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Fondsmanager im Gespräch : Nichts geht über langweilige Aktien

Auf und ab: Der Dax-Kurs wird vermutlich auch 2017 stark schwanken. Bild: dpa

Wie wird das Aktienjahr 2017? Der Vermögensverwalter Bert Flossbach will sich nicht genau festlegen. Ein paar wertvolle Tipps für Anleger hat er aber trotzdem.

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          Herr Flossbach, wie wird das Anlagejahr 2017?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Standardantwort vieler Fondsmanager darauf lautet: Es wird ein volatiles Jahr – also ein Jahr, in dem die Kurse stark schwanken werden. Genauso könnte man sagen: Nachts ist es dunkel. Damit liegen Sie immer richtig.

          Aber wie wird denn nun 2017?

          Wenn Sie eine punktgenaue Prognose für den Dax von mir hören möchten, muss ich Sie enttäuschen. Ich bin kein Hellseher und halte solche Vorhersagen für wenig zielführend. Viel sinnvoller ist es, über die Folgen aktueller Entwicklungen nachzudenken. Die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten hat einiges verändert.

          Trumps Wahl hat in den Vereinigten Staaten eine Kursrally ausgelöst. Amerikas Börsen erzielen fast täglich neue Rekorde. Geht das so weiter?

          Es ist gut möglich, dass die Kurse noch eine Weile steigen. Nachhaltig ist die Entwicklung vermutlich nicht, eher ein Strohfeuer. Warum? Trumps Plan, die Steuern deutlich zu senken und Milliarden Dollar in Infrastruktur zu investieren, erfreut die Finanzmärkte. Er verheißt den Unternehmen höhere Gewinne, deswegen steigen die Aktienkurse.

          Es profitieren aber nicht alle amerikanischen Firmen gleichermaßen, sondern es gibt Gewinner und Verlierer. Zu den Verlierern haben in den Wochen nach der Wahl die sogenannten defensiven Aktien gezählt – Immobilienunternehmen etwa, Versorger oder Konsumgüterhersteller. Die Gewinner waren Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen, aus der Bauindustrie etwa, und ironischerweise die amerikanischen Banken. Letztere könnten von einer erhofften Deregulierung profitieren.

          Was ist so falsch daran, wenn Anleger versuchen, von diesem Trend zu profitieren?

          Erst einmal nichts. Es fragt sich allerdings, wie nachhaltig dieser Trend ist. Interessant ist doch, dass die Investoren Trump zwar ernst nehmen, wenn es um seine Steuer- und Investitionspläne geht, sie sich aber nicht vorstellen können, dass er auch seine protektionistischen Ideen in die Tat umsetzen wird. Die Risiken werden schlicht ausgeblendet.

          Bert Flossbach, Gründer der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

          Ein zweiter Punkt ist aber noch wichtiger: Mittlerweile dürfte auch der letzte Investor erkannt haben, dass in Amerika viel in Bewegung geraten ist. Jeder, der sein Geld in konjunktursensible amerikanische Aktien umschichten wollte, hat das bereits getan. Technisch formuliert: Die Rotation von defensiven in zyklische Aktien ist weitgehend abgeschlossen. Wer jetzt noch auf den Trend aufspringt, ist vermutlich zu spät dran.

          Mag sein. Das alleine erklärt aber nicht, warum Sie die Trump-Rally für ein Strohfeuer halten.

          Stroh brennt schnell, aber nur kurz. Ich befürchte, dass die Kursrally, die Trump ausgelöst hat, sich am Ende in Rauch auflöst. Denn es sind Kräfte am Werk, die auch der künftige Präsident nicht kontrollieren kann. Der von Trumps Politik erwartete Konjunkturimpuls schürt Inflationserwartungen. Dem trägt die amerikanische Notenbank Fed Rechnung, indem sie den Leitzins anhebt, wie jüngst geschehen.

          Andere Notenbanken, allen voran die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan, halten dagegen an ihrer Nullzinspolitik fest. Die Investoren drängen nun in amerikanische Anleihen und Aktien, der Dollar wertet kräftig auf.

          Was ist daran schlimm?

          Der starke Dollar wird irgendwann zu einem Problem für die Unternehmen und damit für die gesamte amerikanische Wirtschaft, weil deren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Volkswirtschaften leidet. Zinsanstieg und Dollar-Aufwertung haben also eine natürliche Grenze. Man könnte das mit einem Feuer vergleichen, dem man den Sauerstoff entzieht.

          Amerikas Notenbank Fed ist nicht so pessimistisch. Sie hat gar drei Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht gestellt, weil sie von einer guten Wirtschaftsentwicklung ausgeht.

          Die Fed lag mit ihren Zinsprognosen in der Vergangenheit meist deutlich daneben. Die Aussagekraft ist also begrenzt - vorsichtig ausgedrückt. Es wäre besser, die Fed als wichtigste Notenbank der Welt würde auf diese Vorhersagen verzichten.

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