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Fondsmarkt : Technologiefonds - „auf Hochtouren“?

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„In Amerika und Asien läuft die Wirtschaft bereits wieder rund - und der Branchenfonds Deka Technologie profitiert davon besonders“ - meint die Deka-Bank. Allerdings wirft dieses Eigenlob einige Fragen auf. Und erzeugt Stirnrunzeln.

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          Fondsgesellschaften stehen in einem harten Wettbewerb. Zum einen buhlen sie mit Mitbewerbern um die Spargroschen der anlagewilligen Kundschaft. Zum zweiten müssen sie Privatanleger, die sich nur ungern an die Baisse der Aktienmärkte und die damit verbundenen erheblichen Verluste erinnern, zurückgewinnen. Indem sie diese von ihren Produkten zu überzeugen versuchen. Dies geschieht mit mehr oder weniger blumiger Werbung im Fernsehen - und, seriöser daherkommend, im Magazinen für die Fondssparer, wie es etwa die Deka-Bank pflegt. Diese Fondsgesellschaft ist als Partner der Sparkassen ein großer Spieler in der Branche, weshalb viele ihrer Fonds sogenannte „Dickschiffe“ mit hunderten Millionen Euro sind.

          In ihrem neuen „Fonds Magazin“ wirbt die Deka-Bank unter der Überschrift „Auf Hochtouren“ für ihre Technologie-Fonds. Der Aufgalopp des Artikels ist mächtig: „Wie ein gewaltiges Schwungrad treibt der globale Konjunkturaufschwung derzeit die Technologiebranche an: Die Nachfrage nach Halbleitern, Computern und Internet-Dienstleistungen ist kräftig gestiegen, die Umsatzzahlen und die Gewinne klettern und haben auch den Aktien schon beeindruckende Kursgewinne beschwert.“ Besonders der Schlußteil des Satzes läßt gewiß viele Leser aufmerken. „Beeindruckende Kursgewinne“ - wer hätte die nicht gerne?

          Kursgewinn auf den zweiten Blick wenig beeindruckend

          Und weiter im Text: „Das überdurchschnittliche Gewinnwachstum vieler Unternehmen ist für Mario Adorf, Fondsmanager bei der Deka Investment, einer der Hauptgründe für den aktuellen Aufwärtstrend. Das wieder erwachte Interesse der Investoren hat die Kurse vieler Aktien in die Höhe getrieben. Entsprechend gewann der Deka Technologie seit Beginn der Aufschwungphase Mitte März des vorigen Jahres mehr als ein Drittel an Wert.“ Auch das klingt gut. Auf den ersten Blick. Gleiches gilt für den Chart, der dem Artikel zugeordnet ist.

          Doch auf den zweiten Blick sieht es anders aus. Denn der Chart beginnt erst im Januar 2003 - und zeigt nicht den dramatischen Kursverfall seit Herbst 2000 bis März 2003. Zudem nimmt sich der seitdem verzeichnete Kursgewinn nicht so prächtig aus, wenn dieser mit der Performance des TecDax im gleichen Zeitraum verglichen wird.

          Anleger hat mit TecDax-Indexfonds deutlich mehr verdient

          Aktuell kommt der Deka Technologie CF auf einen Kursgewinn von 33,3 Prozent seit dem Märztief des vergangenen Jahres. Bei einem Kurswert von 11,19 Euro liegt er aber Lichtjahre vom einstigen Spitzenwert 51,20 Euro entfernt. Auch der TecDax sieht historische Kurshöhen nur aus riesiger Entfernung. Doch hat er sich seit dem Märztief um 86 Prozent verbessert. Davon profitiert haben Anleger, die den Indexfonds TecDax ex von Indexchange erworben haben.

          Dieser sogenannte Exchange Traded Fund hat den Vorteil, anders als der Deka Technologie CF und ähnliche Aktienfonds ohne Ausgabeaufschlag daherzukommen und zudem günstigere Verwaltungsgebühren zu bieten. Das mögliche Argument, der Deka Technologie sei mit dem TecDax ex nicht ganz vergleichbar, weil er international aufgestellt sei statt nur den TecDax abzubilden, ist zwar korrekt. Doch für den TecDax ex sprechen eben Wertentwicklung und die vergleichsweise niedrigeren Gebühren.

          Fonds-Schwergewichte Microsoft und IBM schwach

          Nun verschweigt das „Fonds Magazin“ nicht den Einbruch am Neuen Markt und den Wertverlust bei Technologieaktien bis März 2003. Im Gegenteil gibt sie zu, daß diese Entwicklung auch Spuren in der Performance von Branchenfonds hinterlassen haben. Doch der Hinweis, vor diesem Hintergrund focussiere sich der Deka Technologie auf „Qualitätstitel, wie etwa Software-Gigant Microsoft“ - dieser Hinweis ist zweischneidig. Denn Microsoft hat sich an der Börse kaum entwickelt. Der Kursgewinn auf Jahressicht beträgt nicht einmal zehn Prozent. Weniger als neun Prozent hat mit IBM ein weiteres Schwergewicht in diesem Fonds gebracht, Nokia hat sogar gut 18 Prozent eingebüßt. Warum sollte ein Anleger solche Aktien kaufen, wenn es einträglichere gibt? Andererseits liegt das Fondsmanagement gut mit Intel (plus 31,5 Prozent) und Cisco Systems (plus 33 Prozent).

          Recht hat das „Fonds Magazin“ mit dem Hinweis, der Deka Technologie habe insbesondere im Vergleich mit Mitbewerbern eine erfreuliche Wertentwicklung zu bieten. Ein Blick auf die Tabelle mit den Fonds der Deka-Bank zeigt indes, daß gut 20 Aktien- und Rentenfonds sich binnen Jahresfrist besser entwickelt haben als der Deka Technologie. Angesichts dessen und der hohen Schwankungsbreiten bei Technologieaktien sollten sich Anleger gut überlegen, ob sie Technologiefonds überhaupt brauchen.

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