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Fondsmarkt : Schwellenländer-Fonds profitieren vom Afrika-Boom

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Die WM bringt Afrika auch Anlegern näher Bild: dpa

Mit der Fußball-WM entdecken auch Anleger ein anderes Afrika, einen Kontinent, der wirtschaftlich aufstrebt und der eine wachsende Mittelschicht herausbildet. Immer mehr Fondsmanager setzen auf Aktien von Unternehmen, die davon profitieren.

          Graham French investiert gerne außerhalb der Trampelpfade. "3,5 Milliarden Menschen auf der Welt können gerade einmal ihre einfachsten Grundbedürfnisse abdecken", sagt der Fondsmanager, der rund 5,5 Milliarden Euro im M&G Global Basic Fund verwaltet. Doch anders als viele Entwicklungshelfer sieht French in dieser Gruppe die Konsumenten von morgen. "Diese Menschen fragen vermehrt Nahrungsmittel, Infrastruktur, Häuser und Rohstoffe nach", sagt French und sucht für seinen Aktienfonds Unternehmen, die diese Grundbedürfnisse abdecken.

          Auf der Suche nach interessanten Werten wird er immer öfter auf Titel aufmerksam, die ihren Absatzmarkt in Afrika sehen. Mit der Fußball-WM entdecken auch viele Anleger ein anderes Afrika, einen Kontinent, der wirtschaftlich aufstrebt und der eine breiter werdende Mittelschicht herausbildet.

          Die Armut in Afrika geht auffallend rasch zurück

          "Die Armut in Afrika geht zurück, und zwar auffallend rasch", lautet das Fazit einer Studie der beiden Ökonomen Maxim Pinkovskiy und Xavier Sala-i-Martin vom Januar dieses Jahres. "Das rasche Wachstum, das 1995 einsetzte, reduzierte auch die Ungleichheit, anstatt sie zu vergrößern." Sogar die politische Unsicherheit auf dem Kontinent nimmt ab, stellte die OECD in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht über Afrika fest. Demnach gingen die Vorfälle aufgrund innenpolitischer Konflikte und Spannungen zwischen 2004 und 2008 um ein Drittel zurück.

          Immer mehr Anleger wollen an diesem Wachstum teilhaben. Doch längst nicht nur ausgewiesene Afrika-Fonds sind auf dem Kontinent unterwegs. Viele Fondsmanager, die den Schwerpunkt allgemein auf Schwellenländer legen, investieren einen Teil des Kapitals in Wachstumswerte südlich der Sahara. So legte der Threadneedle (Lux) Global Emerging Markets Equities zuletzt rund 7,5 Prozent des Fondsvermögens in Afrika an.

          Zu den Favoriten, in die French für den Global Basic Fund investiert hat, zählt PZ Cussons. Das Unternehmen stellt die in Afrika populäre Seifenmarke "Premier", Rasiercremes und Schönheitsprodukte her. 1879 gründeten George Paterson und George Zochonis das Unternehmen in Sierra Leone, zogen jedoch bald darauf nach Nigeria, wo PZ Cussons heute einer der führenden Konzerne des Landes ist. Das an der Börse London gelistete Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 838 Millionen Pfund (gut 1 Milliarde Euro) und einen Gewinn von 288 Millionen Pfund. Von solchen Umsatzrenditen träumen viele Unternehmensvorstände in Europa.

          Aktien mit Afrika-Phantasie finden sich auch außerhalb des Kontinents. So setzt Frenchs Kollege George Tsinonis, der den Fonds M&G Global Dynamic Allocation verwaltet, auf die Aktie des indischen Kosmetikherstellers Godrej Consumer Products. Godrej hatte im April 2008 das Unternehmen Kinky World of Hair in Südafrika übernommen. Das hat dem Kurs der an der Börse Mumbai (Bombay) gehandelten Aktie einen Schub gegeben. Seit Jahresanfang hat der Titel um 31 Prozent zugelegt.

          Produkte, nach denen Millionen afrikanischer Frauen verrückt sind

          Kinky Hair stellt die Produkte her, nach denen Millionen afrikanischer Frauen verrückt sind: Perücken und Strähnen für die Haarverlängerung. Vor allem Frauen aus der Mittelschicht verlangen nach Frisuren aus teurem, echten Menschenhaar. Und das können besonders gut indische Frauen liefern, deren Haar wie bei Afrikanerinnen schwarz, doch gleichzeitig glatt ist. So profitiert Godrej vom Wirtschaftsboom südlich der Sahara.

          Auch das französische Handelsunternehmen CFAO nimmt am Aufschwung in Afrika teil. Die Gesellschaft, deren Aktie an der Börse Paris gehandelt wird, ist der größte Exporteur von Autos auf den Kontinent. Außerdem handelt der Konzern mit Medikamenten, Konsumgütern und Maschinen. So profitieren der deutsche Maschinenbau und die Automobilhersteller laut Afrika-Verein besonders stark vom Aufschwung in Afrika. Doch den Handel wickelt zum großen Teil CFAO ab. Einen Umsatz von knapp 2,6 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 216 Millionen Euro meldete CFAO für das vergangene Jahr. Dennoch hat die Aktie stark verloren. Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. Der Titel kam erst im Dezember 2009 an die Börse, und von neun Analysten, die CFAO beobachten, raten fünf zum Kauf und drei zum Halten, während nur einer einen Verkauf empfiehlt.

          Allerdings fällt es vielen Anlegern schwer, auf diesen Märkten zu investieren. Die Börsen in Nigeria, Ghana oder Kenia sind kaum zugänglich, ganz abgesehen vom Risiko, auf eigene Faust Titel vor Ort auszuwählen. Eine Reihe Aktienfonds wie der DWS Invest Africa, der BB African Opportunities der Schweizer Fondsboutique Bellevue Asset Management oder der Silk African Lions sind auf die Aktienmärkte südlich der Sahara spezialisiert. Doch nicht alle haben das Geld der Anleger vermehrt. So ist der Magna Africa von Charlemagne Capital in den vergangenen zwei Jahren schwächer als sein Referenzindex, der Aktienindex S&P Pan Africa, geblieben. Schwellenländer-Fonds dagegen streuen meist breiter und senken so ein wenig das Risiko.

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