https://www.faz.net/-gv6-pym7

Fondsperformance : Risikobereinigt können nur wenige Aktienfonds brillieren

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Betrachtet man die Renditeentwicklung in den vergangenen fünf Jahren nach Risiko, so haben sich Rentenfonds gut geschlagen. Immobilien- und Aktienfonds tauchen nur vereinzelt vorne auf. Das heißt: Sorgfältige Selektion ist Trumpf.

          2 Min.

          Fonds seien die idealen Produkte für den „kleinen Mann“, um sein Geld kostengünstig anzulegen und bei vertretbaren Risiken zumindest langfristig eine interessante Rendite erzielen zu können. Langfristig seien vor allem Aktienfonds interessant, da sie eine höhere Rendite erbringen würden als viele andere Anlageformen. Solche Argumente klingen schlüssig und werden in der Regel mit eindrucksvollen Graphiken unterlegt, die die Aussage eindrucksvoll belegen.

          Allerdings dürfte auch hier gelten, daß werbende Worte nicht unbedingt für bare Münze genommen werden sollten. Zumindest ein „analytischer Blick“ auf Entwicklung der in Deutschland zugelassen Fonds in den vergangenen fünf Jahren spricht nicht unbedingt für Aktienfonds. Zumindest nicht in ihrer vollen Breite.

          Aktienfonds können nur vereinzelt mitalten

          Denn auf risikobereinigter Basis, gemessen an der Sharpe Ratio, haben Renten- und Immobilienfonds deutlich besser abgeschlossen als viele der bekannten Aktien-Standardfonds. Die so genannte Sharpe Ratio setzt dabei die erzielte Rendite mit der Volatilität und damit dem Risiko der Entwicklung ins Verhältnis. Das heißt, eine überdurchschnittliche Rendite ist nur dann wirklich interessant, wenn sie nicht über überproportionale Risiken „erkauft“ werden mußte.

          Bild: FAZ.NET

          Setzt man eine Mindestrendite von fünf Prozent und gewichtet sie gleichzeitig mit der Volatilität, so wird die Fünf-Jahresrangliste angeführt vom SEB Immoinvest, gefolgt von einer langen Reihe von Renten-, Genußschein- und Mischfonds. Die Aktienfonds die mithalten können, lassen sich beinahe an einer Hand abzählen. Dazu zählen unter anderem der DWS Zuerich Invest Aktien Europa Select und der Europa Aktienfonds Ulm von First Private Investment Management in Frankfurt.

          Aus dieser Beobachtung und den Ereignissen der vergangenen Jahre und der jüngeren Vergangenheit lassen sich verschiedene Schlußfolgerungen ziehen. Erstens sind pauschale „Verkaufsargumente“ für Aktienfonds nicht sonderlich hilfreich. Denn wer nicht den richtigen Einzelfonds erwischt hat, dürfte für eine mittelmäßige oder gar unterdurchschnittliche Wertentwicklung überproportionale Risiken eingegangen sein und eingehen. Fakt ist, daß viele Fondsmanager den breiten Markt nicht schlagen können und bestenfalls durchschnittlich abschneiden. Es ist überhaupt nicht sinnvoll, sich mit solcher „Durchschnittsware“ überhaupt zu beschäftigen. Denn die logische Alternative sind kostengünstige, jederzeit und ohne Ausgabeaufschläge handelbare Indexfonds. Die sind garantiert nie schlechter als der Markt, denn sie sind der Markt.

          Auswahl der Einzelfonds überaus wichtig

          Die zweite Schlußfolgerung ist, daß Rentenfonds zumindest ein Zeiten fallender Zinsen überaus attraktiv sein können. Denn die Papiere erwirtschaften über die Kupons ständige Mittelzuflüsse, können gleichzeitig mit steigenden Kursen aufwarten und schwanken in ihrem Wert deutlich weniger stark als Aktien. Zusammengenommen gibt das in diesem Umfeld ein attraktives Bild. Das positive Bild trübt sich allerdings ein, wenn die Zinsen tief sind und voraussichtlich steigen werden. Denn dann sind die Kupons vergleichsweise tief und Kursgewinne lassen sich kaum noch realisieren. Das heißt, das Risiko der Rentenpapiere bleibt bei der Wahl solider Schuldner zwar relativ tief, allerdings auch der Ertrag.

          Die dritte Schlußfolgerung ist, daß Immobilienfonds ebenfalls interessant sein können. Angesichts der jüngsten Bestechungsskandale in diesem Segment und angesichts der starken Unterschiede bei der Wertentwicklung von Aktienfonds dürfte die sorgfältige Auswahl der Einzelfonds entscheidend sein. Dabei könnten solche Produkte interessant sein, die schon lange am Markt sind und in dieser Zeit - vor allem auch in den schwierigen Phasen - besser als der Markt abgeschnitten haben. Mit Durchschnittsprodukten sollte man sich erst gar nicht beschäftigen, sondern gleich auf Indexfonds setzen. Sei es bei Aktien- oder auch bei Rentenfonds.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahlplakate in Berlin

          Nach der Wahl : Was spricht für welche Koalition?

          Wo sind Brücken, wo sind Hindernisse in den bevorstehenden Sondierungen? Ampel und Jamaika liegen gar nicht so weit auseinander. Insofern gilt: Grüne und FDP suchen sich den Kanzler.
          Urbanes Gärtnern auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

          Wege aus der Wohnungskrise : Bullerbü statt Babylon?

          Der grüne Traum vom innerstädtischen Blühstreifen begeistert die Wohlhabenden in Prenzlauer Berg. Was ist aber mit Marzahn oder Hellersdorf? Bei der Wahl, nicht nur in Berlin, geht es darum, wie wir wohnen werden.
          Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl.

          Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

          In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.