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Fondsmarkt : Die Renner der Fondsbranche enttäuschen

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Sie gelten als die Renner der Fondsbranche: Total-Return- und Absolute-Return-Fonds. Doch sie haben enttäuscht und die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt. Die meisten hatten nur bescheidende Renditen, einige lagen sogar im Minus.

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          Sie sind ein Renner in der Fondsbranche, aber ihre Ergebnisse sind bisher eher bescheiden: Total-Return- und Absolute-Return-Fonds haben in vielen Fällen die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt, wie eine Untersuchung des Fondsanalysehauses e-fundresearch.com zeigt.

          „In der Regel ist die Wertentwicklung dieser Produkte eher verhalten“, sagt Christian Schreckeis, Fondsanalyst bei e-fundresearch.com. Immerhin liegen laut Schreckeis 53 der 218 Fonds, die als Absolute- oder Total-Return-Produkte antreten und bereits über eine zwölfmonatige Historie verfügen, über diesem Zeitraum im Minus.

          Damit haben rund 24 Prozent aller untersuchten Produkte ihr Versprechen, in jedem Jahr positiv abzuschneiden, nicht eingehalten. Weitere 70 Produkte kamen über diesen Zeitraum nicht an die risikolose Verzinsung von 2,6 Prozent - gemessen am Drei-Monats-Zinssatz Euribor - heran

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          Nur wenige Produkte mit langer Laufzeit am Markt

          Auch die Wertentwicklung der anderen Fonds überzeugt nicht: So liegen laut e-fundresearch.com 105 aller 256 untersuchten Fonds, also 41 Prozent aller Produkte, im bisherigen Jahresverlauf im Minus. Im Mittel kamen alle Fonds seit Jahresbeginn auf eine magere Rendite von 0,33 Prozent, auf 12-Monats-Sicht immerhin auf 3,35 Prozent.

          Zum Vergleich: Der Euribor hat seit Jahresbeginn 1,8 Prozent und seit August vergangenen Jahres 2,6 Prozent abgeworfen. Blickt man auf die längerfristigen Ergebnisse dieser Produkte, so haben sie über fünf Jahre mit 3,4 Prozent nur um 80 Basispunkte besser abgeschlossen als der 3-Monats-Euribor. Allerdings ist diese Zahl nur begrenzt aussagefähig, da es bisher nur wenige Produkte mit einer so langen Laufzeit am Markt gibt.

          Von Marktturbulenzen in die Tiefe gerissen

          Der Vergleich von Produkten, die als Total-Return-Fonds oder Absolute-Return-fonds angepriesen werden, ist ohnehin schwierig, da sich unter diesen Sammelbegriffen völlig verschiedene Produkte verbergen. Auch die Definition eines Absolute- oder Total-Return-Fonds gestaltet sich schwierig - gleichwohl gehen die Marketing-Abteilungen der Fondsgesellschaften damit sehr freimütig um.

          Allen Produkten gemeinsam ist auf alle Fälle, daß sie sich nicht an einem Vergleichsindex orientieren; sie wollen damit vermeiden, von etwaigen Marktturbulenzen mit in die Tiefe gerissen zu werden. Zudem versuchen diese Produkte, ihren Investoren Verluste zu ersparen, was sie zu eher konservativen Investments macht.

          Kursgewinne und Zinskupons

          Unter „Absolute Return“ hat e-fundresearch.com anhand der Lipper-Fondsdatenbank alle Fonds eingestuft, die flexibel in alle Anlageklassen - Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder andere Investments - investieren.

          Total-Return-Produkte hingegen investieren lediglich in eine Vermögensklasse, versuchen dort aber alle Renditemöglichkeiten auszuschöpfen. Ein Total-Return-Anleihenfonds zum Beispiel versucht, neben den Kursgewinnen und den Zinskupons auch Erträge aus komplexeren Anleihekonstrukten zu erzielen.

          „Produkte lassen sich kaum vergleichen“

          „Die Fonds in dieser Anlageklasse sind derartig verschieden, daß ein Vergleich untereinander kaum möglich ist“, sagt Schreckeis. Aus diesem Grund könne man diese Produkte am besten noch über die Sharpe-Ratio messen, welche die Überschußrendite eines Fonds über den sicheren Geldmarktzins ins Verhältnis setzt zu dessen Kursschwankungen.

          „Diese Produkte lassen sich kaum vergleichen, jeder Fonds hat sein eigenes Konzept - wer in einen solchen Fonds investieren will, muß sich sehr genau anschauen, was der betreffende Fonds macht“, sagt Detlef Glow vom Finanzdienstleister Lipper. Grundsätzlich seien solche Fonds aber eine gute Diversifikation für bestehende Portfolios, da ihre Erträge nur eine geringe Abhängigkeit vom Markt aufwiesen.

          Kosten überraschend niedrig

          Die Kosten dieser Produkte sind laut Lipper überraschend niedrig: Aktienorientierte Absolute- und Total-Return-Fonds weisen im Durchschnitt eine Gesamtkostenbelastung von 1,59 Prozent auf - normale Aktienfonds bringen es auf 1,88 Prozent. Die rentenlastigen Absolute- und Total-Return-Produkte kosten im Mittel insgesamt 1,14 Prozent, was sich mit 1,08 Prozent für normale Rentenfonds vergleicht.

          Allerdings sind diese Werte für den Kleinsparer nur bedingt aussagekräftig, da in diese Berechnungen auch viele Fonds für Großinvestoren eingehen, die in der Regel deutlich niedrigere Gebühren haben als breit verkaufte Massenprodukte.

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