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Fondsmarkt : Mit "Super-Fonds" werden Fondsmanager flexibler

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ

Auch in Deutschland werden Fonds vom Gesetz nicht mehr nach verschiedenen Klassen unterschieden, sondern es sind gemischte Dach-, Wertpapier-, Geldmarkt- und Derivatefonds möglich. Fondsmanager haben mehr Handlungsspielraum.

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          Wir leben in einer Zeit der Superlative. Alles muß schneller, höher, weiter werden, noch besser und noch anspruchsvoller. Wen wundert es da, daß auch die um Superlative selten verlegene Fondsbranche gerne mit dem Wort "super" haussieren geht?

          Immerhin wird seit diesem Jahr auch auf deutschem Boden endlich ein Super-Fonds angeboten, nämlich der sogenannte Super-OGAW. OGAW steht dabei für "Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren", und ein Super-OGAW ist ein Fonds, der entgegen der bisherigen deutschen Gewohnheiten in fast alles investieren kann, was Rendite bringt.

          Super-Fonds dürf en beinahe alle „Anlageregister“ ziehen

          Was im Ausland schon seit langem möglich ist, ist jetzt auch in Deutschland erlaubt: Fonds werden vom Gesetz nicht mehr nach verschiedenen Klassen unterschieden, sondern es sind gemischte Dach-, Wertpapier-, Geldmarkt- und Derivatefonds möglich. Diese Fonds dürfen dann in wesentlich mehr Instrumente investieren als die bisherigen Fonds nach deutschem Recht. Und da dann die bisher in Deutschland üblichen Fondsklassifizierungen entfallen und nur noch die zulässigen Anlageinstrumente im Gesetz benannt werden, kann ein neuer Investmentfonds auch aus einer Mischung aller zulässigen Anlageformen bestehen. Anders als im bisher geltenden deutschen Recht können dann beispielsweise gemischte Fonds aufgelegt werden, die neben Aktien und Renten auch Fondsanteile über fünf Prozent hinaus halten dürfen. Zudem können sie Derivate nutzen und so den Investitionsgrad des Fonds auf bis zu 200 Prozent anheben.

          Klingt doch super, so ein Super-Fonds - allein, die meisten Gesellschaften zieren sich bisher, ihren Kunden ein solches Produkt auch anzubieten. "Solche Produkte lassen sich nicht vom Reißbrett weg verkaufen", meint Ralf Freiherr von Ziegesar von der Fondsgesellschaft Veritas. Er sieht einen Haken am Super-Konzept vor allem im Vertrieb: Ein Super-Fonds, der alles könne und dürfe, lasse sich nur schwerlich beim durchschnittlichen Kunden verkaufen. Der Erklärungsbedarf sei extrem hoch. Zudem wisse der Berater ohne eine entsprechende Kategorisierung auch nicht, für welche Zielgruppe ein solcher Fonds geeignet wäre.

          Nicht einfach zu vermarkten

          Viele Branchenkenner geben Ziegesar recht: Wer einen Fonds verkaufen wolle, der alles dürfe - ob es der Fondsmanager kann, steht auf einem anderen Blatt -, mute dem Kunden im Extremfall zu, sein Geld in ein schwarzes Loch zu werfen und sich davon überraschen zu lassen, was dann am Ende des Tages herauskommen werde. Insofern sei das "Super" in "Super-OGAW" eher eine Marketing-Geschichte als ein Investment-Konzept. Und wer die Funktionsmechanismen des Marketing kennt, der wundert sich, daß nicht schon der Super-Super-OGAW ausgerufen wurde, denn den gibt es nämlich auch: Das deutsche Investmentrecht erlaubt jetzt den Fondsmanagern sogar, Hedge Fonds oder Immobilienfonds-Anteile beizumischen - allerdings um den Preis, daß es mit der Zulassung des Fonds im Ausland etwas schwieriger wird. Schneller, höher, weiter - Deutschlands Fonds werden also noch flexibler, noch leistungsfähiger?

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