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Fondsmanager im Gespräch : Nichts geht über langweilige Aktien

Wahrscheinlicher ist doch folgendes Szenario: Je stärker der Dollar wird, umso schwieriger wird die Lage für die amerikanischen Unternehmen. Im schlimmsten Fall stürzt Amerikas Wirtschaft in die Rezession. Darauf wird die Fed mit einem niedrigeren Leitzins reagieren müssen. Es wäre das genaue Gegenteil ihrer jetzigen Ankündigung.

Angenommen, Sie haben recht: Wie sollten Anleger sich darauf einstellen?

Ich bin davon überzeugt, dass Aktien solider und ertragreicher Unternehmen in so einem Umfeld die besten Investments sind. Natürlich sind auch sie nicht immun gegen alle Risiken, aber schwierige Zeiten überstehen sie weitgehend schadlos. Das beste Beispiel dafür ist immer noch die Aktie des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé.

Zu dieser Aktie raten Sie seit Jahren. Der Kurs ist in den vergangenen Monaten trotzdem kräftig gesunken.

Zugestanden: Aktien stabiler Konsumgüterhersteller wie Nestlé haben vielen Investoren lange Zeit als Ersatz für Anleihen gedient. Seit Jahren können Anleger damit attraktive Dividendenrenditen erzielen. Das heißt: Setzt man die Dividende ins Verhältnis zum Kurs, kommt man derzeit auf einen Ertrag von drei bis vier Prozent. Angesichts der steigenden Anleiherenditen in Amerika haben manche Anleger solche defensiven Aktien in den vergangenen Wochen verkauft und in Erwartung eines deutlichen Konjunkturimpulses in konjunktursensible Aktien getauscht. Wobei man hinzufügen muss, dass sich diese Entwicklung zuletzt etwas relativiert hat - und die Kurse defensiver Qualitätstitel wieder zugelegt haben.

Trotzdem: Mit Bankaktien hätten Sie in den vergangenen Monaten deutlich mehr Geld verdienen können.

Richtig. In den vergangenen Monaten. Das ist aber nicht der Zeithorizont, der für uns maßgeblich ist. Langfristig ist eine attraktive Wertentwicklung mit Bankaktien eher die Ausnahme. Das gilt insbesondere für die europäischen Institute. Wer weiß schon, wie viel Eigenkapital die Banken wirklich haben? Und woher soll man mit Sicherheit feststellen, welche Risiken tatsächlich in ihren Bilanzen schlummern? Zumal wir ja gerade hautnah in Italien miterleben, wie fragil Europas Banken sind.

Dort kämpft die Bank Monte dei Paschi in diesen Tagen ums Überleben. Ist das die Rückkehr der Euro-Krise?

Die Krise war in Wahrheit nie wirklich weg. Das große Risiko ist, dass aus der Bankenkrise in Italien irgendwann eine politische Krise erwächst. Dass eine Regierung an die Macht kommt, die den Euro zur Disposition stellt und ein Referendum zum Verbleib in der Eurozone abhält. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Italiener dann mit „Nein“ stimmen, sollten wir nicht unterschätzen. Ähnlich könnte es in Frankreich laufen, wenn bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 die Rechtsextremen um Marine Le Pen an die Macht kommen. Das wäre vermutlich das Ende des Euros.

Muss das so schlimm sein? Auch in Deutschland hegen immer mehr Menschen Zweifel, ob die Einführung des Euros eine gute Idee war.

Ja, die Zweifel kann man haben. Als Vermögensverwalter, dem seine Kunden viel Geld anvertraut haben, sorgt mich aber, wie die Märkte auf ein Ende des Euros in seiner derzeitigen Form reagieren würden. Ich denke, dies hätte schwerwiegende Verwerfungen an den Märkten zur Folge.

Es gilt doch nach wie vor das Versprechen des EZB-Präsidenten Mario Draghi, den Euro zu retten, koste es, was es wolle.

Draghi wird sich bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2019 daran halten, daran habe ich keinen Zweifel. Auf der jüngsten Sitzung der Europäischen Zentralbank hat er sich von den anderen Ratsmitgliedern eine Art Freifahrtschein ausstellen lassen, seine Politik der niedrigen Zinsen so lange fortzusetzen, wie es ihm beliebt. Wenn der Euro aber in immer mehr Mitgliedstaaten in Frage gestellt wird, ist der Einfluss Draghis am Ende doch sehr begrenzt. Wenn niemand mehr mitmachen mag, wen soll Draghi dann noch retten?

Sie malen zu schwarz.

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