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Fondsmanagergespräch : „Die EZB schnappt uns die Anleihen weg“

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Sollte man EZB-Präsident Mario Draghi nicht Einhalt gebieten?

Wer sollte das tun? Klar ist aus meiner Sicht, dass Draghi mit diesen Käufen nicht einmal das Ziel erreicht, was er sich selbst gesetzt hat. Es lautete: Die Firmen sollten über neue Anleihen sehr günstig frisches Geld aufnehmen, es dann in ihr Geschäft investieren und auf diese Weise die Wirtschaft ankurbeln. Das funktioniert aber nicht, weil es den Unternehmen in Europa an Mut zum Investieren fehlt und sich die Firmen traditionellerweise in viel höherem Maße über Bankkredite finanzieren. Egal, was die Notenbank auch tut: Die Wirtschaft im Euroraum kommt einfach nicht in Schwung.

Das klingt nicht so, als sollte man sein Geld jetzt in größerem Maße in Aktien investieren.

Wir sind recht skeptisch, was die weitere Entwicklung an den Börsen betrifft. Man muss sich bewusst machen: Trotz der jüngsten Erholung sind die Kurse in Europa seit ihrem Höchststand im Frühjahr 2015 um gut 25 Prozent gefallen. Wir leben längst nicht mehr in angenehmen Zeiten, sondern befinden uns in einem Bärenmarkt - also in einem Umfeld, in dem die Kurse eher fallen als steigen.

Sie repräsentieren einen der größten Vermögensverwalter Europas. Da muss Ihnen etwas einfallen, sonst verlieren Sie Kunden.

Es wird Sie nicht überraschen, dass der wichtigste Grundsatz unserer Anlagestrategie lautet: Mit Vorsicht agieren - das steht über allem. Darum gehören defensive Aktien ins Portfolio, die sich auch dann als stabil erweisen, wenn die Börsenkurse kräftig fallen. Zu solchen Aktien zählen unserer Ansicht nach beispielsweise der Pharmahersteller Novo Nordisk, Amazon und Facebook.

Die Aktien von Facebook und Amazon als defensiv zu bezeichnen ist eine gewagte These.

Mit Blick auf frühere Zeiten mögen Sie recht haben: Zu Anfang machen Firmen wie Facebook und Amazon keine Gewinne, weil sie sich zunächst gegen sehr viele Wettbewerber mit einem ähnlichen Geschäftsmodell durchsetzen müssen. Alles, was sie einnehmen, muss in dieser Phase in Expansion und Marketing investiert werden - für Aktieninvestoren eine eher nervenaufreibende Phase, das stimmt.

Aber heutzutage kann Ihnen doch kaum etwas Besseres passieren, als Facebook- oder Amazon-Aktionär zu sein. Beide haben alle Konkurrenten früherer Zeiten ausgeschaltet, sie sind in ihren jeweiligen Bereichen diejenigen Firmen, die die Schlacht überlebt haben, wenn Sie so wollen. Jetzt greift darum aus Aktionärssicht ein wunderbares Prinzip: „The Winner takes it all.“ Wenn Sie in Amerika oder in Europa online einkaufen, machen Sie das bei Amazon. Und wer im Internet oder auf dem Smartphone Werbung schalten will, kommt an Facebook nicht vorbei. Darum sind beide Aktien defensive Aktien im besten Sinne.

Ihre Begeisterung in Ehren: Aber beide Aktien mussten auch schon hohe Kursverluste hinnehmen.

Das war so, keine Frage. Aber derzeit ist davon nichts zu sehen, beide Aktien notieren auf Rekordhoch. Sollte es in näherer Zukunft doch einmal zu höheren Kursverlusten kommen, würden wir die Gelegenheit nutzen und uns günstig mit zusätzlichen Aktien eindecken. Ich bin fest davon überzeugt: Selbst ein starker Einbruch der Weltwirtschaft kann dem Geschäftsmodell dieser Firmen nur wenig anhaben.

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