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Fondsmanager im Gespräch : Nichts geht über langweilige Aktien

Es braucht nur einen kleinen Auslöser, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Nehmen Sie Griechenland. Für sich betrachtet, ist die dortige Lage zwar kein großes Thema mehr. Das Land kann sich dank der Hilfe Europas und des Internationalen Währungsfonds derzeit Geld fast zum Nulltarif leihen, das ist faktisch ein Schuldenschnitt. Nur nennen Wolfgang Schäuble und die anderen europäischen Finanzminister dies nicht so. Je mehr den Menschen das aber bewusst wird, umso mehr wird auch in Deutschland das Misstrauen gegenüber dem Euro wachsen.

Halten Sie deswegen in Ihrem größten Fonds, dem Multiple Opportunities, zehn Prozent Gold? Wenn der Untergang ausbleibt, ist dies eine gewaltige Fehlinvestition.

Ganz im Gegenteil. Natürlich hoffen wir, dass es nicht zu schlimm kommt, schließlich sind wir nicht unwesentlich in Aktien investiert. Aber das Schöne an Gold ist: Es ist im Gegensatz zu Geld nicht beliebig vermehrbar. Als Währung der letzten Instanz ist es eine Versicherung, die angesichts des Nullzinsumfelds praktisch nichts kostet. Das Verlustrisiko ist, ausgehend vom jetzigen Niveau, begrenzt, und wenn die Inflation wieder zulegt, dürfte der Goldpreis langfristig zumindest mit der Inflationsrate steigen.

Trotzdem hat Gold zuletzt deutlich an Wert eingebüßt.

Das stimmt. Seit den amerikanischen Wahlen sind rund 200 Tonnen durch Goldfonds verkauft worden, weil Gold für kurzfristig orientierte Anleger derzeit seinen Reiz verloren hat. Wir sehen Gold jedoch sehr viel strategischer und sind bereit, zeitweilige Preisrückschläge zu akzeptieren.

Vermögensverwalter werden durch einen neuen Trend herausgefordert: ETF sammeln immer mehr Geld ein. Sie bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax exakt ab und kosten kaum Gebühren.

Ja, und dieser Trend wird sich fortsetzen. Er geht zu Lasten pseudo-aktiver Fonds, wie ich das nenne. Dies sind Fonds, die indexnah investieren, also mehr oder weniger auch einen Index wie den Dax abbilden, dafür aber deutlich höhere Gebühren als ein ETF verlangen. Eine große Nachfrage nach wirklich aktiv gemanagten Fonds wird es jedoch immer geben.

Die neue Stärke der ETF macht Ihnen also keine Angst?

Nein. Ich halte die aktuelle Diskussion, ob man sein Geld nun aktiv in einem Fonds verwalten lassen sollte oder ob man es lieber passiv in einem ETF anlegen sollte, ohnehin für zu kurz gesprungen.

Weshalb?

Weil es passives Investieren in Reinform gar nicht geben kann. Bevor man sein Geld in ETF anlegt, muss man nämlich erst mal einige aktive Entscheidungen treffen - etwa die Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen oder Währungsräume. Erst dann kann man durch die Auswahl eines bestimmten, dazu passenden ETF passiv investieren.

Zu bedenken ist auch, dass Sie mit dem Kauf eines klassischen Börsenindex immer auch alle schlechten Aktien des Index mitkaufen. Denken Sie etwa an den europäischen Euro Stoxx 50, der aufgrund seines hohen Anteils an Finanzwerten seit zehn Jahren eine sehr mäßige Entwicklung aufweist.

Aktive Fondsmanager wissen auch nicht, welche Aktien sich gut entwickeln werden und welche nicht.

Da möchte ich nicht widersprechen. Vor allem kurzfristig besteht dieses Risiko. Über einen längeren Zeitraum sollte sich eine konsequent auf das Verhältnis von Chance und Risiko ausgerichtete Strategie aber auszahlen.

Viele Kritiker Ihrer Branche bestreiten das. Haben Sie sonst noch etwas an ETF auszusetzen?

ETF sind sekündlich an der Börse handelbar. Das heißt, man ist ständig versucht, sie zu verkaufen, wenn es mal nicht so gut läuft. Schwierige Situationen muss der Anleger alleine durchstehen. Ein guter Vermögenverwalter dagegen ist ein Sparringspartner. Er hilft dem Anleger, nicht zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zu verkaufen. Geduld und Vertrauen in die Werthaltigkeit der einmal gekauften Anlagen sind entscheidend für den späteren Anlageerfolg.

Ihre Vermögensverwaltung hat in diesem Jahr so viel Geld eingesammelt wie noch nie. Hat Sie das verändert?

Nein. Allerdings bringt dies auch eine wachsende Verantwortung mit sich. Wenn Freunde, Bekannte und Mitarbeiter investiert sind, spürt man diese Verantwortung noch stärker und möchte es erst recht nicht vermasseln.

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