Fondsmanager bei Potomac Funds. Der U.S. Government Money Market Fund Class B Shares von Potomac kam letzten Monat auf eine Kostenquote von 1,84 Prozent. Durch Gebührensenkungen hätte sich diese mittlerweile auf 1,2 Prozent reduziert. Und die Kosten werden weiter nach unten gehen, teilt Noel mit.

          "Die meisten Geldmarktfonds müssen ihre Gebühren nicht senken, um die Renditen zu halten," ist hingegen die Meinung von John Hollyer, Fondsmanager bei Vanguard Group in Valley Forge. Der Prime Money Market Fund von Vanguard weist eine Kostenquote von 0,33 Prozent und eine Rendite von 1,44 Prozent aus, sagt Hollyer. Die zehn Geldmarktfonds der Gesellschaft sammelten dieses Jahr 1,7 Mrd. Dollar an neuem Anlagekapital ein, berichtet Sprecherin Rebecca Cohen. "Es gäbe in großem Stil Änderungen bei den Kapitalströmen, wenn die Tagesgeldzinsen noch weitere 50 Basispunkte fallen würden. Das derzeitige Zinsniveau wird wohl nicht zu großen Abflüssen führen," schätzt Crandall.

          Sinkende Mittelzuflüsse

          Aber Vanguard könnte eine Ausnahmeerscheinung sein. Angesichts der fallenden Renditen ziehen sowohl Privatanleger als auch institutionelle Anleger Geld aus den Fonds ab. In diesem Jahr verzeichneten die Geldmarktfonds Abflüsse von 36,8 Milliarden Dollar, geht aus den Daten des Money Fund Report hervor. "Es muss Hunderte von anderen Banken und Versicherungen geben, die sich fragen, warum sie bei Geldmarktfonds engagiert sind," berichtet Crane.

          Eine Marktkonsolidierung steht bevor, sagen Analysten. Die Manager kleinerer Fonds mit einem Anlagekapital von unter einer Milliarde Dollar dürften die Verwaltung ihrer Gelder an größere Anbieter übertragen. Diese können Synergien nutzen und bessere Preise bei den Investments erreichen. "Wir erörtern derzeit mit acht oder neun Fondsanbietern die Möglichkeit," ihre Fonds extern zu verwalten, berichtet Bruce Bent, Vorstandsvorsitzender und Gründer von Reserve Management Corp.

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