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Fondsperformance : "Laster" werden nicht belohnt

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Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Rüstung sind „rezessionsfeste“ Branchen, sagte sich Mutual.com während der Baisse und legte einen passenden Fonds auf. Bisher hat es sich nicht ausgezahlt, der Markt war besser.

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          Während der Baisse begaben sich viele Anleger angesichts der Kursverluste an den Börsen auf die Suche nach alternativen Anlagemethoden und -strategien, in denen auch in Krisenzeiten gutes Geld zu verdienen ist. Manche mögen bei Hedge Fonds gelandet sein, andere konzentrierten sich darauf, was auch in schlechten Zeiten läuft: nämlich Alkohol, Spielsucht, das Rauchen und Ähnliches.

          Auf diese Idee kamen auch die Manager der amerikanischen Fondsgesellschaft Mutuals.com, die im September des vergangenen Jahres ihren „Vice Fund“, also zu deutsch ihren „Lasterfonds“ auflegten. Casino-, Tabak-, Alkohol- und Rüstungsaktien sind zwar nicht gerade politisch korrekt. Aber, so warb Mutuals, „solche und ähnliche Branchen und Produkte werden während guter und schlechter Zeiten an der Börse signifikante Wertsteigerungen erleben.“ Mit einem Wort, sie seien „rezessionsfest“.

          Positive Wertentwicklung ...

          Intuitiv klingt diese Argumentation logisch, hat doch wohl jeder seine kleinen Vorlieben, von denen er selbst in Zeiten der größten Krise nicht gerne lassen möchte. Und auf den ersten Blick scheint die Rechnung bisher aufgegangen zu sein. Denn der Fonds hat bis zum Stichtag 31.8.03 seit seinem Start immerhin 7,44 Prozent an Wert gewonnen, seit Jahresbeginn sogar 14,3 Prozent und auf Sicht von sechs Monaten sogar knapp 28 Prozent.

          Das hört sich nicht schlecht an, allerdings hat beispielsweise der S&P 500-Index besser abgeschnitten. Seit Jahresbeginn legte er bis Ende August knapp 20 Prozent zu und schnitt damit deutlich besser ab. Und das, obwohl einzelne Werte des Portfolios auf einem Allzeithoch liegen. Das könnte beispielsweise damit zusammenhängen, daß die Börsen in den vergangenen Monaten vor allem von Technologiewerten nach oben gezogen wurden. Dagegen ist das Portfolio des „Vice Funds“ auf diesem Auge ziemlich blind. Denn es besteht zu knapp 28 Prozent aus Aktien der Spielebranche, zu 24,4 Prozent aus Werten der Verteidigungsindustrie, zu 22,5 Prozent aus „Alkoholaktien“ und zu knapp 17 Prozent aus Tabakwerten.

          ... allerdings schlechter als der Markt

          Die größten Positionen sind Aktien von Multimedia Games, der Altria Group, L-3 Communications, Shuffle Master, Anheuser-Busch, Constellation Brands, United Technologies, British American Tobacco, Northrop Grumman und Harrah's Entertainment mit Portfolioanteilen zwischen knapp fünf und 3,47 Prozent.

          Die entscheidende Frage dürfte sein, ob das gewählte Portfolio in schwachen Börsenphasen deutlich besser abschneiden könnte als der Markt. Denn es müßte in solchen Perioden das mehr als aufholen, was der Anleger in steigenden Märkten verpasst. Sonst lohnt sich die ganze Übung nicht. In diesem Sinne lautet die Kernfrage, ob der „Lasterfonds“ mehr ist als ein Marktetinggag für die relativ unbekannte Fondsgesellschaft. Bisher lautet die Antwort jedenfalls „eher nein“. Denn mit einem billigen Indexfonds wäre man besser gefahren. Und diese Aussage dürfte auch für viele andere „brillante Ideen“ der Fondsgesellschaften gelten.

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