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Fondsmarkt : „DWS Go“ - risikominimiertes Zertifikate-Investment

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Bild: FAZ

Der Zertifikatemarkt in Deutschland boomt. Anleger gehen mit dem Kauf solcher Produkte Emittentenrisiken ein. Mit „DWS Go“ bietet die bekannte Fondsgesellschaft eine Struktur, mit der es zumindest reduziert wird.

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          Unter einer Revolution stellt man sich eine lautstarke, oft waffenklirrende Veranstaltung vor, die aufgrund ihrer Lautstärke und Radikalität klarmacht, daß die bisherigen Wahrheiten ausgedient haben. Daß eine Revolution nicht immer so vonstatten gehen muß, hat die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, vorgeführt: Klammheimlich schickt sich die Gesellschaft an, ein neues Kapitel in der Geschichte der Fondsbranche aufzuschlagen - ohne revolutions- und branchentypischen Krawall.

          "DWS Go" nennt sich das Produkt, mit dem die DWS in die Öffentlichkeit gegangen ist - wobei "Produkt" nicht das richtige Wort ist. Hinter dem Produkt verbirgt sich eine Gesellschaft mit einer neuen Philosophie. Die DWS Go ist eine Gesellschaft, die Zertifikate anbieten wird - eine neue Generation von Zertifikaten. Vereinfacht gesagt, funktioniert das so: Die DWS Go sammelt Geld von Kunden ein und legt dieses in separate Körbe, sogenannte Compartements, wobei für jedes Zertifikat ein eigenes Compartement angelegt wird.

          Zertifikateinvestment mit reduziertem Emittentenrisiko

          Das Geld wird nicht direkt in die den Zertifikaten zugrundeliegenden Vermögenswerte investiert, sondern in einen Swap. Dieser Swap ist eine Art Tausch: Die DWS Go gibt einer Bank die im Zertifikat eingesammelten Mittel und erhält von der Bank das Versprechen, Zahlungen zu erhalten, die der Wertentwicklung des dem Zertifikat zugrundeliegenden Vermögenswertes entsprechen. Damit ist die Bank dafür verantwortlich, daß der Käufer des Zertifikats den Gegenwert für sein Zertifikat erhält.

          Diese kunstvolle Konstruktion hat zwei Vorteile: Zum einen wird damit das sogenannte Emittentenrisiko, das Zertifikaten innewohnt, minimiert. Da jedes Zertifikat in einem eigenen Korb liegt, haben Katastrophen in anderen Körben keine negativen Konsequenzen auf das einzelne Zertifikat. Bei gewöhnlichen Zertifikaten, die Banken begeben, ist das anders: Wird die Bank insolvent, so stehen alle Zertifikate der Bank als Inhaberschuldverschreibungen im Feuer. In der DWS-Konstruktion liegt das Risiko für den Zertifikatekäufer darin, daß die Bank, die den Swap stellt, insolvent wird. Um dieses Risiko zu reduzieren, muß die Bank im DWS-Konstrukt ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Zertifikatekäufern mit Staatsanleihen oder anderen sicheren Vermögenswerten als Pfand unterlegen, wenn sie bestimmte Bonitätsschwellen unterschreitet. Sinkt also die Bonität der Bank und steigt die Gefahr, daß diese nicht mehr für den Swap einstehen kann, so muß sie ein Pfand hinterlegen. Das reduziert das Risiko des Emittentenausfalls deutlich.

          Zunehmende Vielfalt an Vermögensverwaltungsprodukten - höhere Komplexität

          So gewieft die Konstruktion ist - was hat das mit einer Gesellschaft zu tun, die doch eigentlich bei ihrem Fondsleisten bleiben sollte? Daß die DWS nun Zertifikateanbieter wird, ist nicht die eigentliche Nachricht. Die Intention der Fondsgesellschaft ist eine andere: Sie will ihre Kernkompetenz - aktives Portfoliomanagement - nicht nur in Fonds, sondern auch in einer anderen Verpackung, in einem Zertifikat, anbieten. Dabei kann man - dank der Zertifikatestruktur - die Leistungen der DWS, also ihre Fonds, mit zusätzlichen Merkmalen versehen: Garantien, Hebel, Preisnachlässe, Verlustpuffer. Was immer die Derivatewelt an Konstruktionen bietet, kann die DWS nun auch auf ihre Fondsprodukte anwenden und als Zertifikat anbieten. Zudem kann die Gesellschaft damit in Zukunft auch Portfolios anbieten, die sich als Fonds nicht lohnen: Ein aktiv verwaltetes Portfolio auf thailändische oder indonesische Aktien beispielsweise, das sich aufgrund des geringen Volumens als Fonds nicht rechnen würde, kann über die DWS Go als Zertifikat begeben werden.

          Das ist sie also, die Revolution: Deutschlands größte Fondsgesellschaft beginnt, ihre Kernleistung, das aktive Portfoliomanagement, in anderen Verpackungen als in Fonds anzubieten. Für den Anleger bedeutet das eine zusätzliche Vielfalt mit Vermögensverwaltungsprodukten mit vielen teilweise exotischen Zusatzoptionen, also eine Bereicherung des Investmenthorizonts, aber auch eine zunehmende Komplexität der Investmentwelt - denn je größer und vielfältiger die Auswahl wird, um so schwieriger wird es auch für den Anleger, unter der Fülle der Produkte die richtige Wahl zu treffen und den Überblick über die Kosten zu behalten. Denn bei aller Raffinesse der Konstruktion muß der Anleger bedenken, daß jeder der Beteiligten daran verdienen will. Aber so ist das mit Revolutionen: Sie verändern das Leben - das muß nicht heißen, daß es einfacher wird.

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