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Fondsporträt : US-Aktienfonds behauptet einsame Performance-Spitze

  • -Aktualisiert am

Mit Vergnügen gegen den Strom: Bob Martorelli Bild: Merrill Lynch Investment Managers

Schlechte Zahlen gibt es alle Tage. Der Merrill Lynch U.S. Focused Value setzt auf unterbewertete Aktien und hängt damit den Wettbewerb ab.

          Seinen wohl größten Coup hat Robert Martorelli, First Vice President und Senior Portfolio Manager bei Merrill Lynch Investment Managers (MLIM), im Jahr 1999 gelandet: Binnen zwölf Monaten legte der von ihm gemanagte Merrill Lynch U.S. Focused Value A um 99,92 Prozent zu.

          „Der Ausverkauf an den Börsen gegen Ende 1998 hat uns erlaubt, Aktien zu lächerlich niedrigen Preisen zu kaufen“, sagt Martorelli. Die Angst vor der Asienkrise ging um, viele Investoren stießen ihre Technologiewerte undifferenziert ab. „Für uns als Value-Investoren“, so der Fondsmanager, „ist dies genau das Marktverhalten, aus dem wir Nutzen ziehen können.“ Halbleiteraktien und andere zyklische Titel brachten in der Folge enorme Profite.

          Spitzenplatz unter den US-Value-Fonds

          Martorellis Fünf-Sterne-Fonds auf US-Aktien ist in seinem Sektor dominant wie kein anderer: Er ließ den Wettbewerb auf Drei-Jahres- ebenso wie auf Fünf-Jahres-Sicht weit abgeschlagen hinter sich, mit einem Plus von 196 beziehungsweise 219 Prozent. Im Drei-Jahres-Vergleich schaffte es der Zweitplatzierte gerade einmal auf 78 Prozent. Selbst in den vergangenen zwölf Monaten machte der U.S. Focused Value rund vier Prozent Plus. Damit ist er, laut S&P-Statistik, einer von nur sechs Fonds seiner Kategorie, den der Kursrutsch an den Börsen nicht in die roten Zahlen drückte.

          Ein weiteres Boomjahr an der Börse ist allerdings nicht in Sicht, so dass dieser Erfolg vorerst wohl einmalig bleiben wird. Spätestens Ende 2002 wird die Konkurrenz zumindest im Drei-Jahres-Vergleich nachziehen können. Von der einsamen Spitze wird der U.S. Focused Value dann zurückfallen, wohl aber immer noch zu den Besten gehören: Um 13,22 Prozent legte der Fonds auch im Jahr 2000 zu, um immerhin 9,30 Prozent im Jahr 2001.

          Schwächelnde Firmen im Visier

          Die hohen Erträge verdanken sich einer Strategie, die dem Fondsmanager und seinem Team - „acht Analysten mit nahezu 100 Jahren Investmenterfahrung, darunter zwei Senior Portfolio Manager“ - manche schlaflose Nacht bereiten dürften. Die Bottom-Up-Experten investieren in Unternehmen „in schwacher finanzieller Verfassung oder in solche, die zeitweise schlechte operative Ergebnisse erzielen.“ Natürlich finden auch Value-Aspekte Eingang in die Investmententscheidungen.

          Dennoch: Ein Blick auf das aktuelle Portfolio hinterlässt einen gemischten Eindruck: Hier finden sich unter anderem der verlustreiche Netzwerkausrüster 3Com, die Investmentbank J.P. Morgan Chase mit ihren problematischen Kreditengagements sowie der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media, dessen Kabelnetzpläne für Deutschland gerade an den Kartellbehörden gescheitert sind. Doch „Bob“, wie Martorelli auf der Homepage von MLIM genannt wird, scheint mit einigem Vergnügen gegen den Strom zu schwimmen: „Das Vertrauen auf den Konsens ist manchmal ein Hindernis für das Erkennen einer guten Gelegenheit.“

          Der Stratege, dessen sechs Jahre alter Fonds rund 270 Millionen Dollar verwaltet, bestellt derzeit ein reiches Feld: Die Zahl schwächelnder Unternehmen ist so groß wie kaum je zuvor. Zumal auch er, wie viele andere, auf die wirtschaftliche Erholung setzt: „Wir haben unser Portfolio bereits seit einiger Zeit auf den Aufschwung ausgerichtet. So sind auch die guten Ergebnisse des Jahres 2001 zu erklären.“ Zyklische Industrien wie Papier, Medien und Automobil hält Martorelli nach wie vor übergewichtet, auch Technologieaktien, vor allem im PC-Sektor, repräsentieren einen großen Anteil im Portfolio.

          Allerdings scheinen die günstigen Gelegenheiten schon wieder knapp geworden zu sein: Größere Mittelzuflüsse im Dezember und Januar hatten die Cash-Quote auf zwischenzeitlich rund 15 Prozent angehoben. „Es gab einfach nicht genug Aktien mit extrem niedrigen Bewertungen“, so Martorelli. Doch „Bob“ arbeitet daran: Schlechte Zahlen gibt es alle Tage, aktuell liegt die Quote bei nur noch zehn Prozent.

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