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Fondsmanagergespräch : „Die EZB schnappt uns die Anleihen weg“

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Didier Saint-Georges, Chefanleger der französischen Fondsgesellschaft Carmignac Bild: Helmut Fricke

Didier Saint-Georges legt Milliarden für die Fondsgesellschaft Carmignac an. Dabei kommt ihm ständig die Zentralbank in die Quere. Sein Ausweg: Gold, Öl und Amazon-Aktien.

          Herr Saint-Georges, nach dem Brexit fielen die Börsenkurse in ganz Europa dramatisch, jetzt haben sie sich wieder erholt. Was geht da vor sich?

          Man könnte in der Tat den Eindruck bekommen, dass die Börsen auf den Brexit - also auf die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen - völlig überzogen reagiert haben. Das sehe ich aber nicht so. Der Brexit war ein Schock für die Anleger, dies war gerade in den ersten Tagen nach der Entscheidung deutlich zu spüren.

          Aber weshalb sind die Kurse dann bis heute wieder so deutlich gestiegen?

          Das hat mit der besonderen Logik der Märkte zu tun. Der Brexit hat ihnen in gewissem Sinne wieder Hoffnung gemacht. Er hat sie in ihrem alten Glauben bestärkt, dass sie sich auf ihre wichtigsten Verbündeten der vergangenen Jahre weiter verlassen können - auf die Zentralbanken dieser Welt.

          Erst Schock, dann Hoffnung - klingt ziemlich unstet.

          Dies mag für manch Außenstehenden zwar so aussehen, aber in sich folgt das Ganze einer klaren Linie, wie ich finde. Nach der Finanzkrise haben sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die amerikanische Notenbank Fed mit ihrer Politik des billigen Geldes dafür gesorgt, dass die Aktienkurse immer weiter gestiegen sind.

          Zinsen nahe null machen das Investieren in Aktien nun einmal viel attraktiver als den Kauf von Anleihen. Daran hatte man sich gewöhnt. Als dann aber Ende Dezember 2015 die Fed erstmals seit Jahren den Leitzins leicht erhöht hat, wurde vielen Anlegern auf einmal bewusst: Die Unterstützung der Notenbanken währt nicht ewig. Paradoxerweise hat der Brexit nach einem ersten Schock bei vielen Investoren nun das gegenteilige Gefühl ausgelöst: In einer Phase solch extremer Unsicherheit, so glaubt man jetzt, werden die Notenbanken ihre Politik der niedrigen Zinsen noch lange fortführen.

          Verzeihen Sie, aber das hört sich ein wenig schizophren an.

          Das sehe ich nicht so. Schauen Sie nur auf die Entscheidung der englischen Notenbank, die am vergangenen Donnerstag, die Zinsen weiter gelockert hat. Oder auf die Zurückhaltung der amerikanischen Notenbankpräsidentin Janet Yellen, die von weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr erst einmal Abstand zu nehmen scheint. All dies hat aus gutem Grund dazu geführt, dass sich die Börsenkurse in den vergangenen Wochen wieder klar erholt haben.

          Wie lange werden sich die Investoren noch von den Entscheidungen der Notenbanken abhängig machen? Kann dies immer so weitergehen?

          Auch Notenbanken können keine Wunder bewirken, mit Negativzinsen und mit ihren großangelegten Anleihekaufprogrammen operieren sie längst in einem gefährlichen Grenzbereich. Aber egal, wie man dazu steht: Viel mehr können die Notenbanken beim besten Willen nicht machen.

          In Europa kauft die EZB seit Anfang Juni sogar Unternehmensanleihen. Bleibt für Profianleger wie Sie überhaupt noch etwas übrig?

          Das ist ja das Frustrierende: Das Vorgehen der EZB macht es für uns vollkommen unattraktiv, in europäische Firmenanleihen mit guten Ratingnoten zu investieren. Daimler, BMW, BASF, um Ihnen ein paar Beispiele aus Deutschland zu nennen - bei all diesen Firmen tritt die EZB als Käufer auf. Das ist die totale Manipulation der Märkte und treibt die Investoren weiter in riskantere Anlagearten wie beispielsweise Aktien.

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