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Fondsprodukte : Fondsanbieter reiten auf den Modewellen Dividendenrendite und Nebenwerte

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Bild: F.A.Z.

Das Geschäft mit Aktienfonds belebt sich wieder. Die Gesellschaften reagieren darauf mit der Auflage neuer Fonds. Die Postbank schießt dabei mit einem neuem Garantieprodukt über das Ziel hinaus.

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          Die große Kunst erfolgreicher Fondsanbieter besteht darin, mit dem richtigen Thema zur richtigen Zeit auf den Markt zu kommen. Als die Publikumsfondsgesellschaft der Deutschen Bank vor einem Jahr den DWS Top Dividende auflegte, lag das Geschäft mit Aktienfonds gerade am Boden. Die Baisse markierte ihren Tiefpunkt, und der Risikoappetit der Privatanleger schien auf längere Zeit gestillt.

          Doch genau in dieser Phase erwies sich der Top Dividende als Glücksgriff, weil sein Konzept so einfach wie in sich schlüssig ist: Die Fokussierung auf die Dividendenrendite als Anlagekriterium bringt angesichts der im Idealfall regelmäßigen Ausschüttungen sicheren Ertrag bei vergleichsweise niedrigen Kursschwankungen. Mit einem Zufluß von Anlegergeld in der Größenordnung von 957 Millionen Euro war der Top Dividende schließlich der erfolgreichste Aktienfonds des vergangenen Jahres.

          Hausse bei den Nebenwerten lockt mehr und mehr Fonds an

          Die Konkurrenz läßt so etwas nicht unberührt. Nach knapp einem Jahr hat nun auch die Adig, die Fondsgesellschaft der Commerzbank, dieses Thema für sich entdeckt. Der Adig Selection Dividende verfolgt ein ähnliches Konzept wie das DWS-Produkt. Beide sind sogar ähnlich gepreist. Damit erhöht sich das Angebot am Markt mit Produkten, die nach diesem Ansatz geführt werden, auf rund zehn Fonds. Das läßt künftig dann auch aussagekräftigere Vergleiche über die Leistungsfähigkeit dieser Themenfonds zu.

          Die DWS reitet unterdessen schon wieder auf einer neuen Modewelle. Dem Marktführer ist nicht entgangen, daß im Zuge der Kurserholung an den Aktienmärkten seit einem Jahr vor allem die Klein- und Nebenwerte eine atemberaubende Wertentwicklung hingelegt haben. Im vergangenen Monat näherte sich beispielsweise der Nebenwerteindex MDax sogar wieder seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2000 an. Und so wurde kürzlich der DWS Top 50 Smaller Stars in die bestehende Top-50-Aktienfondsfamilie als neues Mitglied aufgenommen.

          Das Fondsmanagement begibt sich bei diesem Produkt weltweit auf die Suche nach bis zu 50 vielversprechenden Werten aus der zweiten Reihe, die jedoch höchstens eine Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Euro auf die Waage bringen dürfen. Ausgabeaufschlag und jährliche Verwaltungsvergütung bewegen sich im Marktdurchschnitt.

          Dit lanciert mit werblicher Hilfe von Günter Netzer einen eher klassischen Aktienfonds

          Der Dit, die Publikumsfondsgesellschaft des Allianz-Dresdner-Konzerns, versucht derzeit, einen eher klassischen Aktienfonds bei den Privatanlegern zu plazieren. Der Top Selection Europa gilt zunächst einmal als ein Signal nach innen: daß "integrierter Finanzkonzern" nicht nur bedeutet, mit dem Pimco-Ansatz aus dem einstigen Hause Allianz einen Vertriebserfolg landen zu können, sondern daß dies auch mit der RCM aus dem Hause Dresdner Bank möglich sein sollte. Der neue Aktienfonds stützt sich nämlich auf das von RCM entwickelte sogenannte Graswurzel-Research. Diese Liebe zum Detail hat einst unter Spöttern zu der Redewendung geführt: „RCM, das sind doch die, die auf den Wal-Mart-Parkplätzen immer die Autos zählen - um zu prüfen, ob die von Wal-Mart behauptete Kundenfrequenz stimmt."

          Die 30 bis 50 in dem Portfolio zu findenden europäischen Werte laufen durch einen dreifachen Ausleseprozeß: Bilanzanalyse, Wettbewerbsanalyse, Managementanalyse. Was potentielle Kunden fragen lassen dürfte, ob man sich eine solche Sorgfalt nicht von jedem Aktienfondsmanagement erwarten dürfe. Die im Marktdurchschnitt hohe jährliche Verwaltungsgebühr von 1,75 Prozent läßt Spielraum für eine attraktive Provisionierung des Vertriebs. Zudem wird der Fonds derzeit intensiv mit der Dit-Galionsfigur Günter Netzer beworben. Das hat bisher noch jeder Produktneuheit aus dem Hause Dit zum Erfolg verholfen.

          Postbank-Angebot schießt über das Ziel hinaus

          Geschmackssache ist dagegen ein neuer Garantiefonds aus dem Hause Postbank. Dieser orientiert sich an einem Indexkorb aus 70 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen und 10 Prozent Rohstoffen. Senkt dieser Ansatz schon einmal die Beteiligung an Aktienkurssteigerungen, sorgt ein an sich erfreulicher garantierter Wertzuwachs von 10 Prozent bis zum Laufzeitende im Juni 2010 nur für zusätzliche Verwirrung. An diesem Punkt schießt vor allem die Vermarktung vollkommen über das Ziel hinaus.

          „Zehn Prozent Bonus - garantiert", heißt es in den Werbeunterlagen. Dabei wird jedoch nicht erwähnt, daß von diesem Wert schon einmal der Ausgabeaufschlag von 3,75 Prozent abgezogen werden muß. Bleibt ein garantierter Wertzuwachs von 6,25 Prozent, also rund ein Prozent jährlich. Das deckt derzeit noch nicht einmal die Inflationsrate von 1,1 Prozent. Ein garantierter Wertzuwachs, der von der Inflation aufgefressen wird, plus eine niedrige Partizipation an der Aktienmarktentwicklung ist eine alles andere als begeisternde Mischung.

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