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Gespräch mit Fondsmanager : Dividenden müssen nachhaltig sein

Mit Lachs an die Börse: Seit Februar gibt es die Marine-Harvest-Aktie auch in New York zu kaufen. Bild: Reuters

Was nützt die höchste Dividende, wenn danach nichts mehr kommt? Zumal sich das auch im Kurs niederschlägt. Degroof Petercam setzt daher auf Nachhaltigkeit der Zahlungen - und deswegen auf Lachszucht.

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          Seitdem das Zinsniveau in den Bereich von null gefallen ist, haben Anleger Aktien mit hoher Dividendenzahlung für sich entdeckt. Doch an der Börse hält üblicherweise kein Trend lange an. Sind Dividendenstrategien also überhaupt noch gefragt? „Auf jeden Fall“, sagt Laurent van Tuyckom, Portfoliomanager des Europe Dividend Funds der belgischen Gesellschaft Degroof Petercam. „Unser Fonds hat derzeit ein Volumen von 632 Millionen Euro. Vergangenes Jahr waren es noch rund 360 Millionen.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Van Tuyckom ist ein Stock-Picker. So bezeichnet man in der Fondsbranche einen Manager, der einen Bottom-Up-Ansatz verfolgt. Er schaut sich einzelne Unternehmen an und entscheidet darüber, ob diese als Investment in Frage kommen. Sein persönliches Aktienuniversum ist überschaubar: Von 350 Titeln in Europa, die für ihn in Frage kommen, befinden sich rund 70 im Portfolio.

          Top-Dividendenfonds Europa
          Fonds Isin Wertentwicklung p.a.
          lfd. Jahr 3 Jahre 5 Jahre
          Petercam Real Estate Europe Dividend BE6213828088 2,6% 14,2% 9,5%
          UBAM Europe Equity Dividend+ LU0717718224 -1,6% 1,2% -
          Lupus alpha Dividend Champions DE000A1JDV61 -2,0% 18,4% -
          iShares Stoxx Europe Select Dividend 30 DE0002635299 -2,9% 9,5% 5,9%
          Lyxor ETF Stoxx Europe Select Dividend 30 FR0010378604 -3,0% 3,7% -0,2%
          Echiquier Dividende FR0012253946 -3,5% - -
          Deutsche Invest II European Top Dividend LU0781237614 -3,6% 5,9% -
          Siemens Qualität & Dividende Europa DE000A0MYQ28 -3,8% 7,5% -
          Danske Invest Europe High Dividend I LU0274214740 -3,9% 7,3% 7,5%
          Fidelity European Dividend Fund A LU0353647737 -4,0% 5,1% 7,5%
          Quelle: Morningstar

          Eigentlich gibt es 8300 Aktien in Europa. Doch die Auswahl wird durch den Ansatz des Fonds eingeschränkt, der in Aktien investiert, von denen sich van Tuyckom nachhaltig eine hohe Dividendenrendite verspricht. „Das ist nur eine Minderheit“, sagt der Belgier. „Die meisten Unternehmen können ihre Dividende nur stabil halten, andere können sie zwar steigern, aber nur von einem niedrigen Niveau aus.“

          Bayer sei zwar ein guter Dividendenzahler, doch sei die Dividende nicht sehr hoch. In absehbarer Zukunft werde sie wohl auch nicht über den Marktdurchschnitt hinaus ansteigen. Nach dem Übernahmeangebot für Monsanto erscheint dies noch weniger wahrscheinlich. „Wir suchen aber Unternehmen, die nachhaltig Dividenden über den Marktdurchschnitt hinaus zahlen. Und wir akzeptieren nur Bardividenden.“

          Top-Dividendenfonds Europa
          Fonds Isin Volumen Lfd. Kosten Agio
          Petercam Real Estate Europe Dividend BE6213828088 225 Mio. € 1,87% 3,00%
          UBAM Europe Equity Dividend+ LU0717718224 66 Mio. € 2,17% 5,00%
          Lupus alpha Dividend Champions DE000A1JDV61 89 Mio. € 1,13% 5,00%
          iShares Stoxx Europe Select Dividend 30 DE0002635299 519 Mio. € 0,31% 0,00%
          Lyxor ETF Stoxx Europe Select Dividend 30 FR0010378604 181 Mio. € 0,30% 0,00%
          Echiquier Dividende FR0012253946 33 Mio. € 2,39% 1,00%
          Deutsche Invest II European Top Dividend LU0781237614 335 Mio. € 1,77% 5,00%
          Siemens Qualität & Dividende Europa DE000A0MYQ28 86 Mio. € 0,63% 0,00%
          Danske Invest Europe High Dividend I LU0274214740 144 Mio. € 1,03% 3,00%
          Fidelity European Dividend Fund A LU0353647737 526 Mio. € 1,93% 5,25%
          Quelle: Morningstar

          Das Thema Nachhaltigkeit ist van Tuyckom sehr wichtig. Vor gut zwei Jahren etwa seien die Aktien von Ölförderunternehmen aus skandinavischen Ländern bei Investoren aufgrund der Dividendenzahlungen sehr populär gewesen. „Wir haben aber gesehen, dass ihre Verschuldung den Cashflow belastet. Deswegen haben wir uns frühzeitig von den Werten getrennt. Heute sieht man, dass diese Entscheidung absolut richtig war.“

          Allerdings könne niemand immer richtig liegen. Die größten Positionen hält der Belgier derzeit bei Immobilienunternehmen, vor allem im Bereich von Einkaufszentren, wo es immer noch gut laufende Nischen gebe. Generell gebe es immer Gelegenheiten. Es ändere sich eben ständig ändere, wo diese zu finden seien. „Pharma-Aktien wie Astra-Zeneca oder Glaxo-Smithkline waren eine Weile gute Investments. Die Unternehmen erwirtschaften auch heute noch anständige Cashflows, aber mittlerweile laufen die Aktien schlechter als der Markt.“

          Recht differenziert ist derzeit van Tuyckoms Verhältnis zu Finanztiteln. Bei den Banken müsse sich erst noch zeigen, ob sie mit Kostensenkungen und Kapitalerhöhungen Vertrauen wieder gewinnen könnten. Er zieht daher Versicherer vor, vorzugsweise Sachversicherer wie das belgische Unternehmen Aegeas.

          Insofern wird ihm auch nicht bange, dass sein Universum von 350 Titeln zu klein werden könnte. „Wenn man einen Ansatz hat, den man für richtig hält, dann muss man auch konsequent sein. So nehmen wir derzeit keine Aktien aus der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ins Portfolio. Auch wenn sie günstig bewertet erscheinen – die Dividenden sind einfach nicht hoch genug. Man muss seinem Ansatz treu bleiben.“

          Einen persönlichen Favoriten hat van Tuyckam auch: Marine Harvest. Das norwegische Unternehmen ist der größte Zuchtlachskonzern der Welt. Aktuell bietet die Aktie eine Dividendenrendite von 5,3 Prozent. „Derzeit ist das Angebot an Lachs knapp. Langfristig wird auch die Nachfrage in den Schwellenländern steigen. Zuchtfarmen bieten eine ökologisch sinnvolle Möglichkeit, diesen Bedarf zu befriedigen.“

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