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Bill Gross erklärt : Niedrige Zinsen verhindern kräftiges Wachstum

Bill Gross sieht eine Gefahr von niedrigen Zinsen darin, dass Privatpersonen angesichts fehlender Erträge ihren Konsum einschränken Bild: Reuters

Die Niedrigzinsen machen nicht nur langfristige Geldanlagen wenig attraktiv. Der amerikanische Fondsmanager Bill Gross sieht darin gar einen „unerklärten Währungskrieg“.

          Die sehr niedrigen Zinsen sind weniger eine Voraussetzung für ein kräftiges Wirtschaftswachstum, sie können im Gegenteil ein kräftiges Wachstum verhindern. Diese Ansicht vertritt der bekannte amerikanische Fondsmanager Bill Gross in einer neuen Studie zu den Aussichten an den Kapitalmärkten. Gross arbeitet seit vergangenem Herbst für die mittelgroße amerikanische Fondsgesellschaft Janus Capital. Berühmt wurde er als einer der Gründer und langjährigen Manager der zur Allianz gehörenden kalifornischen Fondsgesellschaft Pimco, für die Gross unter anderem den größten Anleihenfonds der Welt verwaltete.

          Der Amerikaner verbindet mit der Niedrigzinspolitik vor allem zwei Gefahren. Zum einen zerstöre sie die Grundlage der Geschäftsmodelle großer langfristiger Investoren wie Versicherern und Pensionskassen. Diese müssten einen großen Teil ihrer Mittel sicher anlegen, doch gebe es für sichere Anlagen kaum noch eine Rendite. Zum zweiten zwinge sie Privatpersonen mit festen Sparzielen angesichts fehlender Erträge zu einer höheren Ersparnis und damit zu einer Einschränkung ihrer Konsumausgaben. Der Kapitalismus lebe von der Aussicht auf eine Rendite.

          Gross wundert sich zudem über die Debatte, warum die amerikanische Wirtschaft nach der Krise als erste große Volkswirtschaft wieder in Gang gekommen sei. Dabei werde nur selten darauf verwiesen, dass die Amerikaner mit ihrer expansiven Geldpolitik unter Einschluss von Anleihekäufen als erste eine Politik der Währungsabwertung betrieben hätten, die ihre Position im internationalen Handel gestärkt habe.

          Tipps vom „König der Anleihen“

          Auch in der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hätten jene Nationen am frühesten profitiert, die früh aus dem Goldstandard ausgetreten waren und abgewertet hatten. Heute sieht Gross die Situation eines „unerklärten Währungskrieges“. Nunmehr begebe sich die Europäische Zentralbank mit ihrem Anleihekaufprogramm auf eine Reise ins Ungewisse, die von einer weiteren Abwertung des Euro begleitet sein könnte.

          Gross warnt, dass Anleger, die in den vergangenen Jahren von Kursgewinnen bei Anleihen profitiert hatten, vor schwierigeren Zeiten stehen könnten. Zudem seien die Märkte für Aktien, Hochzinsanleihen und anderen Anlagen, die Renditen zwischen 5 und 10 Prozent bringen könnten, anfällig für Spekulationsblasen.

          Statt dessen empfiehlt Gross eine konservative Anlagestrategie, die auf Anleihen mit sehr guten Ratings und, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, niedrig bewerteten Aktien von Unternehmen mit hoher Qualität beruht. Der Amerikaner war lange sehr erfolgreich gewesen und hatte sich den Ruf eines „Königs der Anleihen“ erworben. In den vergangenen Jahren begann sein Stern jedoch zu sinken. Nun will er es bei Janus noch einmal wissen.

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