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Fondsprodukte : Garantiefonds garantieren noch lange keine gute Rendite

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Der Bärenmarkt hat Garantiefonds in Mode kommen lassen. Bei genauer Hinsicht stellt sich aber die Frage, ob sie der Weisheit letzter Schluss sind.

          Bei jedem kräftigen Kurseinbruch am Aktienmarkt kommt ein neuer Schwung von Garantiefonds auf den Markt. Diese Investmentfonds bieten einerseits die Möglichkeit, an der Börse zu investieren und sichern dem Anleger darüber hinaus mindestens die Rückzahlung seines Kapitals zu, meist nach einer bestimmten Anzahl von Jahren. Diese Absicherung hat jedoch ihren Preis. Viele Anleger würden besser fahren, wenn sie ihre Investments zwischen einem Aktienfonds und einer Anleihe mit guter Bonität aufsplitten.

          "Der Fonds ist bestrebt, von günstigen Bedingungen am Aktienmarkt zu profitieren, während er gleichzeitig zumindest das investierte Kapital bewahrt", heißt es beispielsweise in der Beschreibung zu einem Garantiefonds, den ING Investments LLC auf den Markt gebracht hat. Das hört sich an wie der Heilige Gral der Finanzwelt - ein Investment, das steigen, aber nicht fallen kann!

          Der oberflächliche Glanz verblasst schnell

          Bei näherer Betrachtung verlieren diese Fonds allerdings eine Menge von ihrem Glanz. "Investoren sollten Versprechungen von Gewinn ohne Risiko skeptisch beurteilen" warnt der Fondsbeobachter Morningstar Inc. in Chicago. "Viele dieser Fonds sind in der Theorie attraktiver als in der Praxis." Zum einen sind die Kosten meist hoch. Zum anderen können Anleger den Vorteil der Garantie verlieren, wenn sie die Fondsanteile vor der vereinbarten Frist verkaufen. Und schließlich ist das Gewinnpotential dieser Fonds meistens geringer als bei vergleichbaren "normalen" Aktienfonds.

          Eigentlich ist ein Garantiefonds ein Investmentfonds mit einer Versicherungspolice. Dabei sollte sich der Anleger drei Fragen stellen: 1. Sollte ich diese Risiko überhaupt versichern? 2. Was für eine Prämie muss ich dafür zahlen? und 3. Gibt es andere sinnvolle Möglichkeiten, das angestrebte Ziel zu erreichen, ohne sich auf eine Garantie gegen Verluste festzulegen?

          Garantiefonds kann man auch selber basteln

          Ein "selbstgebastelter" Garantiefonds soll bei der Beantwortung dieser Fragen helfen. Dabei wird die zu investierende Summe zwischen einem Aktienfonds und einer Nullkupon- Anleihe aufgeteilt. Angenommen, ein Anleger will 100.000 Dollar investieren, um nach einer Laufzeit von zwölf Jahren seinem Kind ein Studium zu finanzieren. Gleichzeitig will er sicher sein, dass er nach Ablauf dieser Frist zumindest über die Summe von 100.000 Dollar verfügt.

          Bloomberg-Daten zufolge kann der Anleger eine Nullkupon- Anleihe der USA mit Fälligkeit 2014 erwerben. Für einen Nominalwert von 100.000 Dollar müsste er jetzt 58.000 Dollar zahlen. Bei einem Zerobond werden während der Laufzeit keine Zinsen gezahlt, sondern der Kurs der Anleihe steigt langsam, bis er zum Ende der Laufzeit dem Nominalwert entspricht.

          Ein Rechenbeispiel im Detail

          Unser Anleger investiert also zunächst 58.000 Dollar in US- Zero-Bonds. Die verbleibenden 42.000 Dollar kann er dann in einen Aktienfonds investieren, der ihm zusagt. Wenn der Wert der Fondsanteile bis 2014 auf 100.000 Dollar steigt, verfügt der Anleger über eine Summe von 200.000 Dollar. Diese Annahme ist gar nicht so unwahrscheinlich, entspricht sie doch einem jährlichen Wertzuwachs des Fonds von 7,6 Prozent.

          Sollte der Aktienfonds dagegen um 50 Prozent auf 21.000 Dollar einbrechen, sind nach Ablauf der Frist immerhin noch 121.000 Dollar vorhanden. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Fondsanteile ihren Wert vollständig verlieren, bleiben dem Anleger immer noch 100.000 Dollar aus dem Zero-Bond.

          Entscheidung vom Einzelfall abhängig

          Zugegeben, in diesem Beispiel sind Steuern, Gebühren und andere Kosten unberücksichtigt. Für Anleger, die nur einen relativ geringen Betrag investieren wollen, kann daher ein Garantiefonds trotz seiner Gebühren sinnvoll sein, angesichts der Bequemlichkeit und der Größenvorteile, die er bietet. Das ist eine Entscheidung, die von Fall zu Fall getroffen werden muss.

          Eine wichtige Frage bleibt dabei jedoch offen: Was ist so verführerisch an einer Garantie auf den nominalen Wert eines Investments? Damit ist vielleicht eine Gefahr ausgeschaltet, aber Unsicherheitsfaktoren wie die Inflation bleiben unberücksichtigt. Mit einer Aufteilung des Anlagekapitals auf eine Anleihe und einen ganz normalen Aktienfonds kann ein Anleger dieselben oder sogar bessere Resultate als mit einem Garantiefonds erreichen, ohne sich den mit diesen Fonds verbundenen Beschränkungen zu unterwerfen.

          Die Attraktivität der Garantiefonds beruht vor allem darauf, dass sie unsere Gefühle ansprechen. Sie sind praktisch mit einer Geld-zurück-Garantie ausgestattet. Aber wie viel ist diese Garantie wirklich wert?

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