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Fondsmarkt : Fonds im Wettstreit mit Zertifikaten

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Bild: FAZ

In der Fondsbranche dürfte man dieser Tage etwas unruhig sein. Denn es zeichnet sich ab, daß die Dynamik des Neugeschäfts nachläßt - und sofort setzt die Suche nach den Gründen ein. Der Blick fällt dabei auf Zertifikate.

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          Auch in der Finanzbranche ist es gute Tradition, in diesen Tagen eine Bilanz des ersten Halbjahres zu ziehen. Was die Fondsbranche angeht, so wird man etwas unruhig sein, denn es zeichnet sich ab, daß die Dynamik des Neugeschäfts nachläßt - und sofort setzt die Suche nach den Gründen ein. Eine Ursache sehen Branchenvertretern in der zunehmenden Konkurrenz der Zertifikatebranche, die ihre Produkte gerne als preiswerte Alternative zu Investmentfonds preist.

          Sind Zertifikate denn wirklich eine preiswerte Alternative zu Fonds? Nicht notwendigerweise, meint der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), die Interessenvertretung der deutschen Fondsbranche. "Wenn offenbar die Emittenten und Vertriebe so starke Volumina in Zertifikaten emittieren, spricht wohl vieles dafür, daß die Beteiligten damit mehr Geld verdienen als mit Fonds", meint Andreas Fink vom BVI. "Die Banken generieren bei der Konstruktion von Zertifikaten erhebliche Erträge: Studien haben gezeigt, daß strukturierte Aktienprodukte rund 3,2 Prozent mehr kosten als entsprechende Nachbildungsstrategien, bei manchen Produkten sind es sogar bis zu 5,4 Prozent", meint er.

          Zertifikate geben Dividenden oftmals nicht weiter

          Diese stillen Prämien seien für den Käufer nicht zu erkennen und auch nicht nachvollziehbar - hier könne der Emittent munter an der Gebührenschraube drehen. Weitere Kostenelemente eines Zertifikates sind die oftmals vom Emittenten einbehaltenen Dividenden; bei einer Dividendenrendite beispielsweise beim Stoxx 50-Index von derzeit mehr als drei Prozent ist das ein Posten, den man nicht vernachlässigen sollte.

          Noch bedenklicher wird es in den Augen der Fondsbranche, wenn man über die Preisbildung bei Zertifikaten redet. Bei Fonds ist das einfach: Die Vermögenswerte des Fonds werden zu aktuellen Marktpreisen bewertet - fertig. Bei Zertifikaten hingegen, sagt Fink, hätten Studien gezeigt, daß die Preise der Zertifikate oftmals bei Auflegung - wenn also die Kunden diese Produkte kaufen - über ihrem fairen Wert liegen, gegen Ende der Laufzeit, wenn die Kunden verkaufen, aber unter dem fairen Wert. Das muß nun nicht notwendigerweise eine Verschwörung sein, doch zumindest muß man sich an der Preisgestaltung der Zertifikate insofern stören, als daß die Preise in der Regel hauptsächlich vom Emittenten selbst gestellt werden, der als sogenannter Market Maker fungiert und damit für sein eigenes Produkt seine eigenen Preise feststellt. Bei standardisierten, gut vergleichbaren Produkten wie einfachen Index-Zertifikaten ist das weniger ein Problem. Hier kommt noch eher ein liquider Handel zustande, aber in spezielleren Themenzertifikaten liegt die Preishoheit in der Regel beim Emittenten - das kann sinnlich machen.

          Preisfindung bei Zertifikaten gerügt

          Die Rolle der Emittenten bei der Preisfindung gibt der Fondsbranche noch zu einem anderen Kritikpunkt Anlaß: Eine weitere Möglichkeit, Gebühren zu generieren besteht darin, die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, den sogenannten Spread, möglichst weit zu stellen - diese geht dann aus den Taschen des Anlegers in die Taschen des Market Makers. Bei den großen, standardisierten Zertifikaten ist diese Differenz recht gering, in den exotischeren Produkten kommen da aber rasch Spannen von teilweise zwei Prozent zustande.

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