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Fondsmanagergespräch : „Die EZB schnappt uns die Anleihen weg“

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Dies lässt sich längst nicht von allen Aktiengesellschaften behaupten. Europas Bankaktien erreichen immer neue Tiefs. Wie gefährlich ist das?

Bankaktien rühren wir nur ungern an. Das Geschäftsmodell vieler europäischer Banken ist mehr oder weniger zerstört: Die niedrigen Zinsen machen ihr Geschäft kaputt, viele können damit nicht mehr genug verdienen. Hinzu kommt der Druck der Aufsichtsbehörden und durch neue Wettbewerber, die Fintechs. Trotz dieser Gemengelage bedeutet dies aber nicht, dass wir gar nicht in Banken investieren. Viele Bankanleihen finden wir sehr interessant.

Warum sollten die weniger riskant sein?

Man mag von den neuen Regeln der europäischen Bankenunion halten, was man will. An zwei Dingen allerdings lassen sie keine Zweifel zu: Erstens müssen alle Banken deutlich mehr Eigenkapital vorhalten als in den Zeiten vor der Finanzkrise. Noch nie waren die Banken so streng reguliert: Trotz all dem, was wir gerade bei Italiens Instituten erleben, macht dies Bankpleiten im Euroraum sehr unwahrscheinlich. Zweitens sprechen die neuen Regeln Banken mit mehr Eigenkapital eine höhere Qualität zu als Banken mit weniger Eigenkapital. Anleihen solcher Banken kaufen wir derzeit. Dazu zählen beispielsweise die UBS oder die spanische Bank BBVA.

Bankanleihen, ein bisschen Facebook, ein bisschen Amazon: Reicht das allein wirklich aus, um unruhigen Zeiten zu trotzen?

Es ist eine gute Grundlage, reicht aber noch nicht. Ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie ist es darum, auch im derzeit schwierigen Umfeld nach kurzfristigen Gewinnchancen Ausschau zu halten: Jeder gute Investor muss abseits seiner eigentlichen Anlagestrategie eben auch ein Opportunist sein. Darum haben wir beispielsweise im Februar die Aktien von Ölfirmen wie Anadarko gekauft. Da alle Ölaktien zu Jahresanfang heftig gefallen sind, war dies ein Schnäppchen. Auch Aktien von Goldminenkonzernen finden wir attraktiv: Wenn die Zinsen weiter niedrig bleiben und gleichzeitig die Inflation in Amerika - wie von vielen erwartet - ansteigt, steigt auch der Goldpreis und mit ihm die Kurse von Goldminenaktien.

Amerika erlebt gerade einen Börsenboom, alle wichtigen Aktienbarometer haben Rekordstände erreicht. Sollten Anleger jetzt in großem Stil in Amerika investieren?

Wir sind auch da eher vorsichtig. Der wichtigste Grund für die starke Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte ist technischer Natur: Die Inflation ist dort zuletzt leicht gestiegen, gleichzeitig hat Fed-Präsidentin Yellen klargemacht, dass von der Notenbank erst einmal keine weiteren Zinserhöhungen zu erwarten sind. Im Saldo bedeutet das: Die Realrenditen von Anleihen - also die Renditen nach Abzug der Inflation - fallen noch niedriger aus als bisher. Das hat zur Folge, dass noch mehr Geld in Aktien fließt.

Mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Daten glauben wir aber nicht, dass Amerikas Wirtschaft wirklich so widerstandsfähig ist, wie es uns die Börsen Glauben machen. Sie ist in Wahrheit ziemlich fragil und fast ausschließlich vom Konsum der amerikanischen Verbraucher abhängig. Ob auf diese in den nächsten Monaten Verlass sein wird, wage ich aber zu bezweifeln: Steigende Mieten mindern ihre Kaufkraft, die Verbraucher werden sich mit Käufen zurückhalten.

Ihr wichtigster Fonds, der Carmignac Investissement, hatte zuletzt eine Schwächephase. Was sagen Sie Ihren Anlegern?

2015 haben wir die Folgen der Abwertung des Renminbi in China für die Aktienmärkte unterschätzt, das belastet die Wertentwicklung bis heute. Aber wir haben daraus gelernt: Von den jüngsten Kursrückgängen - sei es zu Beginn des Jahres, sei es nach dem Brexit - waren unsere Fonds kaum betroffen. Das stimmt mich zuversichtlich.

Fürchten Sie nicht, dass die Anleger stattdessen günstige ETF kaufen, die die Wertentwicklung eines Aktienindex exakt abbilden?

Nein. Ich würde dies für einen Fehler halten. In unruhigen Zeiten haben Fondsmanager die Gelegenheit, sich mit guten Anlageideen auszuzeichnen. Ein ETF ist dazu nicht in der Lage.

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